Freitag, 28. Oktober 2011
Finanzspekulation in weniger als 5 Minuten erklärt

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Donnerstag, 27. Oktober 2011
Sisyphos und die Grube

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Mittwoch, 26. Oktober 2011
Sisyphos goes space

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Dienstag, 25. Oktober 2011
Hab w8 (Part I)
Stellen Sie sich doch mal vor, dass Sie eine Wohnung suchen. Sie schauen sich um. Schließlich haben Sie eine gefunden. Sie ist einigermaßen hübsch und Ihre Bekannten wohnen gleich ums Eck.

Die Wohnung hat nur einen kleinen Haken und das steht im Kleingedruckten des Mietvertrags:

Überall in der Wohnung hat der Vermieter Kameras aufgehängt, er liest Ihre Post, hört mit, wenn Sie telefonieren und fertigt über alles Protokolle an, von denen Sie nicht wissen, wo diese landen und wer das alles einsieht. Er beobachtet wohin Sie gehen und schaut genau, wer Sie besucht. Sollten Sie anderswo Essen gehen, teilt ihm das Restaurant umgehend mit, wie lange Sie da waren, was Sie gegessen haben und wieviel das gekostet hat. Der Vermieter fertigt ausführliche Bewegungsprotokolle an und verlangt auch zu wissen, was Sie essen, trinken und welches TV-Programm Sie schauen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er sein gesamtes Wissen an den Bundesnachrichtendienst weitergibt.
Wenn Sie in der Wohnung Bilder aufhängen oder eine Vase aufstellen, dann gehören die dem Vermieter und sollten Sie jemals auf die Idee kommen, den Mietvertrag kündigen zu wollen, behält sich der Vermieter über einen Monat vor, was er mit Ihnen und Ihrem Inventar und all den Telefon- und Briefprotokollen macht, während er sich aber das Recht herausnimmt, Sie jederzeit hinauszuwerfen, sollten Sie am Klingelschild Ihren Zweitnamen vergessen haben anzugeben.

Klingt nach Stasi und Big Brother, oder? Solch ein Vertragswerk würden Sie im realen Leben natürlich niemals unterschreiben. In der virtuellen Welt tun Sie das spätestens dann, wenn Sie Facebook beitreten. Und glauben Sie ja nicht, Sie könnten dort anonym bleiben. Auf die Frage, ob es denn nicht ein Recht auf Anonymität im Netz gäbe, antwortet ein Facebookmanager im aktuellen Spiegel: "Ja, aber nicht bei uns."

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Montag, 24. Oktober 2011
Erlesenes...
Ich komme grade mächtig zum Lesen. Wie sonst selten nie nicht. Dabei finden sich allerlei Nüsse. Unge- wie auch Ge-.

Sensationell etwa die Sarrazinsche Anmerkung zu Wowereits Integrationsgedanken, wonach die europäischen Staaten im Zuge der Industrialisierung "keine wesentliche Einwanderung" gehabt hätten, wodurch er wiederum seine grandiose Unkenntnis der deutschen Geschichte offenbart: Wo war denn der Motor der deutschen Industrialisierung gegen Ende des Jahrhunderts? Richtig. Ruhrgebiet. Nur: Dort wanderten damals im großen Stil Polen ein, deren Anzahl an der Gesamtbevölkerung betrug teils bis zu 40%.
Dazu Holländer oder Russen, ebenso im Tagebau. Die Bahn wurde zudem zu nicht unwesentlichen Teilen von Italienern erbaut und im damals deutschen Schlesien gab es eine satte polnischsprachige Bevölkerungsmehrheit.

Mindestens ebenso grandios ist die Recherche des SPIEGEL zum Oktoberfestattentat: 46.000 Seiten bisherige Geheimdokumente durften mussten irgendwelche nichtbezahlte Praktikantenknechte durchwühlen und dann stand fest, was schon immer feststand: Der Attentäter hatte Verbindungen ins rechte Milieu. Wow, wer hätte damit gerechnet? Diese erschütternde Erkenntnis muss man auch erstmal verkraften.

Dann wäre da ein Kommentar über die Fußballer im Allgemeinen. Verfasst von der Julia, die in der Regel leider eine fette Aufzählung liefern muss, um als Frau als fußballsachverständig durchzugehen. Ansonsten mag ich ihre Kolumnen. Darin beklagt die Julia die verkommenen Sitten im Profifußball: Spucken, Stinkefinger, versteckte Fouls, Schwalben undsoweiter. Womit Julia natürlich recht hat. Sie hat nur vergessen, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Schließlich ist Fußball ein Sport für Gentlemen, der aber von Hooligans gespielt wird. Wenn die Julia einen Sport sehen möchte, in dem Gentlemen spielen, dann hätte sie das Rugby-WM-Finale anschauen müssen, das Frankreich nur knapp gegen Neuseeland verloren hat.

