Freitag, 23. August 2013
Fünfstellig.
Sagen wir es mal so: Mit zunehmendem Lebensalter und ebenso fortschreitendem Klimawandel komme ich zunehmend zur Erkenntnis, dass ich in einer klimatisch schwierigen Region lebe, zumindest wenn es um Naturkatastrophen geht. Da gibt es die Erdbeben, aber die waren bisher meist einigermaßen gnädig. Rumst ein bißchen, aber das war es dann auch wieder schon. Schwieriger sind da die Überschwemmungen. Davon hatte ich in den letzten 10 Jahren gleich drei. Zwar nicht Elbemäßig vollkatastrophal, aber gereicht hat es auch.

Ja, und dann neigt die Region zu Hagelstürmen. 2004, 2006 nochmal schlimmer, aber hey, damals waren es Murmeln, die da runterkamen. Dieses Mal war es so etwa die Größe zwischen Golfball und Hühnerei.

Auto Komplettschaden, das Haus braucht eine neue Fassade, neue Bleche, neue Schiebeläden und die Haustür sieht auch übel aus.



4 Wochen ist das her und hätte ich nicht Vitamin B in der Versicherung sitzen, käme der Gutachter wie bei den Nachbarn auch erst im November. Jetzt sind erstmal die dran, denen es das Dach eingeschlagen hat, sagen die einem. Und wenn Sie mit meiner Festnetzvorwahl bei einer Autoscheibenunternehmerhotline anrufen, dann wissen die gleich Bescheid und erzählen Ihnen noch unbefragt sofort, in welcher Kalenderwoche Scheiben verfügbar and und wo die extra angemietete Halle steht.

Ich denn derweil über geeignete Auswanderungsziele nach.

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Sonntag, 21. Juli 2013
Zweijährig


Ich weiß nicht, weshalb es mich alle zwei Jahre hierher zieht, aber ich muss das einfach. Und deshalb schaue ich alle zwei Jahre lustig kostümierten Menschen bei allerleir Volksmusikdarbietungen zu.



Um ehrlich zu sein: eigentlich weiß ich genau, weshalb ich mir das anschaue. Es hat viel mit Kindheit zu tun und mit einem Heimatbegriff, wie ich ihn verstehe. Genau genommen ist das mein Nationalfeiertag und wichtiger als Weihnachten. Das gibt es schließlich jedes Jahr.

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Samstag, 19. November 2011
Von der Bruddelei - Eine Einführung
Hier in dieser Gegend wird viel gebruddeld. Bruddeln ist vor sich hinschimpfen und zwar so, dass es die Umwelt durchaus mitkriegen soll. In der Regel geschieht das in einer Form, dass Umstehende unmißverständlich bemerken, dass man den Bruddelnden, genannt Bruddler, nun besser bruddeln lässt, weil es ja die Vorstufe zur körperlichen Auseinandersetzung sein könnte, was jedoch so gut wie nie der Fall ist, eben weil die meisten wissen, wie man Bruddler behandeln muss. In jedem Fall ist es aber immer so, dass bruddeln heißt, dass nun Endegelände ist. Keine Diskussion mehr, ab nun tritt Aktion ein.

Ich bin auch so ein Bruddler. Ich mag es, hin und wieder vor mich hinzuschimpfen. Das befreit und ich glaube fest daran, dass Bruddler qua Energieabfuhr eine höhere Lebenserwartung haben.

Bruddeln hat auch viel mit der hiesigen Geschichte zu tun. Das stammt aus Zeiten, als Schwaben noch nicht der Hightechstandort war und es noch nicht Daimler und Bosch gab, dafür aber viel Steine auf dem Acker und einen Polizeistaat, der seinesgleichen suchte. Hier war der Unterschied zwischen Untertanen und Regierenden besonders ausgeprägt. Dies war einer der Landstriche, der am meisten Auswanderer produziert hat. Es hat dazu geführt, dass die damaligen Untertanen gebruddelt haben, was das Zeug hält. Hierzulande gibt es enorm viele Schimpfwörter, vergleichbar allenfalls noch mit den Bayern. Hier wird geflucht und geschimpft und das auch den lieben langen Tag lang.

