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Donnerstag, 4. März 2010
Nieten der Weltgeschichte, Part I
gorillaschnitzel, 01:06h
Man kennt ja so allerlei Nieten der Weltgeschichte. Versager, die voll gescheitert sind. Nixon etwa oder auch der berühmteste und erfolgreichste Versager Hitler, der sonst nur noch im am-konsequentesten-und-endgültigsten-Krieg-verlieren und in der Kategorie Genozid den Spitzenplatz einnimmt.
Es gibt aber auch die vergessenen Versager und denen wollen wir uns nun an dieser Stelle widmen. Wie etwa Faustin Soulouque. Der war einerseits zwar erfolgreich, weil er nur einer von zwei Haitianern war, die es je zum Kaiser gebracht haben und immerhin war er derjenige, der länger regierte als der andere, aber vielleicht sollte man auch mal die Gesamtregierungsdauer der beiden Kaiser erwähnen: 9, bzw. 12 Jahre, je nachdem, ob man die Ausrufung oder die Inthronisation herannimmt.
Faustin ist einer aus der langen Reihe, die Haiti als ehemals reichste französische Kolonie in das völlige Elend verbracht haben. Und spätestens als Kaiser sticht er dann doch noch ein wenig unter den vielen Knallchargen raus, weil so ziemlich alles was er je begann in einem Desaster endete.
Nach einer unspektakulären und opportunistischen Karriere im Militär befand man den guten Faustin dann in einem Alter in dem andere die Rente antreten für gut genug, die Regierungsgeschäfte zu führen. Das war 1847 und Faustin galt wohl als hervorragender Kandidat: Weil er nämlich Analphabet war, diente er als Strohmann der mulattischen Elite, was anfangs auch großartig funktionierte, aber es knallte dann doch und die Elite hätte wissen können, was passieren kann, wenn man sich einen Ex-Militär einfängt. In diesem Fall ein viertägiges Blutbad und damit war die Elite erstmal ausgeschaltet. Ab jetzt herrschte eine kontinuierliche Atmosphäre der Angst aus Polizeistaat und Geheimpolizei. Das ging so weit, dass die Repräsentantenkammer aus Furcht vor noch mehr Gräueltaten sich bei Faustin -Retter des Vaterlands- bedankte.
Dabei hätte es Faustin belassen können, aber ab nun sorgt er nur noch für die Ramponierung seines Image: Er verfolgt die rebellischen Mulatten gen Santo Domingo, die heutige Dominikanische Republik und erleidet eine sehr peinliche Niederlage.
Das hindert ihn aber nicht, sich trotzdem zu Kaiser zu krönen. Die Feierlichkeiten kosten mal schnell mal den gesamten Staatsschatz und damit ist Haiti erstmal ruiniert und so ziemlich pleite. Dafür hat jetzt Haiti einen von Faustin gegründeten Adel, den es schon 7 Jahre später nicht mehr geben wird.
Nochmals marschiert er gegen Santo Domingo und zwar gar drei Mal und drei Mal kriegt er mächtig auf die Mütze. Innenpolitisch herrscht Terror und völlige Verschwendung der wenigen Staatseinnahmen. Ende 1858 war Haiti so ziemlich pleite und es wurde die Republik ausgerufen, ein Bürgerkrieg begann. Nur drei Wochen später war Faustin abgesetzt und floh ins Exil, von wo er wieder heimkehren durfte und friedlich 85jährig in Haiti verschied.
Es gibt aber auch die vergessenen Versager und denen wollen wir uns nun an dieser Stelle widmen. Wie etwa Faustin Soulouque. Der war einerseits zwar erfolgreich, weil er nur einer von zwei Haitianern war, die es je zum Kaiser gebracht haben und immerhin war er derjenige, der länger regierte als der andere, aber vielleicht sollte man auch mal die Gesamtregierungsdauer der beiden Kaiser erwähnen: 9, bzw. 12 Jahre, je nachdem, ob man die Ausrufung oder die Inthronisation herannimmt.
Faustin ist einer aus der langen Reihe, die Haiti als ehemals reichste französische Kolonie in das völlige Elend verbracht haben. Und spätestens als Kaiser sticht er dann doch noch ein wenig unter den vielen Knallchargen raus, weil so ziemlich alles was er je begann in einem Desaster endete.
Nach einer unspektakulären und opportunistischen Karriere im Militär befand man den guten Faustin dann in einem Alter in dem andere die Rente antreten für gut genug, die Regierungsgeschäfte zu führen. Das war 1847 und Faustin galt wohl als hervorragender Kandidat: Weil er nämlich Analphabet war, diente er als Strohmann der mulattischen Elite, was anfangs auch großartig funktionierte, aber es knallte dann doch und die Elite hätte wissen können, was passieren kann, wenn man sich einen Ex-Militär einfängt. In diesem Fall ein viertägiges Blutbad und damit war die Elite erstmal ausgeschaltet. Ab jetzt herrschte eine kontinuierliche Atmosphäre der Angst aus Polizeistaat und Geheimpolizei. Das ging so weit, dass die Repräsentantenkammer aus Furcht vor noch mehr Gräueltaten sich bei Faustin -Retter des Vaterlands- bedankte.
Dabei hätte es Faustin belassen können, aber ab nun sorgt er nur noch für die Ramponierung seines Image: Er verfolgt die rebellischen Mulatten gen Santo Domingo, die heutige Dominikanische Republik und erleidet eine sehr peinliche Niederlage.
Das hindert ihn aber nicht, sich trotzdem zu Kaiser zu krönen. Die Feierlichkeiten kosten mal schnell mal den gesamten Staatsschatz und damit ist Haiti erstmal ruiniert und so ziemlich pleite. Dafür hat jetzt Haiti einen von Faustin gegründeten Adel, den es schon 7 Jahre später nicht mehr geben wird.
Nochmals marschiert er gegen Santo Domingo und zwar gar drei Mal und drei Mal kriegt er mächtig auf die Mütze. Innenpolitisch herrscht Terror und völlige Verschwendung der wenigen Staatseinnahmen. Ende 1858 war Haiti so ziemlich pleite und es wurde die Republik ausgerufen, ein Bürgerkrieg begann. Nur drei Wochen später war Faustin abgesetzt und floh ins Exil, von wo er wieder heimkehren durfte und friedlich 85jährig in Haiti verschied.
Mittwoch, 3. März 2010
Manche Tage sind Liefertage. Liefertage sind manchmal Feiertage
gorillaschnitzel, 14:38h

