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Mittwoch, 17. Oktober 2012
Der Zustand der Stuttgarter CDU, oder: Und ausgerechnet das im Musterländle
gorillaschnitzel, 02:10h
In Stuttgart finden immer noch OB-Wahlen statt. Näxxten Sonntag ist der zweite Wahlgang. Wenn nicht ganz viel falsch läuft, wird der näxxte Stuttgarter OB Kuhn heißen und ein Grüner sein. Damit würde hier nicht nur das erste Bundesland grün regiert, sondern die erste Landeshauptstadt gleich noch dazu.
Das ist schon bemerkenswert, weil auch Stuttgart -wie ganz Baden-Württemberg- mal eine absolute CDU-Hochburg war, auch wenn man sich daran kaum mehr erinnern mag. War mal so. War. Früher -und so lange ist das auch wieder nicht her- fuhren sie dort mal so gegen 60% und mehr ein. Heute sind es noch 34% und das gemeinsam zusammen mit den Freien Wählern und der FDP, die entgegen dem Bundestrend hier dennoch ein bißchen mehr einfährt als sonst.
In wenigen Jahren mal schnell die Wählerzahl halbieren, muss man ja auch mal schaffen, selbst in Partnerschaft mit der FDP. Da muss man schon richtig viel falsch machen, um so einen Absturz hinzukriegen.
Dabei haben die Unionisten eigentlich eines richtig gemacht: Einen parteiunabhängigen Kandidaten aufgestellt, weil eben das die Stuttgarter eigentlich mal wollten. Dann haben die Stuttgarter aber doch Parteibuch-Kuhn von den Grünen gewählt. Warum?
Weil sie genug haben vom CDU-Filz und das hat längst nicht nur mehr mit S21 zu tun. Weil sie nicht das näxxte CDU-Rindvieh haben wollen, das beliebig austauschbar ist. Weil sie Authentizität haben wollen.
Schon lange ist die CDU nicht mehr die Nummer 1 im Kommunalparlament und die CDU hat darauf immer nur mit derselben Arroganz reagiert. Sie haben irgendwann mal am Souverän vorbeiregiert und das hat der Souverän nicht verziehen und genau das haben sie nicht verstanden.
Darum reden sie nun auch am Souverän vorbei und kapieren noch nicht mal das. Noch nicht mal, dass der Souverän in solchen Dingen extrem nachtragend ist. Im Prinzip leben sie von ein paar unverbesserlichen Restrentnern und dem Publikum auf dem flachen Land, die halt das wählen, was sie vor 50 Jahren mal gewählt haben.
Kurz: Die sind durch. Sie haben abgewirtschaftet. Es wird vemutlich wieder mal eine Nacht der langen Messer geben am Sonntagabend.
Jetzt hat sich gar Änschie als ultimative Waffe in diesen doch eher popligen OB-Wahlkampf eingemischt. Wo sonst gibt es das denn sonst? Ein OB-Wahlkampf in einer Großstadt und dann redet die Kanzlerin?
Die Not muss wirklich groß sein.
Der SWR vermeldete dann hinterher, dass sie da war und ganz viele Menschen da waren undsoweiter und drehte als CDU-treuer Sender wohlwissentlich den Ton runter.
Wie es wirklich aussieht, wenn hier die CDU auftritt -und so ging das 40 Minuten lang- sehen Sie hier:
Das ist schon bemerkenswert, weil auch Stuttgart -wie ganz Baden-Württemberg- mal eine absolute CDU-Hochburg war, auch wenn man sich daran kaum mehr erinnern mag. War mal so. War. Früher -und so lange ist das auch wieder nicht her- fuhren sie dort mal so gegen 60% und mehr ein. Heute sind es noch 34% und das gemeinsam zusammen mit den Freien Wählern und der FDP, die entgegen dem Bundestrend hier dennoch ein bißchen mehr einfährt als sonst.
In wenigen Jahren mal schnell die Wählerzahl halbieren, muss man ja auch mal schaffen, selbst in Partnerschaft mit der FDP. Da muss man schon richtig viel falsch machen, um so einen Absturz hinzukriegen.
Dabei haben die Unionisten eigentlich eines richtig gemacht: Einen parteiunabhängigen Kandidaten aufgestellt, weil eben das die Stuttgarter eigentlich mal wollten. Dann haben die Stuttgarter aber doch Parteibuch-Kuhn von den Grünen gewählt. Warum?
Weil sie genug haben vom CDU-Filz und das hat längst nicht nur mehr mit S21 zu tun. Weil sie nicht das näxxte CDU-Rindvieh haben wollen, das beliebig austauschbar ist. Weil sie Authentizität haben wollen.
Schon lange ist die CDU nicht mehr die Nummer 1 im Kommunalparlament und die CDU hat darauf immer nur mit derselben Arroganz reagiert. Sie haben irgendwann mal am Souverän vorbeiregiert und das hat der Souverän nicht verziehen und genau das haben sie nicht verstanden.
Darum reden sie nun auch am Souverän vorbei und kapieren noch nicht mal das. Noch nicht mal, dass der Souverän in solchen Dingen extrem nachtragend ist. Im Prinzip leben sie von ein paar unverbesserlichen Restrentnern und dem Publikum auf dem flachen Land, die halt das wählen, was sie vor 50 Jahren mal gewählt haben.
Kurz: Die sind durch. Sie haben abgewirtschaftet. Es wird vemutlich wieder mal eine Nacht der langen Messer geben am Sonntagabend.
Jetzt hat sich gar Änschie als ultimative Waffe in diesen doch eher popligen OB-Wahlkampf eingemischt. Wo sonst gibt es das denn sonst? Ein OB-Wahlkampf in einer Großstadt und dann redet die Kanzlerin?
Die Not muss wirklich groß sein.
Der SWR vermeldete dann hinterher, dass sie da war und ganz viele Menschen da waren undsoweiter und drehte als CDU-treuer Sender wohlwissentlich den Ton runter.
Wie es wirklich aussieht, wenn hier die CDU auftritt -und so ging das 40 Minuten lang- sehen Sie hier:
Mittwoch, 17. Oktober 2012
Ein kleines bißchen Dekadenz
gorillaschnitzel, 01:03h
Okay, es ist wirklich dekadent und daran, was so ein Löffelchen kostet, darf man nicht denken, wenn man sich das in den Mund schiebt. Aber erstens kostet das im Iran nur ein Bruchteil dessen, was es hier kosten würde (eineinhalbtens ist es das allerbeste Ding seiner Art weltweit überhaupt) und zweitens hatte ich es noch nie probiert und drittens macht man das auch nicht jeden Tag.
Viertens habe ich Mo noch einiges geschuldet, weil er eine für mich reichlich vorteilhafte Abrechnung gemacht hat und auch wegen gewisser sprachlicher Vorteile sonst ziemlich viel organisieren musste, was mich viel Zeit, Nerven und Geld gespart hat.
Und gut, fünftens: Wenn man schon gemeinsam in Erinnerungen schwelgt, dann doch mit einem Produkt, das zu den berühmtesten des Landes zählt, das man grade gemeinsam bereist hat.

