Dienstag, 23. November 2010
....gelegentlich kann man schon mal falsch liegen....
Das Beste, das man über die Afghanistanpolitik noch sagen kann wäre: Man ist kreativ bemüht. Etwas zynischer, aber auch ehrlicher, wäre: Konzeptlos. Von Anfang an. Er hier beschreibt das zusammenfassend -und wenn man sich den von ihm beschriebenen Dilettantismus anschaut ist man erstmal mächtig entsetzt- hervorragend. Erst einmarschieren und nicht wissen, was dann zu tun ist. Danach die Warlords gewähren lassen, um dann zu merken, dass das auch nicht funktioniert.
Und dann schlug die große Stunde von Joschka F. Der hatte die überaus brilliante Idee, massiv die Truppenpräsenz aufzustocken. Erst zum Zweck der Einführung demokratischer Verhältnisse, dann zur Befriedung und als sich beides als illusorisch erwies zur Verhinderung eines drohenden Bürgerkriegs, den es aber vermutlich auch bereits gibt. Jetzt sitzt man da mit einem Marionettenpräsidenten, der in etwa gleichviel Legitimität hat wie seinerzeit die sowjetischen Marionetten. Vor einem Jahr noch ging die Strategie gen Deeskalation: Tote Zivilisten sind zu vermeiden, Kämpfe auf ein Mindestmaß runterschrauben. Dann wurde der Oberbefehlshaber ausgetauscht und jetzt wird wieder eskaliert und zwar richtig: Mittlerweile gibt es beinahe täglich Luftschläge und Drohnenangriffe und soviel gebombt wie seit Oktober wurde das gesamte letzte Jahr nicht.

Es gibt aber auch so richtig lustige Geschichten. Wie etwa die von Mullah Achtar Mansour. Das ist angeblich die Nummer Zwei der Taliban und zwischen ihm, den Amerikanern und der Karzairegierung gab es in letzter Zeit Verhandlungen. Man flog den Kerl per NATO-Flieger zu persönlichen Treffen mit Karzai, stattete ihn großzügig mit Geld aus und hofierte ihn wohl auch sonst gehörig.
Das Problem war nur: Mullah Mansour war gar nicht Mullah Mansour. Erst durch einen Zufall kam raus, dass man einem Hochstapler aufgesessen war.

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Freitag, 19. November 2010
....was die Balten unsereins voraus haben...
Wie man ein Regime übern Haufen schmeißt, das lernt man von den Balten. Estland, Lettland, Litauen. Die waren immerhin dafür verantwortlich, dass sich die Sowjetunion aufgelöst hat. Unterdrückt über Jahrzehnte, fremdbeherrscht über Jahrhunderte. Mal ehrlich: Das will wirklich was heißen, wenn die losschlagen und erfolgreich sind.

Haben Sie sich auch mal gefragt, wie die Balten das gemacht haben? Wenn nicht, gibts hier die Antwort: Sie haben gesungen. Einfach: Gesungen. Oder bedienten sich der Musik. Hinterher nannte man das dann die "singende Revolution".

Die Letten etwa haben ihre Sängerfeste. Es treffen sich dort Zehntausende. Jährlich. Da werden dann traditionelle Lieder angestimmt. Aber nicht nur ausschließlich. Da kann man ja auch mal ein Lied anstimmen, bei dem gewisse Wörter nicht legal sind, um es genau zu sagen: Bei Dievs sveti Latviju (DAS Lied Lettlands und heute Nationalhymne) war der Bezug auf Lettland (Latvija) verboten und es durfte nur der Bezug aufs Baltikum hergestellt werden (statt "Latviju" sollte "Baltiju" gesungen werden). Aber mal ehrlich: Was macht man denn als Glasnost-Perestroika-Regime, wenn 100.000 Leute dastehen und nun das falsche Wort singen? Alle 100.000 verhaften?

Oder Estland. Dort gabs die Mode, einen finnischen Radiosender aufzudrehen, die Fenster aufzureißen und die Radios ans Fensterbrett zu stellen. Weil die finnische Nationalhymne zum Sendeschluss gespielt wurde. Die war per Melodie genau dieselbe wie die estnische.....

....und wenn so grob 6 Millionen Balten eine Sowjetunion beerdigen können, dann können auch ein paar Millionen Schwaben und Badenser den Mappus stürzen und des mach ma jetzt demnäxxt auch. Wenn die Balten eine Weltmacht singend stürzen, dann kriegen wir den Mappus per Wahlzettel ein.

