Freitag, 21. November 2008
Halbdackel des Monats
Satire

Wasserprediger und Biersäufer



Dieses Mal gibts einen doppelten Halbdackel des Monats. Aus gutem Grund. Weil sich nämlich gleich zwei dazu qualifiziert haben.
Der eine ist Ministerpräsident und trägt gleichzeitig den Namen des erdengrottigsten Möchtegernbiers der Republik. Der Kerl hatte sich bereits dadurch qualifiziert, indem er bis zum heutigen Tag freudig die Textzeile "von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt" durch so verschlafene wie an und für sich friedliche Universitätsstädtchen gröhlt und das allem Anschein nach auch noch nüchtern, weshalb wohl einigermaßen gesunde Menschen eventuell eine zumindest marginale Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeiten einiger Hirnlappen nicht ganz ausschließen können. Und damit sind wir dann auch schon beim Thema: Über Ypsis Hessenversuch kann man zugegebnermaßen geteilter Meinung sein und man kann alles mögliche attestieren. Der Eventualnachfahre eines Bierkutschers aber sagt: "geisteskranke Geisterfahrt".
Nun liegt da vielleicht eine gewisse Affinität zu "Geistern" oder dergleichen vor, zumindest sprachlich, aber ich würde mal in die Runde fragen wollen, was denn wohl eher einem Geisteskrankverdacht unterliegen könnte: Ypsis verunglückte Aktion oder eine Rede vor etwas mehr als einem Jahr, die den Altnazi Filbinger ins Demokratenkleid reinwaschen sollte.

Der andere Halbdackel hat mit Wasserkraft zu tun. Das ist erstmal eine feine Sache, weil wir alle ja Wasserkraft mögen. Es drängt sich aber der Verdacht auf, dass der Herr nicht nur Wasser durch die Kehle laufen lässt oder aber irgendwie hydrocephale Strukturen sein eigen nennt, was ja immerhin auch mit Wasser zu tun hätte.
Immerhin erdreistet sich der Mensch, Dietrich Bonhoeffer einen "ganz gewöhnlichen Vaterlandsverräter" zu nennen. Ich sage: Der H2O-Mensch ist ein "ganz gewöhnlicher Dummschwätzer" und mindestens ebenso ein Halbdackel wie sein Regierungschef.

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Donnerstag, 20. November 2008
Kabul Fashionweek

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Mittwoch, 19. November 2008
Feiertag

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Gabby-Award

Um ehrlich zu sein: Ich will gar nicht entscheiden, wer denn nun den besten Gabby-Text getippt hat. Darum: Die Herren geschichtenerzaehler und pathologe....mailt mir doch bitte eure Anschrift, dann schick ich nächste Woche was raus...

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Dienstag, 18. November 2008
In den Hinterhöfen des Internet (Part I)
Es gibt Zeug, das so richtig süchtig macht. Also neben den üblichen Verdächtigen wie Bier, Schnaps, Zigaretten und Koks jetzt. Ebay zum Beispiel. Kann süchtig machen. Vor allem dann, wenn man sieht, wie sich die Jungs und Mädels um Dinge prügeln, die man nicht im allerentferntesten über die eigene Schwelle lassen würde. Ebay aber ist oldschool.
Da gibts schon ganz andere Geschäftsmodelle und auf die wurde ich neulich freundlicherweise aufmerksam gemacht (an dieser Stelle -ich weiß, er liest mit- ein riesengroßes Dankeschön an Herrn Wabura. Wenn mal der große Verleger das zwischen Buchdeckel presst, kriegste eine Widmung).

Mittlerweile bin ich ein- und abgetaucht in die tiefe weite Welt der alternativen Auktionshausmodelle und die ist mal richtig phantastisch. Was sich dort tummelt, findet man sonst nur in den Psychiatriepraxen dieser Welt und mal ehrlich: Niemand betritt freiwillig eine Psychiatriepraxis, vermutlich nicht mal die Psychiater selbst. Allein schon von daher sind diese Auktionshäuser -eine wilde Sammelgrube von Zockern, Spielsüchtigen und völlig Verwirrten und damit- eine Besichtigung wert. Es ist eigentlich eine Riesenspielwiese für alle, die am Automaten daddeln wollen, sich aber nicht vor die Tür trauen. Agoraphobe Spieljunkies quasi.