Ich war ja skeptisch. Viel Geld für Fischeier? Ich trug zwischenzeitlich mit dem Gedanken schwanger, das Gläschen bei Ebay einzustellen. Aber man muss eben manchmal auch was zurückgeben und hier war das wirklich angebracht. Das näxxte Mal bringe ich noch ein zweites Gläschen, damit wäre dann das erste Gläschen und die halbe Reise finanziert.
Aber wissen Sie was? Vergessen Sie all diese Lachs- und Forellenfischeiprodukte. Die haben mit Kaviar soviel zu tun wie Helmut Kohl mit Aufrichtigkeit gegenüber Spendernamen. Glaubenses oder nicht, aber das schmeckt ja sogar wirklich. Gut, satt werden Sie da bei 50 Gramm eher nicht, aber es ist wirklich lecker. Kann man mal genießen.
Und für die Sättigung gab es Ghormeh Sabsi, da werden Sie garantiert satt.
Viertens habe ich Mo noch einiges geschuldet, weil er eine für mich reichlich vorteilhafte Abrechnung gemacht hat und auch wegen gewisser sprachlicher Vorteile sonst ziemlich viel organisieren musste, was mich viel Zeit, Nerven und Geld gespart hat.
Und gut, fünftens: Wenn man schon gemeinsam in Erinnerungen schwelgt, dann doch mit einem Produkt, das zu den berühmtesten des Landes zählt, das man grade gemeinsam bereist hat.

Ich war ja skeptisch. Viel Geld für Fischeier? Ich trug zwischenzeitlich mit dem Gedanken schwanger, das Gläschen bei Ebay einzustellen. Aber man muss eben manchmal auch was zurückgeben und hier war das wirklich angebracht. Das näxxte Mal bringe ich noch ein zweites Gläschen, damit wäre dann das erste Gläschen und die halbe Reise finanziert.
Aber wissen Sie was? Vergessen Sie all diese Lachs- und Forellenfischeiprodukte. Die haben mit Kaviar soviel zu tun wie Helmut Kohl mit Aufrichtigkeit gegenüber Spendernamen. Glaubenses oder nicht, aber das schmeckt ja sogar wirklich. Gut, satt werden Sie da bei 50 Gramm eher nicht, aber es ist wirklich lecker. Kann man mal genießen.
Und für die Sättigung gab es Ghormeh Sabsi, da werden Sie garantiert satt.
Sonntag, 14. Oktober 2012
Haptik und Olfaktorik beim Öffnen des Päckchens sind einfach nicht steigerbar
gorillaschnitzel, 17:01h
....und meine Iraner sind schon richtig wild drauf...


Montag, 8. Oktober 2012
Kashan
gorillaschnitzel, 03:00h
Kashan liegt so auf halbem Weg zwischen Esfahan und Teheran und ist bekannt für kadscharische Herrschaftshäuser, einen uralten Garten und seine Teppiche.

Teppich ist nun mal ein Stichwort, weil Teppiche was wirklich originär iranisches sind und die in aller Regel auf dem Basar gehandelt werden. Dort haben sie mittlerweile ein Problem, weil sie ihre Teppiche nicht mehr loskriegen und das liegt vor allem an einem ganz immensen Imageproblem: Die Teppichbazaris haben sich nämlich mit dem Teufel eingelassen und das sind in dem Fall die Chinesen und die haben ihnen erst perfekt gefälschte Teppiche verkauft, die wiederum von den Bazaris als Originale weiterverkauft wurden und nun räumen die Chinesen gleich richtig den Markt auf und dumpen das gleich nochmal. Für die Bazaris ist das wirklich gefährlich und damit ist es das auch für das Regime, aber weshalb, da müssen Sie schon weiterlesen.

Aber mal zum Gartenbau. Ich geb es ehrlich zu: Ich hab es damit nicht so. Mir ist nur mein Feigenbaum heilig und das hat eher persönliche Gründe als die Liebe zu Pflanzen. Vielleicht ist daher meine Bewunderung für den iranischen Gartenbau eine ungleich andere. Immerhin ist das Klima doch sehr heiß, Wasser weit nicht so verfügbar wie hier und karg ist die Erde auch noch. Insgesamt widrige Bedingungen.
Aber die Iraner machen trotzdem was draus und Sie werden nun die Bilder eines Gartens sehen:


Bagh-e Fin heißt der Garten. Klar, der Garten wurde immer wieder neu angelegt, aber: Was glauben Sie, wie alt dieser Garten ist? 100 Jahre? 200 Jahre? 500 Jahre? Gar 1000 Jahre? Nö, alles falsch. Man nimmt an, dass der Garten vor etwa 7000 Jahren zum ersten Mal angelegt wurde. Da saßen die braven Germanen noch in ihren sumpfig-feuchten Wäldern und sollten noch 5000 Jahre lang auf die Römer warten.