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Donnerstag, 18. November 2010
Dinge, die an Tiere erinnern. Heute: Der Elephant

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Mittwoch, 17. November 2010
Es gibt Sachen, die mir wirklich Angst machen.

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Montag, 15. November 2010
Vorbei
Talkshows schaue ich mir eigentlich nur deshalb an, um mir selbst zu zeigen, weshalb ich mir keine Talkshows anschaue. Neulich war mal Anne Will. Und da saß der übliche FDP-Verdächtige. Martin Lindner. Ich weiß nur deshalb, dass es der übliche FDP-Verdächtige ist, weil ich Youtube intensiv recherchiert habe. Scheinbar hat die FDP einen Talkshowbeauftragten.

Früher war der Generalverdächtige der FDP der Westerwelle, aber der hat mittlerweile derart breite Bevölkerungsschichten mit Ausnahme der Hoteliers so sehr beleidigt, dass man den nicht mehr herzeigen kann. Deshalb muss wohl der Lindner ran und man fragt sich: Haben die keinen anderen oder hat der einen Direktvertrag? Oder: Hat der Lindner nix anderes zu tun oder kann er nix anderes? Vermutlich beides, äh, alles.

Vor allem aber fragt man sich: Weshalb darf der ungestoppt vor sich hinschwallern? Sagt dem keiner, dass er jetzt doch bitte besser die Fresse halten möge? Weshalb lässt man den die x-te Regierungserklärung erneut rekapitulieren, weshalb darf der für umme Wahlkampf machen und das im öffentlich-rechtlich finanzierten Fernsehen und völlig ungehemmt und unwidersprochen?

Da haben wir das Problem. Irgendwo im öffentlich-rechtlichen Medium (von den privaten reden wir gar nicht erst), ist man wohl der Meinung, man brauche zu einem Thema einen Politiker und -bitte- das muss ja wohl zwangsläufig ein Experte sein, kann ja gar nicht anders, weil sonst säße er ja nicht da.
Das ist der Fehler. Sloterdijk nannte es den Monolog von Authisten und er hat Recht. Es ist ein Politsprech, den der normal tickendende gar nicht mehr verstehen will. Nicht nicht kann.

Sie reden an allen vorbei. Sie reden an allen vorbei, wenn nach der Loveparade in Duisburg vier Leute auf einem Podium hocken und einzig erklären, weshalb sie nichts mit dem Thema zu tun haben. Sie reden an allen vorbei, wenn sie in Winnenden hocken und erstmal eine Stunde erklären, weshalb sie nicht verantwortlich sind. Und sie reden auch an allen vorbei, wenn sie erklären wollen, dass "Sprühregen" Augen ausgeschossen habe. Sie reden auch an allen vorbei, wenn sie erklären wollen, weshalb so eine Laufzeitverlängerung "alternativlos" sein soll. Sie reden an allen vorbei in Sachen Afghanistan, sie reden meist an allen vorbei.

Die Leute interessieren sich nicht für Regierungserklärungen. Nicht mehr seit sie an allen vorbeireden.

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Kurt und der Abfall
Kennen Sie Kurt Widmaier? Nein? Den müssen Sie auch nicht kennen. Der Mann ist Landrat des Landkreises Ravensburg, eine beschauliche Stadt mit zig Türmen in Südwürttemberg. Als solcher wäre er mir eigentlich kaum eine Zeile wert. Der Mann ist aber nicht nur Landrat eines eher ländlich-bäuerlich geprägten Kreises sondern einer der mächtigen Männer der Republik. Einer der mehr hinter den Kulissen die Strippen zieht. Aber keine kleinen Strippen. Strippen, die Auswirkungen bis nach Gorleben haben. Wie das ein kleiner Landrat kann?

So: Der Landrat von Ravensburg ist in Personalunion gleichzeitig auch Vorsitzender der OEW, der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke. Ein Zusammenschluss mehrerer Körperschaften aus insgesamt 9 Landkreisen, vornehmlich im südlichen Württemberg. Das klingt erstmal mächtig provinziell, ist es aber nicht. Weil die OEW einer der beiden großen Teilhaber der EnBW ist und die EnBW wiederum ist der drittgrößte Energiekonzern Deutschlands. Der andere Teilhaber (in gleichen Teilen) ist die EdF (Électricité de France).