Dienstag, 2. März 2010
Ernährung ist eine Kunst, zur Not gehts auch gehaltlos, den Beweis trete ich hiermit an.
gorillaschnitzel, 23:55h
....und dann stand er da mitsamt dem aus dem Ranzen herausgeplatzten Hemd und sortierte von mir handgezählt eine Packung Salz und sage und schreibe 18 (in Buchstaben: achtzehn) Päckchen "Maggi Fix überbackener Camembert", empfohlen immerhin durch Horst Lichter, auf das Band und ich fragte mich an dieser Stelle, wie dieser Mensch an Vitamine kommt und wovon er sonst so lebt. Camembert zumindest lagen da nicht. Vitaminfreies Leben ist möglich!


Montag, 1. März 2010
Riga
gorillaschnitzel, 15:39h
Irgendwo muss ich ja gewesen sein während meiner Abwesenheit und ich lag weder im Bett, noch habe ich mich im Keller eingeschlossen, auch wenn letztere Variante eine durchaus interessante Komponente enthält, weil da unten noch die ein oder andere alkoholische Preziose liegt, unter anderem ein halbes Fläschchen 95er-Sassicaia.
Mich zieht´s aber regelmäßig raus in die Welt und deshalb habe ich einfach mal auf die Schnelle das nächstbeste Flugticket genommen und das war in dem Fall gen Baltikum. Und wie Sie das kennen, arbeiten wir uns nun peu a peu durch alle Stationen durch, es hilft alles nix, da müssen wir jetzt gemeinsam durch.
Riga. Hauptstadt von Lettland und die größte Stadt des Baltikums. Eine der schönsten sowieso. Die Letten selbst sprechen es sehr drollig aus mit einem sehr gerollten R und sehr langem I, also in etwa Rrrrrriiiiiiiiiiiiga.
Angekommen im üblen Schneesturm und mich umgehend gefragt, was ich hier eigentlich mache und wie bescheuert man sein kann, in dieser Jahreszeit hierher zu fliegen. Also zuerst mal zwecks Überblick hoch auf den Turm der Akademie der Wissenschaften, einem -man hört es bereits am Namen- für das kleine Baltikum gingantischen Stalinmonumentalbau.

Irgendwie kommt man sich aber dennoch ein bißchen vor wie in Russland, was vermutlich daran liegt, dass die Russen, die während der Sowjetzeit nach Riga kamen, hier die Bevölkerungsmehrheit stellen und man unablässig russisch hört. Gefällt den Letten nur sehr bedingt, weil ein Teil der Russen sich enorm schwer tut mit der Integration in das "neue" lettische Staatswesen. Und wenn die Letten -ebenso die Litauer und die Esten- eines wissen, dann um die Tatsache, dass ihre Freiheit und ihre Unabhängigkeit nicht selbstverständlich sind und sie immer wieder unter die Fuchtel der großen Nachbarn kamen. Mal die Russen, mal die Schweden, mal die Dänen, mal die Deutschen, mal die Polen. Nur zwischen 1920-1940 und seit 1990 wieder haben sie es geschafft und das dokumentieren sie auch in ihrem Unabhängigkeitsmuseum sehr unkritisch, vor allem dann, wenn es um lettische SS-Verbände geht.
Riga ist erstmal die Jugendstil-Neustadt, aber noch viel mehr die Altstadt aus der Hansezeit mit den Zunfthäusern, wie beispielsweise dem Schwarzhäupterhaus:


So als Zweitwohnsitz würde mir das durchaus reichen, wenn mich da nicht die Putzerei doch immens stören würde.
Die Schwarzhäupter waren eine Vereinigung deutscher Kaufleute und hatten den heiligen Mauritius im Wappen, den kennen Sie sicherlich als den Mohr von der Sarottischokolade.
So. Und nun noch ein paar Bilder aus der Altstadt.