Wie die Iraner das Wasser über zig Quellen und zig Kanäle über lange Wege dorthin transportieren und das in einem Land, in dem nur sehr wenige Flüsse ganzjährig Wasser führen, ist vermutlich eine eigene Doktorarbeit wert. Wie sie es schaffen, das so großzügig zu verteilen und dann alles zum Sprießen zu bekommen wohl auch.

Solche Gärten sind wirklich im Wortsinne Paradiese, weil sie entstehen, wo rundherum wirklich alles karg und öde ist. Aber auch im Paradies geschehen schreckliche Dinge, das wissen Sie seit Kain und Abel. Im Paradies Bagh-e Fin beispielsweise wurde Amir Kabir ermordet, der bis heute über alle Verwerfungen hinweg höchstes Ansehen genießt im Iran.

Wir müssen uns nun aber auch mal einem sehr ernsten Thema zuwenden und vielleicht interessiert Sie das auch hoffentlich einigermaßen brennend: Die Politik heutzutage. Darüber redet man im Iran nicht offen, beziehungsweise verhält man sich distanziert gegenüber Leuten, die man nicht kennt und diskutiert das alles allenfalls in der Familie. Ich traf ja ein paar von Mo's Cousins, die auch im Iran leben und dazu muss man sagen, dass Mo's Familie generell oppositionell eingestellt ist und einige durchaus dem Schah nachtrauern. Die Cousins von Mo waren mal in der Grünen Bewegung aktiv, damals vor drei Jahren.

Seither sind sie irgendwie desillusioniert. Und irgendwie auch lethargisch. Paralysiert. Sie wissen, dass sich was ändern muss und sie mögen es auch überhaupt nicht, dass ihnen das Regime alles blockiert, was halbwegs Spaß macht, von Beck's bis Youtube (Internet ist unendlich langsam und es ist alles geblockt von Youtube bis Facebook, die Iraner umgehen das trotzdem), aber sie verweisen eben auch darauf, dass das Regime brutaler ist als sie und sie genau wahrnähmen, was grade in Syrien passiert. Ihre Grüne Bewegung wurde schlicht niedergeschossen. Von außen wollen sie auch nix haben, iranische Angelegenheiten müssen Iraner klären. Sagen wir es mal so: Es ist mächtig kompliziert.

Aber der Verfall der Währung hat auch Folgen. Als ich abflog waren es ja noch 29500:1, am Montag waren es 40000:1, Dienstag 45000:1. Am Mittwoch machten dann die Bazaris ihre Läden dicht, was ziemlich gefährlich ist für das Regime, weil die Bazaris traditionell konservativ sind und eher dem Regime anhängen. Und dann machten wiederum die Basij die Wexxelstuben dicht. Genau da, wo ich noch vor ein paar Wochen gewohnt habe und entlanggelaufen bin. Das sah dann auf einmal etwas anders aus, am und südlich des Ferdowsi-Platz.
Teheran letzten Mittwoch:
"Marg bar diktator" entstammt der Grünen Bewegung und man wünscht dem Diktatoren den Tod. Danach schreien sie, dass man Syrien sich selbst überlassen solle und es um den Iran ginge (und meinen damit die Hilfen für das Assad-Regime). Es gab auch Steine, brennende Mülleimer, Verhaftungen und Schlägereien mit der Polizei.

Wie Sie sicher bemerkt haben, springe ich grade lustig hin und her zwischen lustigen Gartenthemen und knallharter Realität. Das ist eben, was Sie erleben, wenn Sie im Iran sind: Unendlich schöne Dinge und Erlebnisse und mit einem Schlag steht dann da so ein Arschloch-Basij.

Wie bei unserer Zugfahrt. Ich, Mo, 3 Durchschnittsiraner und ein ehrenamtlicher Basij. Diese sind immer eher sehr zurückhaltend, beobachten eher und daher verzog sich der Basij gleich nach oben in die zweite Etage. Iraner reden ja immer und ständig miteinander. Permanent. Hier auch. Irgendwann mal merkte ich, dass es etwas hitziger wurde und der Basij runterglotzte und alles was ich in meinem Rudimentär-Farsi begriffen habe, war, dass es um "Zug" und "spät" ging. Der Zug hatte 2 Stunden Verspätung.

Mo sagte dann, dass der eine Mitpassagier fragte, weshalb der Zug so viel zu spät ist. Die Antwort von Mo war: "Weil in diesem Land nichts, überhaupt nichts, funktioniert". Da schaute der Basij dann entgeistert und ging raus zwecks Berichterstattung. Ich fand zwar, dass die Iraner das ohnehin wissen, weil sie da leben und das gar nicht nötig gewesen ist, aber Mo bestand darauf, dass es einen Mutigen braucht, der das auch ausspricht, während er gleichzeitig fand, dass ein paar "Codewords" (Chamenei, Khomeini, Israel, West, USA, Mossad etc.) doch jetzt besser unterbleiben sollten. Er hatte Schiß bekommen, die anderen und ich auch. Ein Klima der Angst, nichts anderes. Keine Ahnung, was der Basij berichtet hat, aber sie ließen uns alle unkontrolliert aus dem abgeschlossenen Zug, der sich nur von außen öffnen lässt. So funktioniert Diktatur.

Aber noch mehr Sprünge und jetzt sind wir bei den Kadscharenhäusern. Die Kadscharen waren eine eigene Dynastie und eher nicht so arg angesehen, weil das eher so eine Zeit des Niedergangs Irans war, aber hallo, großartige Häuser haben sie trotzdem gebaut. Die kann man heute besichtigen.