Meine persönliche Sonntagskrönung aber war der Adrian. Der Adrian konstatierte einmal, ohne das freundliche Zutun der gleichgeschalteten Presse sei S21 nie möglich gewesen, womit er erstens wahrscheinlich recht hat und zweitens so eine Art Eingeständnis in eigener Sache führte, was ihn aber nicht anficht, weiter zu Felde zu ziehen. Nun braucht es aber einen kleinen Exkurs:

Normalerweise neigt der gemeine Schwabe nicht zu Höhenflügen. Man ist "hälenga" ("heimlich") reich und hat eher selten Ambitionen größer werden zu wollen als man ist. Hin und wieder aber schlägt dann doch die Großmannssucht zu, wie damals in den 80ern, als Daimler sei dank, hier die reichste Kommune der Republik siedelte. Die leistete sich kostenlose Schwimmbäder, Kindergärten, Parkplätze, Bibliotheken, Zebrastreifen aus Carraramarmor und einen Vorhang fürs Theaterhaus, den sich sonst nur noch New York und Paris leisteten. Nochmals die Reihenfolge: New York, Paris, Sindelfingen. Kurz: Man stieg quasi in einem Rutsch von der Landesliga in die Champions League auf. Heute ist diese Kommune in der Realität der Landesliga wieder angekommen und würde sich am liebsten mit der schmuddeligen, aber finanziell gesünderen Schwesterstadt zur Doppelstadt vereinigen. Exkurs Ende.

Der Adrian ist auch einer derjenigen, der dazu neigt, immer alles noch besser machen zu wollen und der festen Überzeugung ist, dass er äußerst hilfreiche Tipps abgeben kann. Kennt man ja auch als gesamtdeutsches Phänomen: Da steht man irgendwo am Fuße des Kilimandscharo, friert trotz Thermounterwäsche, sieht dann diese armen Bergbauern mit ein paar Ziegen und Schafen und umgehend laufen dann diese Bessermacher los, um dem dann doppelt armen Bergbauern zu erklären, dass mit selbst gestrickten Pullovern wesentlich mehr Geld zu machen sei, vor allem bei Touristen und gleichzeitig glitzert in den eigenen Augen bereits das Wort "Umsatzbeteiligung". Umso enttäuschter die Reaktion, wenn der doppelt arme Bergbauer nicht umgehend die Schafe schert.
Nun aber zu Adrian. Der findet, dass S21 eine ganz wunderbare Möglichkeit ist, der Welt zu beweisen, dass es möglich ist, eine grüne Ökomodellstadt zu bauen, wo das doch bei ähnlichen Brachen in (!) Shanghai, New York und Berlin gescheitert sei. Dieses Mal steht Stuttgart nicht auf einer Stufe mit den Weltstädten Shanghai, New York und Berlin, nein, es steht noch drüber. Wie das künftig übrigens aussieht -so eine Ökotraumstadt- lässt sich anhand des bereits fertigen Bücherknasts Stammmheim Zwo auch schon besichtigen.

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Samstag, 22. Oktober 2011
Die Römer sin do

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Samstag, 22. Oktober 2011
Es ist gefährlich zum Arzt zu gehen*
....man kann beispielsweise zur Abwexxlung mal gesund zum Arzt gehen und krank wieder rauskommen.

Mitleid brauchen Sie nicht wirklich zu haben. Na gut, für eine ganze Weile nun doch etwas eingeschränkt, wenig mobil, reichlich langsam unterwegs -man überlegt sich jeden Gang zweimal- und wandern ist grade auch nicht drin, was aber ohnehin nicht auf den oberen Rängen der liebsten Hobbys steht. Aber andererseits ist das schon ein paar Monate geplant gewesen und irgendwann musste es halt mal sein, weil die Alternative dazu auch Schmerzen sind.



Man kann dem Ganzen auch positive Seiten abgewinnen. Zuerst einmal sieht es momentan so aus, als sei das Arbeitsjahr rum und das heißt, ich darf mir Tagesbeschäftigungen wie Bücher lesen und Internet surfen suchen, was sicherlich auch dem Blogauswurf gut tun könnte. Oder ich fange an, eine Sprache zu lernen. Oder sowas.
Zweitens hat sich das jetzt erstmal weitestgehend mit Haushalt und ähnlichen unnötigen Dingen, mit denen man sich sonst so den Tag versaut.