Ach ja.....eine kleine Spielerei habe ich dann doch noch. Ich habe da mittlerweile so ein kleines Spielzeug. Geo-Tagger. Das ist sehr lustig und ebenso praktisch. Wird auf die Kamera aufgesetzt und speichert dann die exakten Koordinaten. Braucht man nicht, wenn man in der Nachbarschaft umherzieht, ist aber superpraktisch, wenn man am Ende einer Reise mit 1000 Fotos heimkommt. Wenn´s interessiert.....nehmen Sie das folgende Foto:

Entweder Sie haben nun ein Geo-Tagger-Programm, mit dem Sie das Bildchen öffnen, Rechtsklick, "im Browser anzeigen" und flutsch, sind Sie bei GoogleMaps und sehen die exakte Position, von der aus das Foto aufgenommen wurde (leider lässt sich GoogleMaps hier nicht einbetten. Oder ich bin zu blöd dafür und jemand erklärts mir). Oder aber Sie kopieren die GPS-Daten handisch aus den Details/Eigenschaften des Fotos. Sollte mit allen Fotos hier gehen.

Und ganz zum Schluss gibt es dann noch ein HDR

Mich zieht´s aber regelmäßig raus in die Welt und deshalb habe ich einfach mal auf die Schnelle das nächstbeste Flugticket genommen und das war in dem Fall gen Baltikum. Und wie Sie das kennen, arbeiten wir uns nun peu a peu durch alle Stationen durch, es hilft alles nix, da müssen wir jetzt gemeinsam durch.
Riga. Hauptstadt von Lettland und die größte Stadt des Baltikums. Eine der schönsten sowieso. Die Letten selbst sprechen es sehr drollig aus mit einem sehr gerollten R und sehr langem I, also in etwa Rrrrrriiiiiiiiiiiiga.
Angekommen im üblen Schneesturm und mich umgehend gefragt, was ich hier eigentlich mache und wie bescheuert man sein kann, in dieser Jahreszeit hierher zu fliegen. Also zuerst mal zwecks Überblick hoch auf den Turm der Akademie der Wissenschaften, einem -man hört es bereits am Namen- für das kleine Baltikum gingantischen Stalinmonumentalbau.

Irgendwie kommt man sich aber dennoch ein bißchen vor wie in Russland, was vermutlich daran liegt, dass die Russen, die während der Sowjetzeit nach Riga kamen, hier die Bevölkerungsmehrheit stellen und man unablässig russisch hört. Gefällt den Letten nur sehr bedingt, weil ein Teil der Russen sich enorm schwer tut mit der Integration in das "neue" lettische Staatswesen. Und wenn die Letten -ebenso die Litauer und die Esten- eines wissen, dann um die Tatsache, dass ihre Freiheit und ihre Unabhängigkeit nicht selbstverständlich sind und sie immer wieder unter die Fuchtel der großen Nachbarn kamen. Mal die Russen, mal die Schweden, mal die Dänen, mal die Deutschen, mal die Polen. Nur zwischen 1920-1940 und seit 1990 wieder haben sie es geschafft und das dokumentieren sie auch in ihrem Unabhängigkeitsmuseum sehr unkritisch, vor allem dann, wenn es um lettische SS-Verbände geht.
Riga ist erstmal die Jugendstil-Neustadt, aber noch viel mehr die Altstadt aus der Hansezeit mit den Zunfthäusern, wie beispielsweise dem Schwarzhäupterhaus:


So als Zweitwohnsitz würde mir das durchaus reichen, wenn mich da nicht die Putzerei doch immens stören würde.
Die Schwarzhäupter waren eine Vereinigung deutscher Kaufleute und hatten den heiligen Mauritius im Wappen, den kennen Sie sicherlich als den Mohr von der Sarottischokolade.
So. Und nun noch ein paar Bilder aus der Altstadt.




Ach ja.....eine kleine Spielerei habe ich dann doch noch. Ich habe da mittlerweile so ein kleines Spielzeug. Geo-Tagger. Das ist sehr lustig und ebenso praktisch. Wird auf die Kamera aufgesetzt und speichert dann die exakten Koordinaten. Braucht man nicht, wenn man in der Nachbarschaft umherzieht, ist aber superpraktisch, wenn man am Ende einer Reise mit 1000 Fotos heimkommt. Wenn´s interessiert.....nehmen Sie das folgende Foto:

Entweder Sie haben nun ein Geo-Tagger-Programm, mit dem Sie das Bildchen öffnen, Rechtsklick, "im Browser anzeigen" und flutsch, sind Sie bei GoogleMaps und sehen die exakte Position, von der aus das Foto aufgenommen wurde (leider lässt sich GoogleMaps hier nicht einbetten. Oder ich bin zu blöd dafür und jemand erklärts mir). Oder aber Sie kopieren die GPS-Daten handisch aus den Details/Eigenschaften des Fotos. Sollte mit allen Fotos hier gehen.