Vielleicht bringe ich Ihnen nun einfach etwas Farsi bei, und das als jemand, der allenfalls die Höflichkeitsfloskeln beherrscht, aber wir machen das jetzt trotzdem.

Sie sahen nun grade eben das Khaneh Ameri-ha. Khaneh bedeutet Haus, Ameri ist der Familienname und bei den Iranern bezieht sich der Familienname auch immer auf den Ort, woraus die Familie entstammt -die Arakis stammen aus Arak, die Teheranis aus Teheran usw., die Ameris demnach also aus Amer- und das -ha ist der Plural.

In dem Fall heißt Khaneh Ameri-ha schlicht: Haus der Ameris. Geht doch oder? Khaneh Borudjerdi-ha? Haus der Borudjerdis. Masjed-e Imam? Moschee des Imam. Sehense? So schwer ist Farsi gar nicht. Und so könnten wir weitermachen. Tun wir aber nicht. Wir schauen uns jetzt noch mal schnell das Khaneh Borudjerdi-ha an.



Teppich ist nun mal ein Stichwort, weil Teppiche was wirklich originär iranisches sind und die in aller Regel auf dem Basar gehandelt werden. Dort haben sie mittlerweile ein Problem, weil sie ihre Teppiche nicht mehr loskriegen und das liegt vor allem an einem ganz immensen Imageproblem: Die Teppichbazaris haben sich nämlich mit dem Teufel eingelassen und das sind in dem Fall die Chinesen und die haben ihnen erst perfekt gefälschte Teppiche verkauft, die wiederum von den Bazaris als Originale weiterverkauft wurden und nun räumen die Chinesen gleich richtig den Markt auf und dumpen das gleich nochmal. Für die Bazaris ist das wirklich gefährlich und damit ist es das auch für das Regime, aber weshalb, da müssen Sie schon weiterlesen.

Aber mal zum Gartenbau. Ich geb es ehrlich zu: Ich hab es damit nicht so. Mir ist nur mein Feigenbaum heilig und das hat eher persönliche Gründe als die Liebe zu Pflanzen. Vielleicht ist daher meine Bewunderung für den iranischen Gartenbau eine ungleich andere. Immerhin ist das Klima doch sehr heiß, Wasser weit nicht so verfügbar wie hier und karg ist die Erde auch noch. Insgesamt widrige Bedingungen.
Aber die Iraner machen trotzdem was draus und Sie werden nun die Bilder eines Gartens sehen:


Bagh-e Fin heißt der Garten. Klar, der Garten wurde immer wieder neu angelegt, aber: Was glauben Sie, wie alt dieser Garten ist? 100 Jahre? 200 Jahre? 500 Jahre? Gar 1000 Jahre? Nö, alles falsch. Man nimmt an, dass der Garten vor etwa 7000 Jahren zum ersten Mal angelegt wurde. Da saßen die braven Germanen noch in ihren sumpfig-feuchten Wäldern und sollten noch 5000 Jahre lang auf die Römer warten.

Wie die Iraner das Wasser über zig Quellen und zig Kanäle über lange Wege dorthin transportieren und das in einem Land, in dem nur sehr wenige Flüsse ganzjährig Wasser führen, ist vermutlich eine eigene Doktorarbeit wert. Wie sie es schaffen, das so großzügig zu verteilen und dann alles zum Sprießen zu bekommen wohl auch.

Solche Gärten sind wirklich im Wortsinne Paradiese, weil sie entstehen, wo rundherum wirklich alles karg und öde ist. Aber auch im Paradies geschehen schreckliche Dinge, das wissen Sie seit Kain und Abel. Im Paradies Bagh-e Fin beispielsweise wurde Amir Kabir ermordet, der bis heute über alle Verwerfungen hinweg höchstes Ansehen genießt im Iran.

Wir müssen uns nun aber auch mal einem sehr ernsten Thema zuwenden und vielleicht interessiert Sie das auch hoffentlich einigermaßen brennend: Die Politik heutzutage. Darüber redet man im Iran nicht offen, beziehungsweise verhält man sich distanziert gegenüber Leuten, die man nicht kennt und diskutiert das alles allenfalls in der Familie. Ich traf ja ein paar von Mo's Cousins, die auch im Iran leben und dazu muss man sagen, dass Mo's Familie generell oppositionell eingestellt ist und einige durchaus dem Schah nachtrauern. Die Cousins von Mo waren mal in der Grünen Bewegung aktiv, damals vor drei Jahren.

Seither sind sie irgendwie desillusioniert. Und irgendwie auch lethargisch. Paralysiert. Sie wissen, dass sich was ändern muss und sie mögen es auch überhaupt nicht, dass ihnen das Regime alles blockiert, was halbwegs Spaß macht, von Beck's bis Youtube (Internet ist unendlich langsam und es ist alles geblockt von Youtube bis Facebook, die Iraner umgehen das trotzdem), aber sie verweisen eben auch darauf, dass das Regime brutaler ist als sie und sie genau wahrnähmen, was grade in Syrien passiert. Ihre Grüne Bewegung wurde schlicht niedergeschossen. Von außen wollen sie auch nix haben, iranische Angelegenheiten müssen Iraner klären. Sagen wir es mal so: Es ist mächtig kompliziert.

Aber der Verfall der Währung hat auch Folgen. Als ich abflog waren es ja noch 29500:1, am Montag waren es 40000:1, Dienstag 45000:1. Am Mittwoch machten dann die Bazaris ihre Läden dicht, was ziemlich gefährlich ist für das Regime, weil die Bazaris traditionell konservativ sind und eher dem Regime anhängen. Und dann machten wiederum die Basij die Wexxelstuben dicht. Genau da, wo ich noch vor ein paar Wochen gewohnt habe und entlanggelaufen bin. Das sah dann auf einmal etwas anders aus, am und südlich des Ferdowsi-Platz.
Teheran letzten Mittwoch:
"Marg bar diktator" entstammt der Grünen Bewegung und man wünscht dem Diktatoren den Tod. Danach schreien sie, dass man Syrien sich selbst überlassen solle und es um den Iran ginge (und meinen damit die Hilfen für das Assad-Regime). Es gab auch Steine, brennende Mülleimer, Verhaftungen und Schlägereien mit der Polizei.