Heutzutage wird immer noch gebruddelt. Das hat sich gehalten und wahrscheinlich hat es sich tief in die Genetik eingegraben. Heute bruddelt man beispielsweise dann, wenn die Obrigkeit eingreift und man nicht die Möglichkeit hat, daran etwas zu ändern. Wie etwa heute:

Junges Mädel Anfang 20 radelt durch die Fußgängerzone. Das sieht einer dieser Politeure, die sonst die Parkuhren abklappern und er schreit laut "Hallo". Sie hält an und er zückt sofort sein Strafblöckchen und das war sein Fehler. Das könnte eigentlich allen erstmal egal sein, weil man halt nicht mit dem Fahrrad durch die Fußgängerzone fährt und der Politeur rein ordnungsamtstechnisch im Recht sein mag. Könnte allen egal sein. Nicht hier. Hier sorgt das für Publikum weil die alte Geschichte von der Obrigkeit und den Untertanen aufgewärmt wird und deshalb bleiben drei Leute spontan stehen. Ein fahrradschiebender Rentner, der so alt ist, dass ihm überhaupt keiner mehr was kann. Ein mittelalter Anzugträger. Und ich.

Der Anzugträger versucht den Politeur zu überzeugen, Gnade vor Recht ergehen zu lassen und der Rentner fängt an, vor sich hinzubruddeln, was den Politeur mächtig stört, weil er den Satz "hätt der was g'scheits g'lernt, hätt er koi Uniform an" für ungeheuerlich befindet. Politeur findet, dass grade eine Amtshandlung gestört werde und findet dann noch meinen Einwurf, dass ihn überhaupt niemanden am Schreiben hindere ungehörig. Das arme Mädel steht mitten drin, sprachlos, aber sie signalisiert kopfnickend, dass sie mit unser aller Einwurf einverstanden ist.
Es endet dann damit, dass sich der Rentner unter den Worten "dann müssense mich jetzt auch aufschreiben" auf das zuvor geschobene Rad schwingt und wegradelt, ich dem Mädel den Rat gebe, künftig einfach weiterzuradeln, der Anzugträger von verlorenem Hopfen und Malz schwadroniert und der Politeur schon sichtlich entnervt ist, weil ihn gleich vier Unbotsame überfordern. Hätte das Mädel ein bißchen bessere Nerven gehabt: Wir hättens gemeinsam geschafft. So aber...

Zahlen wird sie wahrscheinlich müssen, aber ihre Lektion im Umgang mit vermeintlichen Obrigkeiten hat sie nun gelernt. Und der Politeur überlegt sich hoffentlich demnäxxt zwei Mal, wann er sein Blöckchen zückt.

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Samstag, 8. Oktober 2011
Damals und heute
Im letzten halben Jahr hat sich durchaus einiges verändert in Baden-Württemberg. Vieles zum Besseren. Das neueste Beispiel ist, dass wenigstens hin und wieder die Justiz funktioniert, wie erst kürzlich der baden-württembergische Staatsgerichtshof als oberster Verfassungswächter demonstrierte: Der Kauf der EnBW -durchgeführt mittels Notstandsgesetzen durch Mappus und den damaligen Finanzminister Stächele- war verfassungswidrig. Will heißen: Die beiden haben die Verfassung gebrochen, was aber nicht bedeutet, dass die zwei Knallchargen dauerhaft in einer freiheitsentziehenden Anstalt entsorgt sind: Der eine darf die Auslandssparte eines Konzerns ruinieren, der andere ist amtierender Landtagspräsident.

Das heißt aber nicht, dass die alten Herrschaften nicht noch immer zu Schnapsideen tendieren. Dieses mal die ganz alten Herrschaften. Diejenigen, die klammheimlich bedauern, dass in Deutschland vor beinahe 100 Jahren die Monarchie abgeschafft wurde. Zwar war der letzte Monarch bei der Bevölkerung sehr beliebt, was aber nicht zwangsläufig die Nachfahren einschließt. Die residieren mittlerweile in einer Gegend, in der die Kühe schöner sind als die Mädchen und meistens auch schlauer als die dortigen Wähler.

