Samstag, 26. April 2008
Bin in Sorge
Ich krieg nicht mal mehr Spammails

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Freitag, 25. April 2008
Familienfeier burjatisch
Die Burjaten sind ein mongolisches Volk, das mehrheitlich östlich (aber auch westlich) des Baikalsees lebt. Man hat sogar eine eigene autonome Republik, nur was die Autonomie wirklich bedeutet, weiß irgendwie kein Mensch.
Ich bin zufällig in eine burjatische Familienfeier geraten und das war sehr unterhaltsam. Eigentlich hatte ich nur vor, noch ein kleines Gedeck (Woda und Wodka) zu mir zu nehmen, aber dann wurde zufälligerweise Iwan, der Burjate, am selben Tag grade 55 und hatte zu diesem Zweck seine Freunde und seine Familie eingeladen. Alles in allem etwa 30 Burjaten und 3 eingeheiratete Russen.
Man hat den Eindruck, so eine Feier folgt einem strikt ritualisierten Ablauf:

Zuerst werden allerlei Lobhudeleien auf den Jubilar ausgesprochen. Der bedauerliche Jubilar muss diesen Part komplett im Stehen absolvieren und wird zusätzlich genötigt, jedem Halleluja auf seine Person ein Gläschen Wodka folgen zu lassen, was auch einige die meisten der Festgesellschaft zum Anlass nehmen, sich nachzuschenken.
Genaugenommen dient dieses Prozedere allein dazu, sich in Stimmung zu bringen für das was danach folgt. Der Auftritt des Alleinunterhalters nämlich. Der bringt erst westliche Hits zum Besten, merkt aber, dass er damit nicht so recht ankommt und schwenkt dann um auf russische Gassenhauer, was wiederum der Kracher schlechthin ist. Auf einmal tanzen alle. Aber wie!
Die Burjaten zelebrieren eine Mischung aus Kasatschok, Pogo, Break Dance und Möchtegernwalzer mit möglichst viel Umdrehungen der Partnerinnen, was die Partnerinnen sichtlich störend finden und sich die extrovertiertesten der Tänzer mit der Zeit dann doch sehr schwer tun, eine neue Partnerin aufzutun.
Die Russen hingegen tanzen mit sich selbst, beziehungsweise mit einer imaginären Partnerin, deren Leibesfülle offentsichtlich beträchtlich sein muss, wenn man den weit ausgebreiteten Armen der Tanzenden glauben darf.

Die Stimmung ist jetzt auf dem Höhepunkt, der Saal kocht. Das ist der ideale Zeitpunkt für eine Tombola, bei der die Beteiligten in schiere Begeisterungsstürme ausbrechen, als sie ihre Gewinne auspacken: Bleistifte, Zahnpastatuben, Tischtennisbälle und burjatische Fähnchen.

Und weil nun alle gut druff sind, geht man zum allgemeinen Besäufnis über, das dann durch den unbestrittenen Höhepunkt abgerundet wird: Iwans Vater steht auf. Vermutlich Iwans Vater. Zumindest das eindeutige Familienoberhaupt.
Und auf einmal stehen alle und lauschen der Rede des Patriarchen und wahrscheinlich geht es um die Gesundheit aller, Iwans im besonderen, die tolle Party, vermutlich auch um das Wohl der Familie und Burjatiens und dass alle noch viele schöne Jahre leben mögen.

Nasdarowje!

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Donnerstag, 24. April 2008
Gemüsiges
Spargel ist völlig überschätzt. Ganzjährig verfügbar hätte das Zeug den Status von Blumenkohl.

   ... Futter und Gesoeff
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Mittwoch, 23. April 2008
Heute ist der Welttag des Bieres

Baltika 3



Baltika ist die verbreitetste Biermarke Russlands. Schön durchnummeriert von 0 bis 9. Das machts übersichtlich und wenn man sich durchs Sortiment trinkt, weiß man immer noch, wieviel man nun intus hat.

Ebenso schön ist der latente Ostseewassergeschmack, der einen auch noch zigtausend Kilometer weiter verfolgt. "Fischig" wäre aber etwas gemein zu einem zwar nichtssagenden und flachen aber dennoch einigermaßen trinkbaren Bier. Und Bier ist in Russland ja ohnehin durchgängig antialkoholisch, weil immer unter der magischen 40%-Marke.