Wie Sie sicher bemerkt haben, springe ich grade lustig hin und her zwischen lustigen Gartenthemen und knallharter Realität. Das ist eben, was Sie erleben, wenn Sie im Iran sind: Unendlich schöne Dinge und Erlebnisse und mit einem Schlag steht dann da so ein Arschloch-Basij.

Wie bei unserer Zugfahrt. Ich, Mo, 3 Durchschnittsiraner und ein ehrenamtlicher Basij. Diese sind immer eher sehr zurückhaltend, beobachten eher und daher verzog sich der Basij gleich nach oben in die zweite Etage. Iraner reden ja immer und ständig miteinander. Permanent. Hier auch. Irgendwann mal merkte ich, dass es etwas hitziger wurde und der Basij runterglotzte und alles was ich in meinem Rudimentär-Farsi begriffen habe, war, dass es um "Zug" und "spät" ging. Der Zug hatte 2 Stunden Verspätung.

Mo sagte dann, dass der eine Mitpassagier fragte, weshalb der Zug so viel zu spät ist. Die Antwort von Mo war: "Weil in diesem Land nichts, überhaupt nichts, funktioniert". Da schaute der Basij dann entgeistert und ging raus zwecks Berichterstattung. Ich fand zwar, dass die Iraner das ohnehin wissen, weil sie da leben und das gar nicht nötig gewesen ist, aber Mo bestand darauf, dass es einen Mutigen braucht, der das auch ausspricht, während er gleichzeitig fand, dass ein paar "Codewords" (Chamenei, Khomeini, Israel, West, USA, Mossad etc.) doch jetzt besser unterbleiben sollten. Er hatte Schiß bekommen, die anderen und ich auch. Ein Klima der Angst, nichts anderes. Keine Ahnung, was der Basij berichtet hat, aber sie ließen uns alle unkontrolliert aus dem abgeschlossenen Zug, der sich nur von außen öffnen lässt. So funktioniert Diktatur.

Aber noch mehr Sprünge und jetzt sind wir bei den Kadscharenhäusern. Die Kadscharen waren eine eigene Dynastie und eher nicht so arg angesehen, weil das eher so eine Zeit des Niedergangs Irans war, aber hallo, großartige Häuser haben sie trotzdem gebaut. Die kann man heute besichtigen.

Vielleicht bringe ich Ihnen nun einfach etwas Farsi bei, und das als jemand, der allenfalls die Höflichkeitsfloskeln beherrscht, aber wir machen das jetzt trotzdem.

Sie sahen nun grade eben das Khaneh Ameri-ha. Khaneh bedeutet Haus, Ameri ist der Familienname und bei den Iranern bezieht sich der Familienname auch immer auf den Ort, woraus die Familie entstammt -die Arakis stammen aus Arak, die Teheranis aus Teheran usw., die Ameris demnach also aus Amer- und das -ha ist der Plural.

In dem Fall heißt Khaneh Ameri-ha schlicht: Haus der Ameris. Geht doch oder? Khaneh Borudjerdi-ha? Haus der Borudjerdis. Masjed-e Imam? Moschee des Imam. Sehense? So schwer ist Farsi gar nicht. Und so könnten wir weitermachen. Tun wir aber nicht. Wir schauen uns jetzt noch mal schnell das Khaneh Borudjerdi-ha an.


Sonntag, 7. Oktober 2012
Iranische Frauenmode
gorillaschnitzel, 02:02h
Sie glauben, es gäbe dort keine Modemacher? Dann liegen Sie falsch. Iranische Frauen sind eitel. Selbst Tschador ist nicht gleich Tschador. Wird zumindest suggeriert. Mo lachte laut auf, als er die Schilder las, die den Schaufensterpuppen umhingen.
Von rechts nach links: für Studentinnen, arabische Version, nationale (iranische) Version, mit Schal...
Fragen Sie nun aber nicht nach den Unterschieden....

Von rechts nach links: für Studentinnen, arabische Version, nationale (iranische) Version, mit Schal...
Fragen Sie nun aber nicht nach den Unterschieden....