Und ganz zum Schluss gibt es dann noch ein HDR

Freitag, 26. Februar 2010
Sensation! Taliban stellen erstmals Team für die Winterolympiade zusammen
gorillaschnitzel, 22:19h
Curling

Skeleton (50kg-Autobombenklasse)

Biathlon

Snowboard (Eigenanbau)


Skeleton (50kg-Autobombenklasse)

Biathlon

Snowboard (Eigenanbau)

Donnerstag, 25. Februar 2010
Faust. Eine Tragödie, deren zweiter Teil. Suebian Style.
gorillaschnitzel, 14:17h
Gleich ums Eck liegt eine etwas seltsame Stadt. Sie unterscheidet sich deutlich von all ihren Nachbarn, weil sie seit 20 Jahren voll auf Konsum, Konsum, Konsum und nochmal Konsum setzt und dem alles unterordnet, selbst die Stadtentwicklung im Herzen, dem Zentrum. Das lief lange recht gut und so sprangen viele auf den Zug auf und hatten allerlei phantastische Ideen wie beispielsweise ein "Sightseeingzügle", was wohl das Minidisneyland vollendet hätte und sehr wahrscheinlich nur daran scheiterte, dass es nix gibt, das man sightseen könnte.
Um es kurz zu machen: Man lebte über den Verhältnissen und das nicht zu knapp. Man leistete sich allerlei Dinge, die es auch eine klitzekleine Spur bescheidener getan hätte. Im Rathaus musste Marmor liegen, ein potthässliches Stadttor wurde angeschafft und nur wenige Jahre später wieder eingemottet und eine überdimensionierte rostige Unterhose mitten im Zentrum brauchte es auch. Aber die Quellen sprudelten mächtig. Jedes Jahr wurde immer ein neuer Konsumtempel eröffnet und der Baubeauftragte all dessen hörte von Gemeinderäten und Architekten stets nur "kein Problem" und "ja, machen wir, sehr gerne doch". Man hielt sich für weltmännisch und verglich sich manchmal schon mit München, mit dem Unterschied, dass München 65mal so viele Einwohner hat.

Aber irgendwann mal kommt die Krise überall an. Binnen eines Jahres brachen die Einnahmen von 76 Millionen auf 55 Millionen ein und das fiel nur deshalb nicht noch dramatischer aus, weil man den Vermögenshaushalt mal halbierte und den in den näxxten 2 Jahren fast komplett auflösen wird. Das ist schon doof. Noch doofer ist aber, wenn man eigentlich 76 zum investieren hat, dann aber gleich 114 rauswirft. Das ist in etwa, als wenn Sie Ihr Sparbuch plündern, sich damit ein Handy kaufen, das sie nach 3 Wochen wegwerfen und dann Schulden machen für das nächste Handy und dann stehen Sie am Ende hungrig da.
Wie die Kommune. Die hat die Kohle für rostige Unterhosen, nicht benötigte Stadttore und ähnliches rausgeworfen, die letzten 20 Jahre aber wenig bis gar nichts saniert. Die Wasserleitungen beispielsweise sind in einem grausigen Zustand. Die Straßen auch. Aber man wäre nicht die seltsamste Kommune der Region, wenn man nicht auch einfallsreich wäre: Statt der benötigen Fliesen für den großen Konsumplatz legte man schnell Asphalt, fräste ein paar innovative Rillen rein und verkauft das alles als neues Verfahren.

Und die Gegenmaßnahmen natürlich: Steuererhöhungen. Hebesätze werden angehoben. Grundsteuer von 320 auf 450, Gewerbesteuer von 330 auf 380 undsoweiter. Das ist ordentlich. Aber jede Blase platzt irgendwann mal und es wäre vermutlich ein richtig guter Zeitpunkt für den Gemeinderat, jetzt geschlossen zurückzutreten.
Um es kurz zu machen: Man lebte über den Verhältnissen und das nicht zu knapp. Man leistete sich allerlei Dinge, die es auch eine klitzekleine Spur bescheidener getan hätte. Im Rathaus musste Marmor liegen, ein potthässliches Stadttor wurde angeschafft und nur wenige Jahre später wieder eingemottet und eine überdimensionierte rostige Unterhose mitten im Zentrum brauchte es auch. Aber die Quellen sprudelten mächtig. Jedes Jahr wurde immer ein neuer Konsumtempel eröffnet und der Baubeauftragte all dessen hörte von Gemeinderäten und Architekten stets nur "kein Problem" und "ja, machen wir, sehr gerne doch". Man hielt sich für weltmännisch und verglich sich manchmal schon mit München, mit dem Unterschied, dass München 65mal so viele Einwohner hat.

Aber irgendwann mal kommt die Krise überall an. Binnen eines Jahres brachen die Einnahmen von 76 Millionen auf 55 Millionen ein und das fiel nur deshalb nicht noch dramatischer aus, weil man den Vermögenshaushalt mal halbierte und den in den näxxten 2 Jahren fast komplett auflösen wird. Das ist schon doof. Noch doofer ist aber, wenn man eigentlich 76 zum investieren hat, dann aber gleich 114 rauswirft. Das ist in etwa, als wenn Sie Ihr Sparbuch plündern, sich damit ein Handy kaufen, das sie nach 3 Wochen wegwerfen und dann Schulden machen für das nächste Handy und dann stehen Sie am Ende hungrig da.
Wie die Kommune. Die hat die Kohle für rostige Unterhosen, nicht benötigte Stadttore und ähnliches rausgeworfen, die letzten 20 Jahre aber wenig bis gar nichts saniert. Die Wasserleitungen beispielsweise sind in einem grausigen Zustand. Die Straßen auch. Aber man wäre nicht die seltsamste Kommune der Region, wenn man nicht auch einfallsreich wäre: Statt der benötigen Fliesen für den großen Konsumplatz legte man schnell Asphalt, fräste ein paar innovative Rillen rein und verkauft das alles als neues Verfahren.