Konkret geht es um dieses Gelände:



Eine Lichtung inmitten eines riesigen Waldgebiets. Ein Naherholungsgebiet, teilweise unter Naturschutz. Bisher wird das Gelände hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt, es gibt aber auch Spazierwege, Lehrpfade, ein Ferienheim und im angrenzenden Wald lebt allerlei Viechzeugs. Der Ausblick von dort gen Hügel ist sensationell. In jeglicher Hinsicht ein Filetstück. Es ist aber auch das letzte Stückchen unbebautes Gelände inmitten eines ansonsten eng besiedelten Gebiets.



Nun kam die Württembergerfamilie auf eine grandiose Idee, die noch nicht mal Daimler selbst eingefallen wäre: Sie boten dem Autokonzern das Gelände zum Kauf an, damit die dort eine Teststrecke mitsamt Entwicklungszentrum hinbauen. Mitten rein ins Naturschutzgebiet. Es ist, als würde man das Ding mitten in den Grunewald oder den Englischen Garten bauen wollen. Weshalb sie ein Grundstück verkaufen wollen, das allein historisch schon tief mit der Familie verbunden ist, weiß niemand so recht.



Das schlug zwangsläufig Wellen. Zuerst mal in den Gemeinderäten der Anwohnergemeinden, aber auch bis hinauf in die Landesregierung. Besonders in dem Gemeinderat auf dessen Gemarkung die Fläche liegt polarisierte die Stimmung sehr schnell. Der Bürgermeister, höheren Weihen nicht abhold, äußerte sich als begeisterter Anhänger der Idee und wusste einen Teil des Gemeindesrats hinter sich. Begründung: 300 Arbeitsplätze. Was sie aber besser nicht sagten ist, dass kein einziger neuer Arbeitsplatz entsteht, sondern lediglich aus dem Großwerk her verlagert wird. Der andere Teil des Gemeinderats plus dem überwältigenden Teil der Bevölkerung nannte es was es ist: Eine saudumme Idee, zumal Daimler selbst ganz andere Flächen favorisierte.



Wäre die Geschichte vor einem Jahr aufs Tableau gekommen: Die damalige Verkehrsministerin hätte ganz gönnerhaft von der großartigen Chance für die Region geschwärmt. Nun sind aber die Zeiten anders. Heute geht das nicht mehr und wenigstens Daimler als -auch regional verwurzeltes und aus der Gegend stammendes- Unternehmen hat verstanden, dass es sich nicht wie die Deutsche Bahn gebärden kann und wahrscheinlich sahen sie dort schon die Kohorten marschieren und befürchteten sowas wie S21 reloaded. Oder sie wollten kein zweites Boxberg.

Und dementierten umgehend, dort etwas bauen zu wollen. Schon der Filbinger wollte sich an diesem Wald vergreifen und ist jämmerlich gescheitert. Heute geht das -gottseidank- noch viel weniger.

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Sonntag, 24. Juli 2011
Das Tal
Es ist ein enges Tal. Enge Täler haben den Nachteil, dass wenig Licht hineinkommt und es später hell und früher dunkel wird. Sie haben den Vorteil, von bewaldeten Wänden umgeben zu sein, die ihre Tapete entlang der Jahreszeit wechseln und mal grün, mal bunt, mal braun, mal weiß sind.