Freitag, 5. Oktober 2012
Stuttgart wählt, oder: Wie Rezzo Schlauch beinahe mal OB geworden wäre
gorillaschnitzel, 23:38h
Am Sonntag mal wieder. Das ist weniger wegen der S21-Geschichte interessant, sondern wegen einer alten Geschichte die keiner vergessen hat. Weder die damals Beteiligten noch die Stuttgarter selbst.
Wie 1996 nämlich Schuster zum OB gemacht wurde. Der übrigens tritt nicht mehr an. Aus Altersgründen sagt er. Weil ihn keine Sau mehr wählen würde, sagt der Rest.
Aber zurück ins Jahr 1996. Damals ist etwas passiert, das das im übrigen Deutschland sonst nicht ganz schlechte Verhältnis zwischen SPD und Grünen für Baden-Württemberg wirklich nachhaltig und bis heute andauernd beschädigt hat. Das hat mitunter zu merkwürdigen und heute kaum mehr denkbaren Verwicklungen geführt: Zeitweise wäre Oettinger drauf und dran gewesen, eher mit den Grünen Koalitionsverhandlungen zu führen als mit FDP oder SPD, ehe er von Mappus ausgebremst wurde.
Was passiert war? Im Wahlkampf um den Stuttgarter OB-Posten traten zur Runde 1 an: Schuster, Rezzo Schlauch für die Grünen, ein zu der Zeit namen- und auch heute farbloser SPD-Kandidat und weitere aussichtslose Bewerber. Die erste Abstimmung endete so:
Schuster 35%, Schlauch 30%, Brechtken 22%, alle anderen waren unter ferner liefen und zogen dementsprechend zurück.
Wäre Schlauch auf Platz 3 eingelaufen, hätten wohl alle erwartet, dass er aufgrund der üblichen Vorgehensweisen zurückzieht und empfiehlt, den SPD-Kandidaten zu wählen. War aber nicht so. Stattdessen spielte sich eine Posse ab, die der SPD in Stuttgart bis heute nachhängt und die an ihr klebt wie das Mal an Kain. Die Leute hier haben ein gutes Gedächtnis in solchen Dingen.
Zu tief saß das. Nur noch die Nummer 3 und das in der Landeshauptstadt. Noch mehr: Die Kommunalwahlen des Vorjahres wurden nochmals bestätigt. Und so entschloss sich dann die SPD, Brechtken nicht zurückzuziehen, was wiederum viel internen Streit nach sich zog. Die Folge war, dass der OB einer Nachbarstadt, ebenfalls SPD, nun auch noch aufs Tableau sprang und ebenfalls zum zweiten Wahlgang antrat. Das wiederum erboste dann zig Mitglieder an der Basis und die wunderbare Kandidatenvermehrung der SPD ging weiter: Ca. 1 Dutzend Basismitglieder stellten sich gleich auch noch dem Votum, sodass vonseiten der SPD so um die 12-14 Kandidaten wählbar waren. Das ist mal eine Auswahl, finden Sie nicht auch?
Der zweite Wahlgang ging dann aus wie fast erwartet:
Schuster 43%
Schlauch 39%
Brechtken 13%
Becker 3%
Und weil die Beckerstimmen überwiegend aus dem konservativen Lager kamen und die 9% die Schlauch dazu gewann und Brechtken verlor irgendwie ziemlich gut passen, verwiesen die stinksauren Grünen vermutlich nicht zu Unrecht darauf, dass Schlauch ganz gute Gewinnchancen gehabt hätte, wenn sich die Stuttgarter SPD etwas weniger paddelig angestellt hätte.
Damit war das Klima völlig vergiftet und das über Jahre hinaus. 8 Jahre später rächten sich die Grünen, indem sie genau das machten, was die SPD davor nicht gemacht hatte: Sie zogen ihren Kandidaten (Boris Palmer) für den zweiten Wahlgang zurück.....
.....und empfahlen gleichzeitig indirekt die Wiederwahl Schusters, der dann auch prompt die SPD-Kandidatin bezwang.
Daher ist die Landeskoalition auch eher sowas wie eine Zwangsehe zweier Partner, die einander nicht so richtig mögen und wahrscheinlich ist es nur einem klugen, etwas älteren, katholischen Lehrer aus der Provinz zu verdanken, dass die überhaupt erst zustande gekommen ist und auch hält: Kretschmann gestand dem kleineren Partner einen Ministerposten mehr als seiner eigenen Partei zu.
Wie 1996 nämlich Schuster zum OB gemacht wurde. Der übrigens tritt nicht mehr an. Aus Altersgründen sagt er. Weil ihn keine Sau mehr wählen würde, sagt der Rest.
Aber zurück ins Jahr 1996. Damals ist etwas passiert, das das im übrigen Deutschland sonst nicht ganz schlechte Verhältnis zwischen SPD und Grünen für Baden-Württemberg wirklich nachhaltig und bis heute andauernd beschädigt hat. Das hat mitunter zu merkwürdigen und heute kaum mehr denkbaren Verwicklungen geführt: Zeitweise wäre Oettinger drauf und dran gewesen, eher mit den Grünen Koalitionsverhandlungen zu führen als mit FDP oder SPD, ehe er von Mappus ausgebremst wurde.
Was passiert war? Im Wahlkampf um den Stuttgarter OB-Posten traten zur Runde 1 an: Schuster, Rezzo Schlauch für die Grünen, ein zu der Zeit namen- und auch heute farbloser SPD-Kandidat und weitere aussichtslose Bewerber. Die erste Abstimmung endete so:
Schuster 35%, Schlauch 30%, Brechtken 22%, alle anderen waren unter ferner liefen und zogen dementsprechend zurück.
Wäre Schlauch auf Platz 3 eingelaufen, hätten wohl alle erwartet, dass er aufgrund der üblichen Vorgehensweisen zurückzieht und empfiehlt, den SPD-Kandidaten zu wählen. War aber nicht so. Stattdessen spielte sich eine Posse ab, die der SPD in Stuttgart bis heute nachhängt und die an ihr klebt wie das Mal an Kain. Die Leute hier haben ein gutes Gedächtnis in solchen Dingen.
Zu tief saß das. Nur noch die Nummer 3 und das in der Landeshauptstadt. Noch mehr: Die Kommunalwahlen des Vorjahres wurden nochmals bestätigt. Und so entschloss sich dann die SPD, Brechtken nicht zurückzuziehen, was wiederum viel internen Streit nach sich zog. Die Folge war, dass der OB einer Nachbarstadt, ebenfalls SPD, nun auch noch aufs Tableau sprang und ebenfalls zum zweiten Wahlgang antrat. Das wiederum erboste dann zig Mitglieder an der Basis und die wunderbare Kandidatenvermehrung der SPD ging weiter: Ca. 1 Dutzend Basismitglieder stellten sich gleich auch noch dem Votum, sodass vonseiten der SPD so um die 12-14 Kandidaten wählbar waren. Das ist mal eine Auswahl, finden Sie nicht auch?
Der zweite Wahlgang ging dann aus wie fast erwartet:
Schuster 43%
Schlauch 39%
Brechtken 13%
Becker 3%
Und weil die Beckerstimmen überwiegend aus dem konservativen Lager kamen und die 9% die Schlauch dazu gewann und Brechtken verlor irgendwie ziemlich gut passen, verwiesen die stinksauren Grünen vermutlich nicht zu Unrecht darauf, dass Schlauch ganz gute Gewinnchancen gehabt hätte, wenn sich die Stuttgarter SPD etwas weniger paddelig angestellt hätte.
Damit war das Klima völlig vergiftet und das über Jahre hinaus. 8 Jahre später rächten sich die Grünen, indem sie genau das machten, was die SPD davor nicht gemacht hatte: Sie zogen ihren Kandidaten (Boris Palmer) für den zweiten Wahlgang zurück.....
.....und empfahlen gleichzeitig indirekt die Wiederwahl Schusters, der dann auch prompt die SPD-Kandidatin bezwang.
Daher ist die Landeskoalition auch eher sowas wie eine Zwangsehe zweier Partner, die einander nicht so richtig mögen und wahrscheinlich ist es nur einem klugen, etwas älteren, katholischen Lehrer aus der Provinz zu verdanken, dass die überhaupt erst zustande gekommen ist und auch hält: Kretschmann gestand dem kleineren Partner einen Ministerposten mehr als seiner eigenen Partei zu.
Dienstag, 2. Oktober 2012
Construction works in Teheran
gorillaschnitzel, 23:59h