Und die Gegenmaßnahmen natürlich: Steuererhöhungen. Hebesätze werden angehoben. Grundsteuer von 320 auf 450, Gewerbesteuer von 330 auf 380 undsoweiter. Das ist ordentlich. Aber jede Blase platzt irgendwann mal und es wäre vermutlich ein richtig guter Zeitpunkt für den Gemeinderat, jetzt geschlossen zurückzutreten.
Dienstag, 23. Februar 2010
Einmal Hölle und zurück
gorillaschnitzel, 11:59h
Eigentlich wollte ich da nicht hin, zumindest nicht jetzt, später, irgendwann mal, aber gut, manchmal landet man dann halt einfach doch dort, wo man nie hin wollte und Höllen gibt es immerhin viele. Grüne, richtige, heiße und in meinem Fall weiße.
Genaugenommen gibt es so viele Höllen wie es Schweizen gibt. Ich glaube, kein Land gibt es so oft wie die Schweiz. Die sächsische, die holsteinische, die kaschubische, die fränkische, dazu noch die Schweiz Südamerikas, Afrikas und Asiens, sowie nochmal zig Schweizen. Und weil es so viele Schweizen wie Höllen gibt, könnte der Verdacht aufkommen, dass die Schweiz auch sowas wie ne Hölle ist, zumindest momentan und für einige, die grade einen zwangsweise zu engen Kontakt mit ihrem Finanzamt haben müssen.

Aber zurück zur weißen Hölle. Jährlich brauche ich den multimedialen Vollstillstand. Ich bin ohnehin nicht sonderlich kommunikativ, mich nervt ja schon das Telefon und es gibt nicht besseres, als mal ein paar Tage nur Natur und sonst nix. Da kann man dann mal in Ruhe über ein paar Fragen nachdenken, die einen seit zig Monaten beschäftigen. Diese da zum Beispiel. Sie lächeln grade vermutlich, zumindest wenn Sie so neugierig waren, den Link zu klicken und ich hab das auch getan, gelächelt, als ich vor einem halben Jahr das Büchlein geschenkt gekriegt hab. Das Lächeln verging mir dann peu a peu, weil mir einige Dinger da drin nicht ganz unbekannt vorkamen, manche sogar so bekannt, dass ich die eventuell unter Umständen vielleicht gar selbst gezeichnet hätte haben können
Also mal raus. Weg. Wo es Schnee gibt. Man erzähle mir an dieser Stelle bitte niiiieee wieder von "Schneechaos in Deutschland" oder von "Dauerwinter". Alles Bullshit das. Weder hatte es je sonderlich viel Schnee, noch ist es besonders kalt. Es ist Winter, fertig. 2005/06 gab es deutlich mehr Schnee und letztes Jahr war es ebenso deutlich kälter. Nix gewöhnt, Winterloch oder sowas. That´s all. Ich wollte mal gern den durchschnittsdeutschen Autofahrer unter etwas erschwerten Bedingungen sehen. In der weißen Hölle beispielsweise. Da erspähte ich nach 4 Tagen das erste Räumfahrzeug, nachdem der Schnee schon gut 30 Zentimeter hoch lag. Überall.

Dummerweise können sie sich nicht einigen, wer zurückzurudern hat und so fährt man munter aufeinander zu. Der dunkle PKW wollte nicht zurück, der Kleinlaster auch nicht, wohl weil beide das befürchteten, was die weiße Karre im Vordergrund grade macht und was dem gelben Transporter bereits passiert ist: Sich im Schnee festgraben.
Nach 4 Tagen fingen sie dann mit der Räumerei an und zwar mit den Dächern, was wiederum zwangsläufig bedeutet, dass dann noch mehr auf den Straßen liegt.

Aber selbst all dies kann man überleben und deshalb hat es mich auch wieder herverschlagen und es geht wieder normal weiter, auch wenn ich das, was ich eigentlich vorhatte, doch nicht hingekriegt hab, aber das kommt auch noch.
Ach ja: "Schön,-dass-Sie-wieder-da-sind"-Kommentare werden gnadenlos editiert. Kein Witz.
Sonntag, 10. Januar 2010
Unsinnige Brauchtümer mal livegebloggt
gorillaschnitzel, 15:32h
Vielleicht sollte ich zuerst mal erzählen, dass ich in einer zutiefst pietistischen Kleinstadt aufgewachsen bin und damit fernab ehemals vorderösterreichischer Gebiete. Die nämlich sind katholisch. Und die ehemalige Grenze zwischen Württembergern und Habsburgern markierte gleichzeitig auch die Grenze zwischen Schwäbisch-Alemannischer Fasnet und biederer Protestantenspießertumlustfeindlichkeit.