Dafür, dass es nicht so wirklich seine Hochburg ist wurde er sehr freundlich empfangen und ich bin wirklich froh, ihn zu sehen und nicht das wurstige Mopsgesicht mit den Schweinebäckchen

Enge Täler produzieren aber auch häufig engstirnige Menschen, deren Horizont endet, wo das Tal weiter wird, weshalb die meisten irgendwann mal das enge Tal verlassen, wie ich es auch getan habe. Nicht allein wegen der Engstirnigen, aber durchaus auch. Wegen Typen wie diesem Hampelmann in grün, der mich nicht die 200 Meter Straße zu meinem ganz persönlichen Parkplatz fahren lassen wollte und auch mein Kompromissangebot im näxxten freien Parkplatz einzuparken ablehnte. Es wären -ungelogen- 3 Meter gewesen. Es endete dann damit, dass ich ihn verdattert stehen ließ und einfach durch seine Sperre durchgefahren bin, er das umgehend per Funk petzen musste, was aber auch sein gutes hat, weil er so nicht gehört hat, dass ich -ihn duzend- im Vorbeifahren einen kleinkarierten Uniformfurzer genannt habe.


Stilecht und richtig traditionell wäre barfuß übers frisch gemähte Stoppelfeld mitsamt blutigen Füßen. In neuen Zeiten gehts auch in Turnschuhen übern Kunstrasen

Ich kehre trotzdem gerne in das enge Tal zurück. Das liegt daran, dass es dahin noch Beziehungen gibt und es liegt auch daran, dass es dort ein paar wirklich schöne Plätze mit grandiosem Blick gibt und ich das einfach mag. Man kann dort unendlich wandern und Photos machen bis der Akku leer ist.



Es gibt einen Tag, da kehren alle zurück in das enge Tal, auch wenn sie sonst nie zurückkehren und wahrscheinlich versteht man das auch nur, wenn man in dem engen Tal aufgewaxxen ist. Ein Tag alle zwei Jahre ist sowas wie Nationalfeiertag und dann trifft man all die anderen Andreasse, Stefans, Thomasse und Michaels wieder, die sich mittlerweile in die ganze Welt zerstreut haben, mit denen man aber den gleichen Klassenraum geteilt hat.



Ich kann es eigentlich nicht so recht erklären weil mir sonst der Volksmusikklimbimkladderadatsch völlig abgeht. Das ist für mich ansonsten so interessant wie Hühnerkacke in Papua-Neuguinea. Aber das muss eben sein.



Es mag vielleicht damit zusammenhängen, dass viele von uns -mich eingeschlossen- heute ein völlig anderes Leben führen und insgeheim froh sind, dass den Volkstumspart und die Traditionspflege andere für uns übernehmen, es mag die Tradition sein, vielleicht hat es auch mit irgendwelchen Kindheitserinnerungen zu tun oder irgendeinem diffusen Heimatbegriff. Letzten Endes kann ich nicht erklären, was mich da alle zwei Jahre hinzieht, aber hin muss ich wohl. Kann sein, dass es die sehr profane Melodie ist, bei der ich Gänsehaut kriege. Enges Tal halt...

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Donnerstag, 19. Mai 2011
The sky is not the limit


Ganz da hinten am Horizont sehen Sie Berge Hügel. Das sind die Hügel, zwischen denen ich aufgewachsen bin, in einem sehr engen Tal. Ich mag diese Hügel mitsamt der sich anschließenden Hochfläche und irgendwie mag ich es auch, wenn ich die Hügel einfach nur sehe. Wenn ich von Fernreisen heimkomme, dann brauche ich zwei Dinge: Eine Butterbrezel und den Blick auf die Hügel. Letzteres kriege ich bei Heimfahrt vom Flughafen bereits. Zumindest solange es einigermaßen schönes Wetter ist.



Es ist schwer zu erklären, aber ich kann mit dem flachen Land so überhaupt nichts anfangen. Ja, der unendliche Blick in die Weite. Aber den habe ich auch, wenn ich mal auf einen der Hügel fahre und runterblicke. Zwischendurch habe ich mich mal gefragt, was ich an den Hügeln so schön fand. Vielleicht sind es die vielen Kurven, wie ich mir mal dachte, als ich im Emsland so etwa geschlagene 11 Kilometer bolzgradeaus fuhr. Ich habe es irgendwann mal aufgegeben, eine Erklärung zu suchen und stattdessen beschlossen, die Dinger einfach nur schön zu finden.