Prost auf den Weltbiertag.

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Der Untergang
Die Welt geht unter!

Das ist an sich zwar nichts neues, weil die Welt schon eine ganze Weile untergeht, zumindest scheinen Leute wie Claudia Roth davon überzeugt.
Aber sie geht anders unter als Claudia und wir denken. Nix mit Umweltzerstörung, nix mit Nuklearkrieg oder dergleichen, pah! Heimlich still und leise wirdse gefressen und Schuld haben natürlich die Schweizer, wer sonst?

Weil nämlich die Schweizer am CERN mit ihrem Teilchenbeschleuniger jetzt schwarze Löcher herstellen wollen.

Eine Koryphäe der Wissenschaft hat sich darangemacht, namhafte Fachkollegen, angefangen mit Stephen Hawking, widerlegen zu wollen und sagt, dass diese kleinen schwarzen Löcher richtig fiese Atomdiebe sind und alle Teilchen einfangen und auffressen. Und seiner Berechnung nach braucht das grade mal 50 Monate und so gegen 2012 ist die Erde dann nur noch einen Zentimeter im Durchmesser. Aber das schöne ist: Die Masse bleibt gleich und der Mond kreist weiter drum. Immerhin etwas....und 2012 passt ja bestens zu dieser Mayauntergangstheorie...und es bleibt noch genug Zeit, Frußballweltmeister zu werden und das Merkel ordentlich abzuwählen

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Dienstag, 22. April 2008
Die große Krise
Deutschlands Wirtschaft in der Krise: Erst ist´s bei VW rum mit diesen Lustreisen und jetzt darf man auch bei der Deutschen Bank nicht mehr auf Firmenkosten ficken.

Da gibt´s nur eins: Ab zu Siemens. Das letzte Refugium.

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Montag, 21. April 2008
Baikal
Die Sibirjaken sagen, dass, wer einmal den Baikal gesehen habe, für immer seiner Faszination erlegen sei.

Das stimmt.

Wenn wir nix schützen, wir alles einsauen und nix heilig ist, dann sollte es der Baikal doch bitte sein. Wirklich. Naturwunder wäre etwas untertrieben und deshalb kann jedes sibirische Kind ein paar Zahlen runterrattern, die zeigen sollen, welch eine Sensation der Baikal wirklich ist:
Der tiefste, der älteste und der wasserreichste See der Erde. So tief und so wasserreich, dass man sämtliche Flüsse der Erde ein Jahr lang ins Baikalbecken leiten müsste, um das leere Becken vollzukriegen. Jeder fünfte Liter Süßwasser schwimmt im Baikal und würde man ihn ausleeren, stünde der gesamte Planet 20 Zentimeter hoch unter Wasser. Außerdem bräuchte die Angara -als einziger Abfluß- gut 400 Jahre bis der Baikal leer wäre und das trotz gewaltiger Abflussmenge (die Angara ist nochmal 500 Kilometer länger als der Rhein). Im Baikal schwimmt mehr Wasser als in den Großen Seen Nordamerikas zusammengenommen.


Blick ins Tal der Angara. Diese Stelle friert nie zu, auch im allerkältesten Winter nicht. Weil es genügend "warmes" Wasser aus der Tiefe gibt. Erst 15 Kilometer flußabwärts gefriert es dann wieder.



Auch große Teile der Tier- und Pflanzenwelt sind einzigartig, weil zu gut zwei Dritteln endemisch, will heißen: Gibt´s nur am oder im Baikal. Viele Fischarten beispielsweise, oder auch die Baikalrobbe.


Geräucherter Omul. Ein Fisch, den es nur im Baikalsee gibt. Sehr, sehr lecker übrigens. Ich habe 4 Tage lang fast ausschließlich Omul gegessen. Gebraten, paniert, geräuchert...