Freitag, 28. September 2012
Esfahan
gorillaschnitzel, 04:45h
Okay, ich muss Sie nun erstmal vorwarnen. Ich werde Sie nun mit Fotos und Text erschlagen. Einfach deshalb, weil es um Esfahan geht und ich mich in diese Stadt verliebt habe. Die Iraner sagen, dass Esfahan die schönste Stadt des Iran ist. Damit haben sie durchaus recht. Etwas übermütigere Exemplare sagen, es sei die schönste Stadt der Welt. Das stimmt eher nicht so wirklich. Sie beziehen sich dabei aber auf ein Zitat und auf die frühere Pracht und die wurde so geschildert, dass man die halbe Welt gesehen hätte, wenn man mal Esfahan gesehen habe.

Schön ist die Stadt aber in jedem Fall. Wenn Sie mal im Iran sind, sollten Sie dort in jedem Fall einen Zwischenstopp einlegen. Hier hat sich vor allem Abbas der Große architektonisch ausgetobt und Geld hat vermutlich eher nicht so die Rolle gespielt. Zwar sieht das auch heute noch großartig aus, aber vor 400 Jahren muss das noch viel prächtiger gewesen sein.

Damals gingen von der Chahar Bagh, auf Deutsch "Vier Gärten" und die Hauptstraße, links und rechts große Gärten und Herrschaftshäuser ab, die Straße runter gab es Springbrunnen und in den Bäumen Lampignons. Heute ist das etwas anders: Das Wasser und die Lampignons sind weg, nur noch ein paar der Gärten, Leuchtreklame dagegen und zuviel Autos da.


yet another iphone-fuck-foto. hätte ich nur das, ich würde nie wieder Fotos machen, never ever knips.
Es bleibt aber trotzdem genug Pracht übrig. Zum Beispiel die Si-o-se-Pol, die Brücke über den Zayandeh, der zumindest theoretisch ganzjährig Wasser führen würde, wenn er nicht zurückgestaut würde. Den Esfahanis gefällt das überhaupt nicht, weil so ein Fluss kühlend wirken kann. Und wenn Sie wissen möchten, was "Si-o-se-Pol" heißt, dann zählen Sie einfach die Arkaden der unteren Reihe.

Und dann sagte Mo irgendwann mal, dass wir grade völlig auffallen und er hatte Recht, weil wir beide die einzigen waren, die in der Sonne liefen, während die Iraner ausnahmslos den Schatten nutzten.

Es gibt da ja so ein paar Dinge, die unseraller den alten Persern verdanken. Die Römer waren lange nicht und die Griechen nie in der Lage, eine Kuppel auf ein rechteckiges Gebäude zu setzen. Dazu braucht es eine Trompe und die haben die Perser erfunden. Das allererste Foto ganz oben zeigt so eine Trompe.

Oder Speiseeis. Auch die Iraner, nicht die Italiener. Sagen die Iraner. Wenn ich Ihnen nun aber erzähle, dass die Iraner Karotten als Obst behandeln und daraus Eis machen und das sogar noch schmeckt (das wollte Mo nicht versuchen, da ist er ziemlich deutsch geprägt), halten Sie mich sicher für nicht mehr ganz dicht. Aber ich konnte sogar der klassischen iranischen Eisvariante was abgewinnen und die geht so: Safraneis plus gekochte und dann tiefgefrorene Reisnudeln aus China.

...was Sie grade gesehen haben waren übrigens Gewürze. Was Sie nun sehen auch.

Und noch mehr Gewürz. Das Zeug da unten, links oben, weiß wie schwarz, das wie Nüsse aussieht ist...? Jawohl, richtig geraten! Das sind wirklich getrocknete Limonen.

Zeit, um mal über Plätze zu reden. Es gibt grandiose Plätze. Zum Beispiel in Italien. Italiener konnten mal grandios schöne Plätze bauen. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass auch Iraner grandios schöne Plätze brauen konnten. Also: Auch Iraner haben sensationelle Plätze gebaut und der schönste und größte ist der Nagsh-e Jahan. Alleine die Dimensionen sind riesig. So riesig, dass der Platz als der zweitgrößte Platz weltweit gilt und nachdem ich den allergrößten -Tian An Men-Platz - gesehen habe, würde ich auch sagen, dass er der schönste der großen Plätze ist.