....nur dass die Narkoseärztin partout keine Ketaminparty veranstalten wollte....das war nicht nett.

*) Originalzitat aus dem Bekanntenverwandtenkreis. Beruf: Arzt. In der Regel folgt der Nachsatz: "Ich kenne meine Kollegen..."

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Donnerstag, 20. Oktober 2011
Verstaatlichen
Es soll keiner sagen, dass hier ein völlig durchgedrehter Raubtierkapitalismus herrscht. Ganz und gar nicht. Es geht eher ins Gegenteil. Es gab eine Zeit, da ging man schlicht bankrott, wenn man zu viel Verluste hatte und man weder rentabel noch liquide war. Heute ist das nicht mehr so. Bankenverluste etwa werden schön sozialistisch gerecht auf alle verteilt.

Aber auch anderswo übt sich der Staat in Verstaatlichung und Staatsmonopolismus.

Früher, da war alles einfacher. Da nannnte man Nerds noch Hacker und die sahen meist recht erschreckend unterernährt und bleich aus, litten unter einem chronischen Schlafdefizit, konsumierten literweise Cola und stangenweise Zigaretten. Meist hatten sie schmierige, ungewaschene Haare und eine dicke Hornbrille mit 8 Dioptrien.
Ersatzweise waren es 15jährige Schulbuben mit Gesichtern direkt aus der Clearasilwerbung, die sich dann ein Mal quer durch das Verteidigungsministerium klickten.
Und heute? Heute wird das alles vom Staat erledigt.

Früher beispielsweise, da war das alles auch viel einfacher. Da gab es den schwarzen Block, der Steine gegen Polizisten schmiss. Dann aber tauchte der schwarze Block auf einmal auf der anderen Seite auf und nun geht die Entwicklung gar noch weiter: Wenn Polizisten dann erstmal Straftaten begehen sollendürfen, um unter Linken als authentisch zu gelten, dann dürfen Sie mal raten, wer die ersten Steine auf Demos schmeißen wird. Dann hätten wir schon zwei schwarze Blöcke.

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Dienstag, 18. Oktober 2011
Untiefen unendlich
Wenn Sie hier hin und wieder mitlesen, dann ahnen Sie vermutlich, dass ich ein Nachrichtenjunkie bin und Sie wissen, dass ich hin und wieder hinabtauche in verschwörungstheoretische Sphären. Nicht weil ich daran glaubte, es ist eher eine Affinität aus dem Gegenteil heraus. Hinzu kommt, dass mich das Weltgeschehen allgemein interessiert, mit Betonung auf Welt.

Das sind glänzende Voraussetzungen für ausführliche Studien betreffs Diktatorenliebhaber vor allem derjenigen in der arabischen Welt. Sie ahnen ja gar nicht, wieviele Freunde Gaddafi in der westlichen Welt hat. Sehr wahrscheinlich sehr viel mehr als in Libyen selbst. Einem guten Teil der neuen Freunde Gaddafis war selbiger vermutlich bis vor ein paar Monaten ziemlich egal und die Motivation sich einem blutrünstigen Diktatoren anzubiedern, beschränkt sich in erster Linie auf eine Anti-NATO-Haltung. Dazu dann ein diffuses Gemisch aus Antisemitismus, Antiamerikanismus und Verschwörungstheorien.

Nun kann man von dem NATO-Einsatz dort halten was man möchte und man kann durchaus sehr skeptisch sein, nicht nur der NATO gegenüber sondern auch denjenigen gegenüber die dort scheint's für das "Gute" kämpfen. Auch darf man sich fragen, was dort eigentlich grade so passiert, wenn man von grob geschätzt 30.000 Toten in einem halben Jahr hört und man solche Bilder sieht. Aber da draußen kreieren ein paar Gaddafifans unablässig Meldungen, die angeblich direkt aus Libyen stammen, immer unverifiziert und nie belegbar sind, während die eigentlichen Verfasser mutmaßlich den eigenen Schreibtischstuhl in der sozialstaatlich finanzierten Wohnung vollfurzen. Das ist nicht mal mehr Propaganda und läuft auch nicht mehr unter Lügen, das ist pure Fantasiererei, bei der man sich ernsthaft fragt, ob die Verfasser noch ganz zurechnungsfähig sind. Sowas wie eines sektenartige Szene für sich selbst. Allein es hilft der Glaube.