Vielleicht ist es aber auch eine minimale verwandtschaftliche Restverbundenheit, weil ein kleiner Teil meiner Familie von oberhalb der Hügel stammt und ich genau weiß, dass oberhalb dieser Hügel noch vor 150 Jahren das pure Elend herrschte und Massen an Auswanderern produzierte. Egal ob Sie es verstehen: Aufwachen und die Hügel sehen ist für mich der halbe Tag.

Eine spezielle Widmung geht an dieser Stelle an Frau siria. Ich glaube, sie weiß weshalb.

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Mittwoch, 10. November 2010
Feld




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Samstag, 6. November 2010
Der Wald
So ziemlich alles im Fünfzigkilometerumkreis um Stuttgart ist recht dicht bebaut. So ziemlich. Nicht alles. Es gibt noch zwei relativ große Waldgebiete jenseits des Schwarzwalds, die noch nicht ganz so zugesiedelt sind wie das Umland. Das ist gut so. Vor allem für mich. Weil der eine Wald direkt vor meiner Haustür liegt, oder besser: So gut wie. Ich muss noch immer irgendwie hinkommen. Da wo ich eigentlich herkomme, da hatte ich den Wald wirklich in Schrittweite vor meiner Haustür und deshalb war das erste, das mir nach meinen Umzügen immer abging: Wald.



Eigentlich kann man sagen: Seien wir froh, dass es diesen Wald noch gibt. Es gab schon andere Pläne. Weil es damals wie heute Leute gibt, denen Infrastrukturprojekte -sinnvoll oder nicht- schon immer wichtiger waren als Bäume und deshalb gab es dereinst mal sehr ernsthafte Pläne, den Flughafen hier rein zu bauen weil nämlich, so sagten sie damals, der bisherige Flughafen 1980 an seine Kapazitätsgrenze stoßen würde. Damals genügte ein offener Brief der Gegner, dass das Projekt gestoppt wurde. Erst hieß es aus Kostengründen, dann aus geologischen Gründen. Heute fliegen die Schwaben noch immer vom gleichen Flughafen wie damals und die Kapazität ist auch nicht an ihrer Grenze, eher im Gegenteil, man wünscht sich mehr Passagiere, und die Lichter gingen ja auch nicht -wie vom Filbinger prophezeit- aus, nur weil das AKW Wyhl nicht gebaut wurde. Der einzige Unterschied zu heute liegt vielleicht darin, dass heute offene Briefe nicht mehr ausreichen, weil sie nicht mehr gelesen werden. Heute müssen 150.000 Leute auf die Straße gehen.



Es ist die Lunge Stuttgarts, das Naherholungsgebiet für die Bruddler der Halbhöhenlage mit ihren Daimlers, die hier die selige Ruhe genießen. Dabei wissen die wenigsten, dass das noch nie ein besonders friedlicher Ort gewesen ist. Ganz im Gegenteil: Wer aufmerksam an den Wegrändern schaut, der erkennt die versunkenen Steine, die auf die Schandtaten hinweisen. 1515 erschlug in diesem Wald der Herzog den Gatten seiner Geliebten, was dazu führte, dass er ins Exil musste, weil zuviel einfach zuviel war. Bauernproteste totschlagen ging ja noch, aber sowas....
300 Jahre später erschoss ein Förster seine Geliebte hier, wovon noch immer ein Gedenkstein zeugt und es ist grade mal 10 Jahre her, als ein bis heute ungeklärter Mord hier stattgefunden hat.



Aber ein Wald kann so einiges ab, selbst Wind und Wetter. All die Vivians und die Kyrills und die Wibkes....ein Hauch in der Geschichte des Waldes.
Nicht aber Lothar. Der hinterließ eine breite Schneise der Verwüstung. Sagen wir es so: Die Spitzengeschwindigkeit von Lothar wurde nie festgestellt, weil das Messgerät bei Tempo 270 schlicht den Geist aufgegeben hat. Für den Wald war Lothar ein Desaster: Tausende Bäume lagen flach und noch Jahre später lagen allüberall stapelweise gefällte Bäume, die dauerhaft bewässert wurden (wegs Insektenbefall und so), was wiederum in Eiszeiten ein bizarres Bild war.