Allein schon von daher ist mir diese Art Brauchtum völlig fremd. Es ist nicht so, dass ich mir das nicht auch mal anschauen würde, bevorzuge dann aber die süd- und mittelamerikanische Variante, seit ich mal life und in Farbe die kubanische Variante der Schwäbisch-Alemannischen Fasnet gesehen hab und sehr deutlich konstatieren muss: Alles besser. Die Cocktails, die Musik, das Wetter, die Stimmung, die Frauen, äh, deren Kostüme.

Aber live and letdie live und eigentlich halte ich mich ja für einen einigermaßen ruhigen Zeitgenossen. Solange nicht meine eigenen Bedürfnisse gestört werden. "Ruhe" ist beispielsweise ein solches. Die war nicht mehr vorhanden, als ich damals nichtsahnend in eine Wohnung direkt neben der Turn- und Festhalle gezogen bin. 20 Meter Luftlinie. Jedes Jahr wurde dort gefeiert und zwar an Rosenmontag (das war noch einigermaßen harmlos) und dann richtig groß an Faschingsdienstag mitsamt einer Combo, deren Musikstil mir eher nicht ganz sooo entgegenkam (diesen Link klicken Sie auf eigene Gefahr). Im ersten Jahr fand ich es noch halbwegs lustig, Partnerschaftsdramen, Schlägereien mitsamt Polizeieinsatz und kotzende Teenies aus der mollig warmen Stube mit Direktblick zu betrachten, aber ob Sie es glauben oder nicht: Nachts um drei ist zum vierten Mal "ein knallrotes Gummiboot" bei so grob 100 dezibel nicht mehr witzig. Im Prinzip ging nur: Mitmachen oder abhauen und mitmachen wollte ich nicht, eben wegen der Combo, weshalb ich jahrelang an diesem Tag freiwillig Nachtschichten geschoben hab. Es war mir aber hinreichend egal. Sie belästigten mich zwar, aber ich ließ sie gewähren, war ja nur ein Mal im Jahr.

Aber ich bin dann weggezogen. Aus anderen Gründen. Eigentlich in tiefprotestantisches Gebiet und zumindest theoretisch in die sichere Zone. 200 Jahre galt die napoleonische Ordnung. Aber leider ist das jetzt nicht mehr ganz so mit den Grenzen und nun sind sie auch hier voll dabei und veranstalten gar Umzüge und zwar exakt an dem Haus vorbei, in dem ich wohne, was mir eigentlich auch egal wäre, ich muss ja nicht zuschauen und kann mich auch mit was anderem beschäftigen. Aber wir haben da jetzt die Claims auch abgesteckt. Notgedrungen.

Ich gelte da wohl mittlerweile als Spielverderber und Querulant und das gibt man mir auch optisch zu verstehen, was mir aber ganz recht ist: Die im zickzack aufgehängten Straßenbändel beenden -einer Absprache folgend, die nie getroffen wurde-exakt bei mir den Zickzackdiagonalkurs und sparen meine Hütte aus und ich weiß auch genau warum. Einerseits hab ich mich das letzte Mal darüber beschwert, dass ich vier besoffene Idioten der heimischen Zunft aus meinem Garten schmeißen musste, die ungefragt einfach mal so eingedrungen waren, wahrscheinlich weil der Alk auf natürlichem Weg wieder rauswollte. Vielleicht auch unnatürlich, sie konnten sich nicht mehr so recht artikulieren.

Ich glaube dafür hatten sie bei der Zunft noch Verständnis. Weniger Verständnis hatten sie dafür, dass ich beim letzten Umzug die Bändel wieder abhängen ließ und das wohl mit Arbeit verbunden war. War notwendig geworden, weil ich Samstag früh erwachte -im zweiten Stock!- und da grade einer durchs Fenster guckte und grade dabei war, einen ziemlich langen Haken in meine Dachtraufe zu schrauben. Ungefragt. Und irgendwie ist es auch eins meiner Bedürfnisse, Samstag früh auszuschlafen und dabei nicht dadurch geweckt zu werden, indem mir wildfremde Menschen ins Schlafzimmer glotzen und ein Bedürfnis ist auch, dass ehe einer Samstagfrüh einer eine Leiter an meine Hütte stellt und halbmeterlange Haken in die Traufe dreht, ich vorher sehr gerne gefragt werden würde.

Dieses Jahr haben sie alles so erfolgreich und weiträumig abgesperrt, dass sie die angepeilte Besucherzahl 10.000 so locker wie deutlich verfehlen.
Ich gehe jetzt ein Vollbad nehmen.

Allein schon von daher ist mir diese Art Brauchtum völlig fremd. Es ist nicht so, dass ich mir das nicht auch mal anschauen würde, bevorzuge dann aber die süd- und mittelamerikanische Variante, seit ich mal life und in Farbe die kubanische Variante der Schwäbisch-Alemannischen Fasnet gesehen hab und sehr deutlich konstatieren muss: Alles besser. Die Cocktails, die Musik, das Wetter, die Stimmung, die Frauen, äh, deren Kostüme.