Sie wollen endlich Beispiele? Gerne! Glauben Sie mir: Besser waren die Wasserstandsmeldungen aus dem Führerbunker damals auch nicht. Hier die schönsten Behauptungen:

- Nur der kleinste Teil Libyens -genaugenommen nur Bengazi osttwärts und das auch nur eingeschränkt- ist unter Kontrolle der Ehemalsrebellen/ Jetztneuregierung

- In Tripolis gibt es seit Wochen einen massiven Aufstand. Ebenso in unendlich vielen anderen Städten. Der Beweis dessen sind Videos von Progaddafipropagandademonstrationen der letzten 6 Monate, die man flux auf neu datiert, dabei aber die Orte durcheinanderbringt.

- Aus Tschad, Niger und einigen anderen afrikanischen Ländern ist eine Tuaregarmee unterwegs, um Gaddafi zu unterstützen.

-Auch wenn der Gaddafikanal selbst negatives berichtet, wird dies umgehend dementiert. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

- Die Botschafter der USA und Frankreichs in Libyen wurden entführt oder sind untergetaucht. Auf jeden Fall verschwunden.

- täglich werden Verlustzahlen der Antigaddafikämpfer gemeldet. Diese bewegen sich so etwa zwischen 200 und über 1000 je Tag. Addiere ich nun alle Zahlen zusammen über den gesamten Zeitraum, seit ich mich für die Thematik interessiere, lande ich bei so grob 100.000 Anti-Gaddafikämpfer, die da angeblich gefallen sein sollen. Pro Front, je umkämpfter Stadt wohlgemerkt.

Das ließe sich noch sehr weit so fortsetzen.

Den tollsten Vollpfosten aber habe ich Ihnen bisher vorenthalten. Das ist ein echtes Highlight in Sachen Realitätsverweigerung und wäre ein klares Argument gegen das aktive wie passive Wahlrecht, zumal der Kerl auch schon mal für "Die Linke" als Kandidat zu Wahlen antreten durfte. Weil wir hier aber Demokraten sind, ist er nur ein echt gutes Argument nicht die Linke zu wählen, weil aus Stalinisten schnell Nazis werden und umgekehrt. Es hat durchaus was zentralkomiteehaftes und ich sagen Ihnen: Der Schwarze Kanal von von Schnitzler ist gar nicht tot, von Schnitzler schon, den Kanal gibt es aber noch oder eher wieder und zwar bei Youtube. Da helfen keine Pillen mehr, Argumente sowieso nicht, das müssen Sie als Teil des Kuriosenkabinetts betrachten, das ist so, die sind so....und manchmal bleibt einem dann doch das Lachen im Hals stecken. Unfreiwillige Comedy meets mental problem.

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Donnerstag, 13. Oktober 2011
Biennale
Ich mag Kunst. Vor allem moderne Kunst. Deshalb schaue ich mir an was ich mir anschauen kann und manchmal verreise ich auch für die Kunst, so wie dieses Mal.

Es gibt Leute die meinen, dass Kunst nur was für Leute sei, die etwas höher gebildet seien und ich sage Ihnen nun: Dem ist nicht mal entfernt so. Kunst können Sie auch mit Halbwüxxigen gucken. Oder mit Kindern. Oder auch mit Haupt- und Förderschülern. Das wunderbare an Kunst ist, dass das jeder verstehen kann. Ganz egal vom Bildungsstand. Ich mag Kunst, die in der Lage ist, generationen- und schichtübergreifend verstanden zu werden. Das ist für mich so richtig gut. Und genial. Kunst, die ein Hauptschüler nicht kapiert, die kapiere ich auch nicht, auch wenn es bei Kunst nicht unbedingt nur um das Verständnis geht.

Kurz und sehr gewagt und wahrscheinlich steinigen mich demnäxxt alle Künstler: Kunst ist dann gut, wenn das Kinder kapieren. Und meine These ist: Kinder können das sehr wohl verstehen. Deshalb schauen wir uns jetzt mal die Biennale unter dem Aspekt der Kindertauglichkeit an. Auch deshalb, weil die Biennale auch sowas wie eine Familienveranstaltung ist und neben den üblichen Kunstverdächtigen wie Studienräten auch Eltern mit Kindern zu finden sind.



Hakenkreuzostereier gehen als Kunst durch. Naja. Italien.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit nun erstmal schnell auf den deutschen Pavillon lenken und da muss ich ehrlicherweise zugeben, dass der dieses Jahr nur bedingt kinderfreundlich ist. Er hat aber Preise gekriegt und das nicht umsonst. Sagen wir es mal so: Es ist eine Kathedrale für Christoph Schlingensief und es zeigt einfach alles über Schlingensief. Höhen und Tiefen. Erfolg und Scheitern. Einmal quer durchs Leben. Und Sterben. Zuerst mal gab es die Preise nicht umsonst. Es ist schlicht überwältigend. Und bedrückend. Aber auch lustig. Und lebensbejahend. Ein breiter Querschnitt über Leben und Wirken mitsamt Ausblick über das geplante Projekt eines Operndorfs in Burkina Faso und das filmische Gesamtwerk Schlingensiefs. Man hätte allein in diesem Pavillon Tage zubringen können.