Aber von vorne:

Zum einen hätten wir da Sw#oo*po. Das Geschäftsmodell funktioniert so: Setz ein Gebot, das du dir vorher für 50 Cent gekauft hast und treib damit den Kaufpreis um 10 Cent nach oben. Solltest du der oder die Glückliche sein, die zuletzt bietet: You got it.
Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde das alles saubillig über den Tisch gehen. Kameras für 250 statt 700 Öcken, Flatscreens für 300 statt 1000 undsoweiter. Nur: Um von 10 Cent auf 200 Euro zu kommen, brauchts 2000 Gebote und die kosten ja jeweils 50 Cent und damit wären wir dann bei 1000 Euro für Swupo plus den Verkaufspreis von 200 und damit hat dann Swoooopoh eine Kamera, die im Laden 700 kostet, für 1200 verkauft. Ein vermeintlich Glücklicher kriecht das Ding (zahlt aber natürlich neben den 200 seine eigenen Gebote), der Rest geht leer aus.
Um ganz ehrlich zu sein: Dieses Geschäftsmodell hätte ich gerne selbst erfunden.

Stundenlang kann man da zugucken.





Aber nehmen wir doch mal eine solche Auktion auseinander. Da hätten wir beispielsweise eine Auktion, bei der man "Freigebote" ersteigern kann. Das ist besonders toll, weil die Firma dafür nicht mal ein Produkt rausrücken muss. Stattdessen ersteigern die reichlich logik- und merkbefreiten Bieter lediglich einen weiteren Zockgutschein zum Weiterbieten.
Das ist in etwa wie der Dealer, der seinen Junkies Berechtigungsscheine für Koks verkauft und wenn sie denn zufällig das Höchstgebot abgegeben haben sollten: The winner takes it all, Nase voll mit Pulver, der Rest geht leer aus.





Hier ging es um 300 "Gebote". Real kostet das 150 Euro. Es endete bei absurden 584,20 € und hat mich (und nicht nur mich) einige Stunden gekostet.
Natürlich muss niemand 584,20 zahlen, der "Endpreis ist geschenkt", will heißen: Wurscht, was da am Ende steht, man zahlt nur die eigenen Gebote. Aber: Insgesamt waren das nun 5842 Gebote und das wiederum heißt: 2921 Euro im Swoubo-Säckel und das alleinig dafür, dass nun ein paar Fastverrückte 300 Mal den Bieten-Button drücken dürfen darf. Der "Sieger" hat 40 Euro liegen lassen, zig andere 2881 Euro für nix und wieder nix. Keine Gegenleistung, kein Produkt verlässt die heiligen Svuppo-Hallen, niemand erhält irgendwas (von einem "Bietgutschein" mal abgesehen).

Noch besser wird es, wenn da einige ihre bisher eingezahlte Kohle nicht verlieren möchten und damit dann den Preis so hoch treiben, dass er über Ladenniveau ist.
Der arme Oogaigq226 hat nicht nur einen unaussprechlichen Eskimonamen. Nein, er ist auch bereit für ein Handy 735 Euro zu zahlen, das er im Laden für 699 bekommen hätte. Der Umsatz der Auktionisten liegt übrigens bei 2696,50 €.





Wir hätten da auch noch beispielsweise einen Goldbarren. Gold ist immer gut, vor allem in Zeiten von Finanzkrisen, weil ja Gold immer Gold ist und sowas von sicher ist. Hier wurde ein Barren von 5 Gramm angeboten. 5 Gramm klingt nach nix, aber bei den heutigen Goldpreisen vielleicht doch ein lohnendes Geschäft. Firma sagt: Barren ist 139 Öcken wert. Ein Blick gen London jedoch sagt: So etwa 585 Euro die Unze.
Niedergerechnet auf 5 Gramm macht das einen realen Wert von grob 94 Euronen.
Endpreis des Ersteigerers: 154,80 € und damit satte 60 Euro (oder: 63% zuviel) über dem tatsächlichen Wert. Umsatz der Firma: 695 € (730% des Realwert).





So funktioniert Dreckkapitalismus in seiner schlimmsten Prägung.
In der Karibik könnt ich hocken, verdammich...

....eigentlich sollte daraus nur ein Beitrag werden. Weil es aber so viele dreckige Hinterhöfe im Internetauktionsbusiness gibt, folgt in den nächsten Tagen Part II

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Montag, 17. November 2008
Diplomarbeiten...
....und andere studentischen Schreibabfallprodukte sind so ziemlich das sinnloseste Produkt, das einigermaßen begabte Menschen von sich geben müssen. Warum? Sie werden nicht gelesen. Weil: Langweilig, Zeitverschwendung, bedauernswerte Menschen machen sich gezwungenermaßen zu sinnlosem Scheiß monatelang Gedanken und schreiben den Mist auch noch nieder.