Nun könnte man sich freuen, dass so ein Energieversorger zu 45% in mehr oder weniger Staatsbesitz ist. Könnte man. Man könnte sich aber auch fragen, wie die Energie gewonnen wird und weshalb alle baden-württembergischen Ministerpräsidenten allesamt, sonders und durchgängig ausnahmslos so große Anhänger der Kernenergie waren und sind.

Vielleicht weil die EnBW der Energieversorger ist, der bundesweit die höchste Atomstromquote hat? Der Mix sieht nämlich so aus:
Atom: 57% (Bundesdurchschnitt: 25%)
Erneuerbare Energie: 11% (Bund: 16%)
Fossil: 32% (Bund: 59%)

Zugegeben: Der hohe Anteil an Kernkraft kommt auch durch die EdF zustande, die eigentlich so gut wie nix anderes tut als AKWs zu betreiben, aber eben nicht nur: Selbst einzig auf Deutschland heruntergerechnet -und damit auf das, was einzig die OEW betreibt- steht eine doppelt so hohe Kernkraftquote wie in Restdeutschland.

Deshalb dürfen Sie bei den näxxten Bildern aus Gorleben sehr gerne mal an den Kurt in seinem beschaulichen Städtchen mit den zig Türmen denken. Was Sie nicht dürfen: Auf Änderung hoffen. Während bereits Schwaben an sich als eher konservativ gelten, trifft das in noch viel größerem Maße auf Oberschwaben zu und das Kurtle kommt aus dem allerallertiefsten Oberschwaben. Dort werden auch Rindviecher in entsprechende Positionen gewählt, solange sie nur das schwarze Parteibuch haben. In der Gegend gibt es nur zwei Institutionen von Relevanz: Gott aka die katholische Kirche und die CDU.

Und: Die Macht der Landräte darf man nicht unterschätzen. Wahlen werden in Baden-Württemberg in der Fläche gewonnen, nicht in Stuttgart, Freiburg, Heidelberg oder Tübingen. Der Einfluss dieser Lokalfürsten ist daher nicht klein. Raten Sie doch mal, wo die baden-württembergischen AKWs stehen. Ein kleiner Tipp: Nicht auf OEW-Gelände.

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Freitag, 12. November 2010
Jump
Sehr selten nur habe ich das Gefühl, im exakt richtigen Moment den Auslöser meiner Kamera gedrückt zu haben. Genauer: So richtig selten, eigentlich sogutwie überhaupt nie. Daher sind diese Momente auch irgendwie glückselige Momente. Weil so selten. Okay, es mag auch damit zusammenhängen, dass die Motive meiner Wahl meist eher stillhalten. Häuser und Landschaften bewegen sich meist eher langsam und daher kommt es meist nicht auf den ultimativen Moment an. Daher bleiben mir meist mindestens Minuten, wenn nicht viel länger. Aber mal ehrlich: Ich suche "den Moment". Der lässt sich nicht greifen in einem Sujet, das ich vorbereitet habe."The moment" kann man weder planen noch vorbereiten. Kurz: Ich bin immer auf der Suche nach dem unmöglichen Shot und den kann es eigentlich gar nicht geben, weil ich immer mit irgendwas unzufrieden sein werde. Dennoch: Die letzten eineinhalb Jahre habe ich etwa 8000 mal abgedrückt und genau zweimal war das in der genau richtigen Hundertselsekunde. 2 aus 8000 wäre eigentlich eine Scheißquote, aber hey, für mich ist das eine Quote. Weil wenigestens hin und wieder mal ein Treffer gelandet wird. Das eine Mal hier. Das andere Mal da:


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Donnerstag, 11. November 2010
Sie sagen, sie hätten Fehler gemacht.
Damals. Am 30. September. Keine Sorge, nicht die Politik. Die Einsichtsfähigkeit von Mappus und Konsorten bleibt noch in sehr übersichtlichen Bahnen. Die Polizei hat Fehler gemacht. Sagt die Polizei selbst. Das möchte man bestätigen, allerdings auch nur so lange, als man sich betrachtet, welche Fehler sie gemacht haben wollen.

Einerseits habe man den "heftigen Widerstand gegen Polizeikräfte durch eine Vielzahl von Personen" unterschätzt. Anders ausgedrückt: Man war völlig perplex darüber, wie brutal und unbarmherzig Leute in einer matschigen Wiese saßen.
Der zweite Fehler bestand darin, dass sich die bayrische Bereitschaftspolizei verfahren habe* und zu spät am Einsatzort eintraf. Geht natürlich gar nicht, weshalb die betreffenden Beamten sicherlich bereits abgemahnt wurden.