Aber live and let

Aber ich bin dann weggezogen. Aus anderen Gründen. Eigentlich in tiefprotestantisches Gebiet und zumindest theoretisch in die sichere Zone. 200 Jahre galt die napoleonische Ordnung. Aber leider ist das jetzt nicht mehr ganz so mit den Grenzen und nun sind sie auch hier voll dabei und veranstalten gar Umzüge und zwar exakt an dem Haus vorbei, in dem ich wohne, was mir eigentlich auch egal wäre, ich muss ja nicht zuschauen und kann mich auch mit was anderem beschäftigen. Aber wir haben da jetzt die Claims auch abgesteckt. Notgedrungen.

Ich gelte da wohl mittlerweile als Spielverderber und Querulant und das gibt man mir auch optisch zu verstehen, was mir aber ganz recht ist: Die im zickzack aufgehängten Straßenbändel beenden -einer Absprache folgend, die nie getroffen wurde-exakt bei mir den Zickzackdiagonalkurs und sparen meine Hütte aus und ich weiß auch genau warum. Einerseits hab ich mich das letzte Mal darüber beschwert, dass ich vier besoffene Idioten der heimischen Zunft aus meinem Garten schmeißen musste, die ungefragt einfach mal so eingedrungen waren, wahrscheinlich weil der Alk auf natürlichem Weg wieder rauswollte. Vielleicht auch unnatürlich, sie konnten sich nicht mehr so recht artikulieren.

Ich glaube dafür hatten sie bei der Zunft noch Verständnis. Weniger Verständnis hatten sie dafür, dass ich beim letzten Umzug die Bändel wieder abhängen ließ und das wohl mit Arbeit verbunden war. War notwendig geworden, weil ich Samstag früh erwachte -im zweiten Stock!- und da grade einer durchs Fenster guckte und grade dabei war, einen ziemlich langen Haken in meine Dachtraufe zu schrauben. Ungefragt. Und irgendwie ist es auch eins meiner Bedürfnisse, Samstag früh auszuschlafen und dabei nicht dadurch geweckt zu werden, indem mir wildfremde Menschen ins Schlafzimmer glotzen und ein Bedürfnis ist auch, dass ehe einer Samstagfrüh einer eine Leiter an meine Hütte stellt und halbmeterlange Haken in die Traufe dreht, ich vorher sehr gerne gefragt werden würde.

Dieses Jahr haben sie alles so erfolgreich und weiträumig abgesperrt, dass sie die angepeilte Besucherzahl 10.000 so locker wie deutlich verfehlen.
Ich gehe jetzt ein Vollbad nehmen.
Dienstag, 5. Januar 2010
Ein paar Fotospielereien
gorillaschnitzel, 23:27h
Ehe ich meine neuen Fotospielzeuge beinander hab, muss ich improvisieren. Die Post und DHL fahren da ein paar Dinge in der Gegend rum, die eigentlich schon hätten da sein sollen, aber ich war nicht da und ohne die die schon eingetroffenen -ich hab mir sagen lassen, man nennt es heutzutage auf gut neudeutsch- Gadgets nicht so recht funktionieren.
Daher widme ich mich solange HDR, High Dynamic Range. Das ist eine lustige Technik, weil man da mit Absicht Fehler machen kanndarfsollmuss. Fotos absichtlich über- und unterbelichten und dann schmilzt die Software das alles zu einem einzigen Bild. Mitunter kommen da wirklich skurrile Sachen raus, die eher gemäldeartig wirken, weshalb ich dann heut mittag mal losgezogen bin, um bei bitterer Kälte einfach mal ein leeres Fabrikgebäude zu fotografieren.

So kommts natürlich nicht ganz raus, da gibts noch ein paar Effekte und Kanälchen und Knöpfchen, an denen man ein bißchen drehen kann, aber schon in der Urform wirkts kontrastreicher und dynamischer. Irgendwie so ein klein bißchen in Richtung 3D.

Und dann hab ich noch eins. Der Link unten macht das ganze noch etwas größer....

Mach mich groß
Daher widme ich mich solange HDR, High Dynamic Range. Das ist eine lustige Technik, weil man da mit Absicht Fehler machen kanndarfsollmuss. Fotos absichtlich über- und unterbelichten und dann schmilzt die Software das alles zu einem einzigen Bild. Mitunter kommen da wirklich skurrile Sachen raus, die eher gemäldeartig wirken, weshalb ich dann heut mittag mal losgezogen bin, um bei bitterer Kälte einfach mal ein leeres Fabrikgebäude zu fotografieren.

So kommts natürlich nicht ganz raus, da gibts noch ein paar Effekte und Kanälchen und Knöpfchen, an denen man ein bißchen drehen kann, aber schon in der Urform wirkts kontrastreicher und dynamischer. Irgendwie so ein klein bißchen in Richtung 3D.

Und dann hab ich noch eins. Der Link unten macht das ganze noch etwas größer....