Ich bin bis heute der festen Überzeugung, dass meine Diplomarbeit seinerzeit exakt zwei Menschen gelesen haben:
Ich und eine am Thema interessierte Kollegin. Nicht mal die Profs haben den Scheiß gelesen. Nichts ist überbewerteter als eine Diplomarbeit.
Jetzt hab ich so ein Ding vor mir, gemeinsam mit einer Begleitemail und die sagt-Zitat-
"anbei die Diplomarbeit, es reicht, wenn du die ersten 29 Seiten liest
Das sagt alles. Lies die ersten 29 Seiten, den Rest ab in die Tonne.
Nur: Mir würde eigentlich das Titelblatt und das Inhaltverzeichnis als Lektüre schon reichen und ich finde schon 29 Seiten etwa 28 Seiten zuviel.

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Sonntag, 16. November 2008
Generation Verantwortungslos
Irgendwann einmal hat man mich gefragt, wer denn die Kosten für eine Vollnarkose übernehmen würde, wenn man sich eine Warze am Fuß entfernen ließe. Vielleicht war ich damals reichlich naiv oder doch etwas neben der Spur, aber ich habe doch tatsächlich geantwortet, dass eine Vollnarkose da gar nicht notwendig sei, was sich allerdings als falsch rausstellte, weil es noch für jede Befindlichkeit eine Phobie gibt: Erst mit beinahe 30 Jahren durfte ich seinerzeit lernen, dass ich damals vermutlich eine ausgeprägte Schulphobie hatte, was im Nachhinein doch sehr tröstlich klingt. Und so gibt es wohl auch so eine Art Warzenentfernungsphobie und deshalb brauchts für das eine Vollnarkose, die aber dummerweise die Krankenkasse nicht zahlt, weil die wahrscheinlich mal durch Warzenentfernungsphobiker knapp in den Ruin getrieben wurden und sich deshalb seither standhaft weigern, Warzenentfernungsphobikern eine Vollnarkose zu finanzieren.
Zusammengefasst: Es gibt Leute, da müssen die Warzen raus, sie lassen das aber nur unter Vollnarkose machen und die will bezahlt sein.

Das ist nun aber der Punkt, an dem es interessant wird und nun erkennt man die Volksmentalität und die wiederum lässt sich zusammenfassen unter dem kurzen Satz: "Es muss doch irgendeine Stelle geben, die eben jene Kosten für eine Vollnarkose bei Warzenentfernungsphobikern übernimmt".
So in etwa die Aussage damals.

Ich fand das reichlich verantwortungslos. Klang sehr nach "irgendwer wird muss das richten".

Versorgungsmentalität quasi. Versicherungen für und gegen alles. Irgendwo musste es eine staatliche "to-do-everything-Stelle" geben. Kurz: "Irgendwer muss den Scheiß zahlen, aber ich doch nicht".
Damals war ich halb belustigt, halb entsetzt.

Heute kenne ich den Fall Opel: Das Unternehmen biegen bis zum Anschlag, nur gibt es dieses Mal ja wirklich jemanden, der den Scheiß bezahlt und ich ahne, dass ich da zu den Millionen Finanzierern gehören werde, auch wenn ich in meinem Leben noch nie einen Opel besessen habe und hoffentlich auch nie einen besitzen werde. Verantwor....watt?
Und dann kenne ich Daimler. Die haben Autos gebaut wie die Blöden und damit eine gigantische Überproduktion geschaffen, die nix, aber wirklich gar nix, damit zu tun hat, was wir heute "Finanzkrise" nennen. Aber auch hier gibt es jemanden, der zahlt: Die Zeche zahlen unter anderem 500 Beschäftigte im Nachbarort. Kurzarbeit ab Montag und zwar null Stunden bis mindestens Mitte Januar plus absehbare Werkschließung mittelfristig.
In diesem Sinne: Frohe Weihnachten schon vorneweg und ich betrachte das Vollnarkosebedürfnis von Warzenentfernungsphobikern heute völlig anders.


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Sonntag, 16. November 2008
Adipositasburka

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Wir definieren Grammatik neu. Heute: Spon

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Freitag, 14. November 2008
Tipp 13



Foto sponsored by dergeschichtenerzaehler




Dienstag, 11. November 2008
Ein Brieflein an Gabby
Sie und er wollten es so. Hier.