Ein Desaster ist aber auch eine Möglichkeit, völlig neu anzufangen. Darum hat man beschlossen, einige Flächen nicht wieder zu beforsten und den Wald sich selbst zu überlassen, woraus sich nun sowas wie Urwald bildet. Seien es Kostengründe, sei es Faulheit, sei es Ökologie, ganz egal: Gottlob gibt’s diesen Wald.

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Donnerstag, 25. Februar 2010
Faust. Eine Tragödie, deren zweiter Teil. Suebian Style.
Gleich ums Eck liegt eine etwas seltsame Stadt. Sie unterscheidet sich deutlich von all ihren Nachbarn, weil sie seit 20 Jahren voll auf Konsum, Konsum, Konsum und nochmal Konsum setzt und dem alles unterordnet, selbst die Stadtentwicklung im Herzen, dem Zentrum. Das lief lange recht gut und so sprangen viele auf den Zug auf und hatten allerlei phantastische Ideen wie beispielsweise ein "Sightseeingzügle", was wohl das Minidisneyland vollendet hätte und sehr wahrscheinlich nur daran scheiterte, dass es nix gibt, das man sightseen könnte.



Um es kurz zu machen: Man lebte über den Verhältnissen und das nicht zu knapp. Man leistete sich allerlei Dinge, die es auch eine klitzekleine Spur bescheidener getan hätte. Im Rathaus musste Marmor liegen, ein potthässliches Stadttor wurde angeschafft und nur wenige Jahre später wieder eingemottet und eine überdimensionierte rostige Unterhose mitten im Zentrum brauchte es auch. Aber die Quellen sprudelten mächtig. Jedes Jahr wurde immer ein neuer Konsumtempel eröffnet und der Baubeauftragte all dessen hörte von Gemeinderäten und Architekten stets nur "kein Problem" und "ja, machen wir, sehr gerne doch". Man hielt sich für weltmännisch und verglich sich manchmal schon mit München, mit dem Unterschied, dass München 65mal so viele Einwohner hat.



Aber irgendwann mal kommt die Krise überall an. Binnen eines Jahres brachen die Einnahmen von 76 Millionen auf 55 Millionen ein und das fiel nur deshalb nicht noch dramatischer aus, weil man den Vermögenshaushalt mal halbierte und den in den näxxten 2 Jahren fast komplett auflösen wird. Das ist schon doof. Noch doofer ist aber, wenn man eigentlich 76 zum investieren hat, dann aber gleich 114 rauswirft. Das ist in etwa, als wenn Sie Ihr Sparbuch plündern, sich damit ein Handy kaufen, das sie nach 3 Wochen wegwerfen und dann Schulden machen für das nächste Handy und dann stehen Sie am Ende hungrig da.



Wie die Kommune. Die hat die Kohle für rostige Unterhosen, nicht benötigte Stadttore und ähnliches rausgeworfen, die letzten 20 Jahre aber wenig bis gar nichts saniert. Die Wasserleitungen beispielsweise sind in einem grausigen Zustand. Die Straßen auch. Aber man wäre nicht die seltsamste Kommune der Region, wenn man nicht auch einfallsreich wäre: Statt der benötigen Fliesen für den großen Konsumplatz legte man schnell Asphalt, fräste ein paar innovative Rillen rein und verkauft das alles als neues Verfahren.



Und die Gegenmaßnahmen natürlich: Steuererhöhungen. Hebesätze werden angehoben. Grundsteuer von 320 auf 450, Gewerbesteuer von 330 auf 380 undsoweiter. Das ist ordentlich. Aber jede Blase platzt irgendwann mal und es wäre vermutlich ein richtig guter Zeitpunkt für den Gemeinderat, jetzt geschlossen zurückzutreten.

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Samstag, 17. Oktober 2009
Herbstserie








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