Baikal mit Angara im Hintergrund (eben da, wo es nicht zufriert)

Der Baikal hat über 300 Zuflüsse, aber nur einen einzigen Abfluss: Die Angara. Und das kam so: Väterchen Baikal und seine Kinder lebten im schönen Sibirien. Eines Tages wurde seine Tochter Angara erwachsen und wollte die Welt sehen. Sie lief weg und traf den schönen Jenissej und weil der ihr so sehr gefiel, blieb sie bei ihm. Da wurde Väterchen Baikal zornig, warf ihr einen Stein hinterher, der bis heute in der Angara zu sehen ist, verfehlte aber sein Ziel, weshalb er seinen Sohn Irkut hinterherschickte, der Angara zurückbringen sollte. Irkut aber ließ sich von Angara und Jenissej überreden, dazubleiben und deshalb fließt der Irkut in die Angara und die wiederum in den Jenissej.


Listvjanka. Das "Lärchendörfchen" am Baikalufer. Die streunenden Hunde sind ein Grauen.



Der Baikal regelt das gesamte Klima rundherum und das ist vielfach einzigartig: Im Sommer gibt es über dem Baikal so gut wie nie Wolken und seine höchste Wassertemperatur erreicht er im September (so etwa 15-16 Grad im Schnitt. Maximal. Baden? Nur an wenigen flachen Stellen). Zugefroren ist er dann regelmäßig zwischen November und Mai.









Ich werd wiederkommen. Ganz sicher.

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Sonntag, 20. April 2008
Rotkreuz
In regelmäßigen Abständen muss ich zum Rotkreuzauffrischungskurs. Ich bin mir der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit dessen zwar bewusst, aber nach dem vierten oder fünften Mal ist es irgendwann auch nur ein Pflichttermin. Das lag vor allem daran, dass das immer derselbe Mensch gemacht hat und der etwas langatmig und näselig daherkam und mir die Vorstellung von Erbrochenem und abgerissenen Gliedmaßen noch vor dem Frühstück immer etwas befremdlich erschien.

Dieses Mal aber war Peter da. Ich nenn ihn Peter, damit ihr alle denkt, er hieße eigentlich ganz anders und keiner merkt, dass er wirklich Peter heißt.
Nun muss ich zuerst feststellen, dass es in meinem Landstrich zweierlei Menschen gibt: Die einen, das sind die Bescheidenen. Zurückhaltend und das eigene Licht eher unter den Scheffel stellend. Die anderen, das sind die Großkotze, die in ihrem armen Leben dauerhaft auf der Suche nach Anerkennung sind und die das vermutlich so lange machen, bis ihnen der Darmausgang zuschnappt. Bei denen wird in einen einzigen Satz alles reingepackt, was ihrer Ansicht nach Status erzeugen könnte.

Vorneweg: Peter war der Prototyp der zweiten Spezies und nach acht Stunden mit Peter hatte man so ziemlich das gesamte Petersche Leben intus. Ich wette ja mindestens 100 Öcken, dass Peters Frau Friseurin ist, weil er die weniger werdenden Haare hochtoupiert trug und dann hinten schön lang mit einem breiten orange und rot gefärbten Pornobalken neben den Ohren. Er sah aus wie ein alternder Provinzpseudomofarocker in der Endpubertät und vermutlich ist er neben Günther Netzer der einzige Mensch in diesem Land, der seit 30 Jahren diesselbe Frisur trägt.

Und so schwadronierte Peter von seinem Jeep, seinen 34 Reanimationen, dass in seinen Kursen immer was los sei ("bis zum Kieferbruch"), er in seinen Garten eindringenden Hunden gerne mal die Erschießung mit der 38er androhe (bzw. deren Halter), vom zweijährigen Krankenhausaufenthalt mitsamt der Wiederauferstehung von den Toten ("mit dem Motorrad mit 130 gegen die Scheibe des Autos: Genickbruch, Lendenwirbelbruch") und dass er überhaupt sowas wie der nachbarschaftliche Superstar sei. Im besten Fall unterhält das eine Weile, wird dann aber nervig und am Ende langweilts dann nur noch immens.