Mach mich groß
Dienstag, 5. Januar 2010
Ich wieder mal mit meinem Kleinkram
gorillaschnitzel, 00:58h
Sie müssen da jetzt einfach durch und damit leben, dass ich Zeugs von mir gebe, das mich interessiert und Sie vielleicht überhaupt nicht. Über den Iran beispielsweise. Wahrscheinlich wollen Sie da nix mehr von hören, aber ich kann mich da unendlich durch Youtube klicken und hatte schon mal stundenlang den Rechner laufen, nur um die Seiten von Ahmadinedschad und Chamenei (und ein paar andere sehr unappetitliche) mittels Dauerbombardement zu blockieren. Weil ich die Sache für unterstützenswert finde und es hoch interessant ist, was da momentan vor sich geht. Vieles landet ja nicht unbedingt in den Mainstreammedien wie der Tagesschau. Kann es auch gar nicht, weil vieles Material ist, das der Durchschnittstagesschauseher eher nicht sehen möchte und um die Zeit sind ohnehin viele Kinder noch auf.
Eine der mit Abstand eindrücklichsten Szenen gab es am 3. Weihnachtsfeiertag, die Iraner feierten da grade Aschura und das ist auch sowas wie Weihnachten nur auf die leidende Art. Gleichzeitig gedachte man eines verstorbenen Großayatollah. Offiziell starben an diesem Tag 8 bei Demos Menschen. Es dürften mehr gewesen sein, weil allein ich bei Youtube auf die Zahl komme. Was da vorging ist ein Sakrileg: Es ist als würde kurz vor Weihnachten der Papst sterben und die Trauerfeier an Heiligabend würde dann beschossen und hinterher erklärt die CSU die Trauernden zu Terroristen und Feinden des Staates.
Es gab da aber diesen einen Moment und der verdeutlicht, wie sehr sich das im letzten halben Jahr verändert hat: Vor einem halben Jahr noch ließen sich die Demonstranten mehr oder minder verprügeln, heute schlagen sie zurück. Es gibt diese Fotos, in denen iranische Polizisten von der Menge eingekesselt sind.

Screenshot Youtube
Ich fand das bemerkenswert und mich hat interessiert, wie es dazu wohl gekommen sein mag. Unter uns: Ich verzichte auf das Einstellen diverser Youtubevideos, weil die meist allesamt recht blutig sind. Wer möchte findet die jedoch ohne Probleme.
Am Anfang war das nur eine kleine Straßenschlacht. Ein paar Steine, zurückweichen, wieder attackieren, so mancher kennt das vom 1. Mai. Dann aber nimmt es die entscheidende Wendung: Einer der Demonstranten wird erschossen und darauf stürmt die Meute los und zingelt die Angreifer ein. Es gibt Szenen, in denen die Polizisten sich entschuldigen und es gibt Szenen, in denen Polizisten, die ihre Uniform ausziehen freies Geleit gewährt wird.
Keiner der Polizisten erlitt irgendeinen bleibenden Schaden außer einer blutigen Nase vielleicht. Ganz sicher aber ist: Es wird weitergehen. Definitiv. Und irgendwann bleibt ihnen nur die "Tiananmenlösung" oder die Abdankung wie seinerzeit dem Schah. Dazwischen gibt es wahrscheinlich nichts mehr.
Eine der mit Abstand eindrücklichsten Szenen gab es am 3. Weihnachtsfeiertag, die Iraner feierten da grade Aschura und das ist auch sowas wie Weihnachten nur auf die leidende Art. Gleichzeitig gedachte man eines verstorbenen Großayatollah. Offiziell starben an diesem Tag 8 bei Demos Menschen. Es dürften mehr gewesen sein, weil allein ich bei Youtube auf die Zahl komme. Was da vorging ist ein Sakrileg: Es ist als würde kurz vor Weihnachten der Papst sterben und die Trauerfeier an Heiligabend würde dann beschossen und hinterher erklärt die CSU die Trauernden zu Terroristen und Feinden des Staates.
Es gab da aber diesen einen Moment und der verdeutlicht, wie sehr sich das im letzten halben Jahr verändert hat: Vor einem halben Jahr noch ließen sich die Demonstranten mehr oder minder verprügeln, heute schlagen sie zurück. Es gibt diese Fotos, in denen iranische Polizisten von der Menge eingekesselt sind.

Screenshot Youtube
Ich fand das bemerkenswert und mich hat interessiert, wie es dazu wohl gekommen sein mag. Unter uns: Ich verzichte auf das Einstellen diverser Youtubevideos, weil die meist allesamt recht blutig sind. Wer möchte findet die jedoch ohne Probleme.
Am Anfang war das nur eine kleine Straßenschlacht. Ein paar Steine, zurückweichen, wieder attackieren, so mancher kennt das vom 1. Mai. Dann aber nimmt es die entscheidende Wendung: Einer der Demonstranten wird erschossen und darauf stürmt die Meute los und zingelt die Angreifer ein. Es gibt Szenen, in denen die Polizisten sich entschuldigen und es gibt Szenen, in denen Polizisten, die ihre Uniform ausziehen freies Geleit gewährt wird.
Keiner der Polizisten erlitt irgendeinen bleibenden Schaden außer einer blutigen Nase vielleicht. Ganz sicher aber ist: Es wird weitergehen. Definitiv. Und irgendwann bleibt ihnen nur die "Tiananmenlösung" oder die Abdankung wie seinerzeit dem Schah. Dazwischen gibt es wahrscheinlich nichts mehr.
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