Sagen wir es mal so: Christoph Schlingensief hätte sein eigener Nachruf zweifellos sehr gefallen.





Schwenken wir nun mal über nach Südkorea. Die zeigten bei meinem letzten Besuch schon ziemlich interessante Dinge. Dieses Mal auch wieder. Lustige Klamotten, gewidmet Beuys, John Cale und Nam Jun Paek und diese tollen Scheinbarspiegel, die nur auf den ersten Blick wie Spiegel aussahen und für Kinder total faszinierend waren, weil es immer aussah, als als würden Schüsse von den Spiegeln ausgehen.



Dänemark! Die Dänen waren hochpolitisch und sehr vielfältig. Ein richtig unterhaltsamer Pavillon. Sie haben nette Filmchen und eine ausführliche Dokumentation darüber, wie im maoistischen China Fotos retouschiert wurden, sowie Mao als Ikone. Und sehr lustig fand ich zumindest den Playboy in der Braille-Edition für Sehbehinderte. Da wäre ich gerne selbst drauf gekommen.





Die Amerikaner ließen sich ihren Pavillon von Hugo Boss sponsern und wissen vermutlich gar nicht, dass diese Schneiderei früher mal Zwangsarbeiter Wehrmachtuniformen nähen ließ. Aber angesichts langer Jahre Afghanistaneinsatz ist so ein umgekippter Panzer auch irgendwie ein Statement.



Die Amerikaner haben aber auch lustige Sachen. Letztes Mal verteilten sie zigtausende Bonbons auf dem Boden und jeder durfte sich beteiligen, dieses Mal hatten sie einen Geldautomaten in eine Orgel gebaut und das Ding spielte immer dann eine Melodie ab, wenn so ein paar Gören ihre Eltern wieder überredet hatten, ein paar Euros zu ziehen.



Und spätestens nun sind wir im Kinderparadies der Biennale. In diesem Raum des italienischen Pavillon dürfen sich die Kinder austoben. Und diejenigen, die zwar erwaxxen sind, aber Kinder geblieben sind. Ein grandioser Raum. Das Ursprungsprodukt war mal ein Quader Knete in den arabischen Farben rot, weiß und schwarz, auch als Reminiszenz an die arabischen Revolutionen zu verstehen. Daraus konnte und sollte man allerlei fabrizieren und an die Wand pinnen. Sie ahnen ja gar nicht, wie begeistert Kinder über diese Art von Kunst sein können!





Die absolute Krönung aber sind die Griechen. Deren Pavillon demonstriert ihre momentane Lage allerbestens. Drinnen nämlich findet sich lediglich 10 cm Wasser und drüber führt ein Holzsteg. Kein Bild, keine Skulptur, kein Film. Nix. Nur ein Steg über eine Wasserpfütze. Und während man sich noch fragt, was das nun soll, kommt man umgehend drauf. Mehr ham sie nimmer. Aber reichlich Wasser, das ihnen auch noch bis zum Hals steht und sie deshalb ganz froh sind, wenn sie ein bißchen davon gen Italien entsorgen können. Blöde nur, dass Venedig ebenso regelmäßig überflutet wird.



Die Griechen betonten ausdrücklich, dass die Graffiti NICHT Teil der Ausstellung seien, sondern von anonymen Sprayern hinzugefügt wurden. Aber weil das dann doch irgendwie passt, haben sie es wohl drangelassen. Oder sie haben kein Geld das zu entfernen.



Und dann schauen Sie sich mal die Venezolaner an, die mich schon beim letzten Mal mit tollen Fotos begeisterten. Dieses Mal auch. Die Kinder fanden das toll. Comicfiguren, die sie teilweise auch kannten (den nackigen Obama)





Ausdrücklich keine Fotos gibt es von den Schweizern. Erstens weil der Pavillon Grütze ist und zweitens die dumme Schweizer-Ische extrem unfreundlich zu Kindern war und nun einen guten Grund hat, Deutsche unsympathisch zu finden, weil ich und andere sie wegen ihrer unmöglichen Art mit Kindern umzugehen blöd von der Seite angemacht habe.

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