Aber immerhin war er so richtig pflichtbewusst. Nach einer Übung witzelt ein Teilnehmer, er habe davon glatt eine Blase davongetragen, was Peter zum Anlass nimmt, sich dieser lebensbedrohlichen Verletzung zu widmen. Man kennt das ja: Erst ists ne kleine Blase, dann kommt da Dreck rein und am Ende krepiert man an einer Blutvergiftung.
Peter also kommt mit Ersthilfekoffer und verarztet den Mann zuerst mal gute zwei Minuten lang.
Die Krönung des Ganzen kommt dann, als eine Teilnehmerin mal kurz den Saal verlässt und nicht nach 2 Minuten wieder zurückkehrt. Da geht Peter nachschauen und findet sie außen sitzend vor. Auf Nachfrage, was denn sei, macht sie einen kapitalen Fehler: Sie sagt, ihr sei grad nicht so gut. Mehr nicht. Aber das reicht, damit Peter den Rettungsdienst holen lässt und ich staunend sehe, dass sich etwa 50 Meter weiter tatsächlich ein Krankenwagen in Bewegung setzt.

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Samstag, 19. April 2008
Novosibirsk-Irkutsk


Die längste Etappe mit insgesamt 32 Stunden Zug. Mittendrin kommt dann einer der wenigen Höhepunkte: Krasnojarsk und die Überquerung des Jenissej. Seltsamerweise war Kransojarsk weitgehend schneefrei. Davor Schnee, danach Schnee, nur nicht in Kransojarsk. Vielleicht ein Nuklearexperiment oder so.



Wenigstens wird die Landschaft abwechslungsreicher, hügeliger und etwas gebirgiger. Und von Moskau aus hat man in Irkutsk dann schon einen Zeitunterschied von 5 Stunden (Novosibirsk: +3h).
Die Weite und die riesige Größe Russlands fühlt man. Deutlich. Bis Wladiwostok sind es von Novosibirsk insgesamt 5 Tage. Die Zugbegleiter wechseln übrigens nicht, die fahren komplett durch, haben dann 1 oder 2 Tage Pause und dann gehts wieder zurück.





   ... Transsib
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Protest!
Zu behaupten, Horst-Tappsi hätte eine Hühnerbrust, ihn anzumachen und auf eine Speisekarte zu setzen, geht nun aber echt zu weit...

   ... Horst-Tappsy
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Freitag, 18. April 2008
Verkaufe Oldtimer
Baujahr Breschnew, 5türig, 12 PS, direkt aus dem VEB Plaste und Elaste, Topzustand, Klimaanlage gem. Außentemperatur, russky TÜV neu, schöne PVC-Innenausstattung, Benzin, aber auch befüllbar mit Bier, Wodka, Erdöl, Spiritus und Apfelessig. Preis: VB. Angebote an: vladimir@putin.ru

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Donnerstag, 17. April 2008
Russky Verkehr
Ein ganz besonderes Kapitel sind die Russen und ihre Art Auto zu fahren. Anfangs sieht es so aus, als stünden alle unter dem Einfluss eines gewissen Nationalgetränks und das ist nicht Tee.

Zuerst mal sind Fahrspuren in aller Regel gänzlich überflüssig, daher sind oft auch keine Fahrbahnmarkierungen vorhanden. Man fährt daher immer dort, wo es grade Platz hat oder wo man denkt, dass es Platz haben könnte. Gerne auch kreuz und quer verkeilt.

In Sibirien kommt erschwerend dazu, dass es dort überwiegend Autos mit Rechtslenkung gibt und die Fahrer daher oft etwas eingeschränkt sind. Das macht es dann an Kreuzungen manchmal etwas riskanter für die Fußgänger.

Überhaupt Fußgänger: Die sind zu jagendes Freiwild. Eine grüne Fußgängerampel bedeutet nicht, dass man sorglos über die Straße gehen könnte. Generell gilt: walk when the Russians walk and walk fast. Sämtliche Signale aller Art gelten eher als Verkehrbehinderung und werden daher chronisch mißachtet. Sie sind allenfalls von sekundärer Bedeutung.

Überholt wird links wie rechts und im zickzack. Die örtliche Geschwindigkeit erreicht öfter mal locker 100 und ein russischer Mann lässt sich nur durch eine Panne stoppen und steht dann mitsamt mehreren Schaulustigen am Straßenrand, hantiert mit allerlei obskuren Flüssigkeiten und schraubt am Motor rum.

Letzteres sieht aber nicht minder gefährlich aus denn der Restverkehr.

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