Lustig dabei ist, dass sie damit ja indirekt einräumen, dass die Demonstranten besser organisiert waren als die Polizei selbst, die das im Gegensatz zu den Demonstranten schon lange im Voraus planen konnte.
Allerdings, liebe Polizei, müsst ihr euch nun nicht in Sack und Asche hüllen und gleich zwei Fehler einräumen. Es gab nur einen einzigen Fehler: Eure Anwesenheit als solche.


*Dia Daggl send doch dadsächlich oimol om Schduagrd romgfahra ond erschd bei Zuffahausa rausgfahra.

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Saudumme Sprüche (XXXII)
Die Aufgabe der Polizei ist es, friedliche Demonstranten zu schützen.

Heribert Rech, Innenminister des Rechstaats Baden-Württemberg, empfängt seine Truppe nach dem Castortransport.

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Mittwoch, 10. November 2010
Feld




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Nur 5 Lügen zu Stuttgart21, mehr nicht....
....was haben sie sich bemüht, das "Projekt" legitim gestalten zu wollen. Sie haben Werbeagenturen beschäftigt und diese wieder gewexxelt, wenn nicht erfolgreich. Aber dennoch erkennt jeder halbwegs klar tickende Baden-Württemberger die Lügen. Als da wären:

Das Projekt ist vollständig demokratisch legitimiert

Richtig ist: Es hat alle parlamentarlichen Gremien durchlaufen, aber auch nur deshalb, weil es unmittelbar superkurz vor und direkt nach einer Wahl beschlossen wurde, während gleichzeitig von der Landesregierung beauftragte Gutachten unter den Tisch fielen (das sma-Gutachten etwa, das dem neuen Bahnhof eine Katastrophe bescheinigte). Besser noch: Ein Gutachten mutet man den gewählten Parlamentariern bis heute nicht zu, noch nicht mal in geschwärzter Form.
Falsch ist: Die Bevölkerung wurde miteinbezogen. Die durfte zuschauen. Bei Infoveranstaltungen etwa wurde betont, dass man das auf jeden Fall bauen werde, man aber immerhin bereit sei, sich eine Gegenmeinung anzuhören, mehr sei aber nicht drin. Richtig ist: Die Grünen wurden bei den letzten Kommunalwahlen in Stuttgart stärkste Fraktion. Weshalb wohl?


Die Proteste begannen erst spät (zu spät)

Falsch. Die Bürgerinitiative formierte sich 1994, mithin mit Vorstellung der Pläne.
Es gab 10.000 (!) Einsprüche, ein abgekanzeltes Bürgerbegehren und die Demos laufen seit über einem Jahr.


Die Gegner sind technik- und fortschrittsfeindlich

Falsch. Baden-Württemberg ist und war schon immer technikversessen wie wahrscheinlich wenig andere Bundesländer. Die Leute sind stolz, Ingenieur zu sein oder wenigstens Maschinenbauer und das bis heute. Man verweigert nicht DIE Modernisierung, man verweigert DIESE "Modernisierung", die nicht als solche empfunden wird.


Wenn man dieses Projekt nicht baut, wird man nie wieder ein Großprojekt bauen können

Wenn dem so sein sollte: An der Bevölkerung vorbeientscheiden und bauen? Gottseidank wird es dann nie wieder ein solches Ding geben. Es ist aber unwahr, dass Großprojekte nicht mehr möglich sind. Hier ums Eck nimmt eine Kommune für 5 Jahre eine gespaltene Stadt mitsamt Dreck und Lärm in Kauf und das weil eine neue Straße mitten durch den Flecken gebaut wird. Sie sind begeistert. Woanders wurde die geplante Stadthalle per Volksentscheid abgewatscht. Einmal drüber geplant und alle sagten: Toll, machma.


Stuttgart21 ist nicht mehr zu stoppen

Ich habe keine Ahnung, ob das gestoppt werden kann, aber: Man konnte Wackersdorf stoppen, man konnte Wyhl stoppen, Boxberg konnte man stoppen, Kalkar konnte man stoppen.

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Montag, 8. November 2010
Glauben die etwa, ich bin blöd...
....und weiß nicht, wo Tschernobyl liegt?

   ... Fundstuecke
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Sonntag, 7. November 2010

   ... Poly-Tikk
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