Sehr geehrter Herr Steingart

via Spiegel Online verfolge ich seit geraumer Zeit Ihre Kolumnen aus Washington.
Nun, nach der Wahl Barack Obamas zum künftigen US-Präsidenten, würde ich Sie aber fragen wollen:
Lagen Sie nicht vielleicht in der ein oder anderen Prognose ziemlich weit daneben?
Weil: Erst haben Sie ja behauptet, bereits beim SuperTuesday (Sie erinnern sich?) stünde Hillary Clinton als Kandidatin der Demokraten fest (Belegbar).
Als das dann nicht mehr erreichbar war, haben sie Herrn Obama -meiner bescheidenen Ansicht nach- "klein geschrieben" (Belegbar).
Und dann...dann blieben Sie irgenwie merkwürdig stumm einige substanzielle Aussagen betreffend. Ich dachte schon: Schockzustand.

Umso gespannter bin ich, Ihre Passage zu lesen, jetzt wo doch das kam, was Sie ja -wenn ich Sie richtig lese- nie erwartet hatten.

Wie denken Sie heute darüber? Lagen Sie damals falsch?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen, mit freundlichen Grüßen


gorillaschnitzel




Da war ich denn gespannt und ich muss sagen, er hat mich tatsächlich überrascht, wirklich.
Zum einen dadurch, dass er innerhalb von 12 oder 13 Stunden geantwortet hat und das auch noch am Sonntag, zum anderen aber auch inhaltlich:
Ja, er freue sich ja auch für und mit Obama und begrüße das wirklich, aber es man müsse ihm doch zugestehen, dass er kritisch hinterfrage, es wolle doch keiner eine reine Jubelpresse und ja, dabei liege man dann halt schon mal kräftig daneben....




Montag, 10. November 2008
Der weltweit erste große Gabby-Award
Monatelang haben uns die Steingarts und die Röhls dieser Journalistenwelt erklärt, weshalb das mit Obama nichts werden wird und weshalb ausgerechnet Obama die Welt zwangläufig enttäuschen muss (ob nicht auch McCain oder die Clinton die Welt enttäuscht hätten und sowieso vieles sehr enttäuschend sein mag, blieb in den Artikeln aber merkwürdigerweise in aller Regel außen vor).
Jetzt ist doch passiert, was nie hätte passieren dürfen und heute lauten die Artikel etwas anders: Nein, nicht der erste Schwarze, immerhin ist seine Mutter ja weiß (Röhl) oder man schweigt lieber beredt (Steingart).


Und darum rufe ich jetzt den ersten Gabby-Award-Steini-Copy-Wettbewerb für Nachwuchsjournalisten, Hobbyschreiberlinge und Blogger aus. Teilnahmeberechtigt ist jede(r). Außer Gabor Steingart.
Die Aufgabe: Schreiben Sie in möglichst vielen -oder auch weniger- Steingart´schen Worten, weshalb Obama nun doch Präsident wurde. Sparen Sie nicht, klotzen Sie und zwar ordentlich rein.
Packen Sie gerne alles rein: Neoliberalismus, Globalisierung, Tante Käthe und die Magenleiden der afrikanischen Staubmilbe: Ganz egal, es sollte nur nach Gabby klingen.
Sie müssen dabei nicht logisch sein, genau genommen ist dies eher hinderlich. Verwirren Sie besser auch nicht durch präzise Analysen, bleiben Sie ruhig eher schwammig und immer an der Oberfläche. Kurz: "Kritischer Qualitätsjournalismus".


Die Regeln:

Es müssen mindestens 5 der folgenden Bausteine mindestens ein Mal -gerne auch öfter- verwendet werden:


Winterkönig von Iowa

schwarzer Sozialarbeiter

erreicht nicht die Mitte der Bevölkerung

wird die Wähler enttäuschen

Obama ist ein Prediger

muss ein Ruck durchs Land gehen

der junge Ideenverkäufer aus Chicago

Verschlankung des Sozialstaats

Heilsversprechen statt Wahlaussage

die Realistin Hillary Clinton

Zwänge der Globalisierung


Und nun: Viel Glück, schreibenschreibenschreiben, nie an die Fakten denken, als Kommentar reinknallen und dann hoffenhoffenhoffen.

Welcher "Steingart" gewonnen hat, entscheidet eine völlig neutrale unabhängige Jury, die aus mir, mir selbst und ich besteht. Zu gewinnen gibts natürlich auch etwas, ich weiß aber noch nicht so genau was, obendruff dann noch wahlweise Fotoabzüge einer Ballonfahrt (im Format 20x40) oder ein völlig defekter ipod (20GB), der sich allerdings eventuell noch als Dekoobjekt eignen könnte. Alternativ -so beides mißfällt- könnte ich noch schauen, ob ich noch irgendwo den Bananenairbag (Wert: 0,50 €, zu kaufen nur bei tegut) finde...

   ... Mut zur Luecke
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