Eigentlich ist es ein großer Garten und Gärten können die Iraner. Schon immer. Das Wort "Paradies" stammt von den alten Persern und meinte die Gärten der Herrscher. Abends kommen die Iraner in die Parks und auf die Plätze, um hier zu picknicken, zu zelten zu essen oder sich mit anderen zu treffen.

Iraner lieben es, Gärten anzulegen und sie legen dabei immer viele Bäume und Wasserquellen an. Ganz einfach deshalb, weil beides kühlende Elemente sind.


Der Nagsh-e Jahan ist komplett symetrisch angelegt und dennoch ein mathematisches Rätsel, aber darauf kommen wir später. Rund um die Arkaden verläuft der riesige Basar, der noch viel weiter geht und dessen Gassen schier unendlich wirken. Man kann sich da verirren.


Rund um den Platz gibt es drei signifikante Gebäude. Zwei Mal Moschee, ein Mal Palast. Da gäbe es mal den Ali Qapo-Palast, die "Hohe Pforte" und damit der frühere Sitz des Schah, dann die Lotfollah-Moschee und dann noch die Masjed-e Shah, die heute Masjed-e Emam heißt und nun haben Sie auch ein Beispiel dafür, wie die Mullahs Dinge umbenennen: Masjed-e Shah ist die Königsmoschee, Masjed-e Emam ist die Moschee des Imam und das meint in aller Regel Khomeini, und das wiederum, aber okay, das Wort "Arschloch" kriegen Sie auch alleine buchstabiert.

Wir brauchen jetzt mal einen kleinen Zwischeneinschub mit etwas leichterem, ehe Sie das Interesse an iranischer Kultur verlieren. Interessant wird es, wenn Sie sich mit Iranern mal ein klein wenig privater unterhalten. Die fragen wirklich so Sachen wie "was macht ihr eigentlich so in eurer Freizeit?" und meinen das wirklich ernst. Ich würde ja dann gerne zurückfragen, was um Himmels Willen sie so in der Freizeit machen, so angesichts des sehr dürftigen Angebots. So richtig staunende Gesichter kriegen Sie übrigens, wenn Sie auf Nachfrage bestätigen, dass sich im Westen tatsächlich Menschen nach dem Tod verbrennen lassen. Da haben Sie dann 5 kopfschüttelnde Iraner vor sich, die nur noch "t-t-t" sagen, weil sie es nicht fassen können. Können sie sich nicht vorstellen und liegt völlig fernab ihrer Welt.

So. Nun mal zurück zum Nagsh-e Jahan und der Lotfollah-Moschee und der Mathematik auf dem Platz. Da gibt es ein großes Rätsel, die Lotfollah-Moschee nämlich. Die Lotfollah-Moschee widerspricht allen Regeln, die sonst so eine Moschee hat: Sie hat keinen Innenhof, kein Minarett, sie hat keine Waschgelegenheit, alle Wege sind ziemlich eng und besonders signifikant und rätselhaft ist: Ihre Kuppel sitzt nicht in der Mitte. Das führt zu seltsamen Wegen wie man überhaupt in die Moschee kommt: Wenn Sie reinkommen, müssen Sie durch einen schmalen Gang, dann nach rechts, wieder nach rechts und erst dann stehen Sie in der Moschee.

Und spätestens jetzt kommt die entscheidende Frage: Ist es ein Zufall, dass man die Kuppel dieser Moschee asymetrisch zum Rest anbringt, wenn man einen völlig symetrischen Platz konstruiert? Nein, ist es meiner Ansicht nach nicht. Zufälle gibt es da nicht, zumal ein symetrischer Bau sehr wohl machbar gewesen wäre.
Es gibt verschiedene Theorien: Geheimgänge vom gegenüberliegenden Ali Qapo, Bauschwierigkeiten, Statik undsoweiter, aber einigermaßen plausibel für mich ist der Goldene Schnitt, darauf würde nämlich die Versetzung der Kuppel perfekt passen.


Und dann gibt es diese Orte, an die Sie nur gelangen, wenn Sie mit einem Muttersprachler unterwegs sind, weil Sie sonst nie auf die Idee kämen, im Basar einfach mal rechts in eine vollgestellte Garage abzubiegen, durch allerhand Trödel zu irren, danach dann links und dann stehen Sie auf einmal in einer völlig abgefahrenen Wasserpfeifenpinte, aber schauense sich das doch einfach mal selbst an:

Wir hätten dann noch eine sehr iranische Sehenswürdigkeit zu bieten. Wackelnde Minarette zum Beispiel. Da gibt es nämlich eine Moschee und die hat die für die Schia typischen zwei Minarette. Stündlich marschiert dann einer auf eins der Minarette und rüttelt mächtig, was den Effekt hat, dass sowohl das eine wie auch das andere Minarett ziemlich wackelt. Finden die lustig.

Wenn Sie nun glauben, das endete nun, sage ich Ihnen, dass es nun doch noch weitergeht mit der näxxten Moschee. Ich weiß, es wird nun grenzwertig, eben noch ne Moschee. Aber das können Sie vielleicht doch noch. Ein bißchen geht eventuell noch. Nur noch ein wenig Geduld und ich lasse Sie wirklich in Frieden.

Sehense? Schon fertig.

Schön ist die Stadt aber in jedem Fall. Wenn Sie mal im Iran sind, sollten Sie dort in jedem Fall einen Zwischenstopp einlegen. Hier hat sich vor allem Abbas der Große architektonisch ausgetobt und Geld hat vermutlich eher nicht so die Rolle gespielt. Zwar sieht das auch heute noch großartig aus, aber vor 400 Jahren muss das noch viel prächtiger gewesen sein.

Damals gingen von der Chahar Bagh, auf Deutsch "Vier Gärten" und die Hauptstraße, links und rechts große Gärten und Herrschaftshäuser ab, die Straße runter gab es Springbrunnen und in den Bäumen Lampignons. Heute ist das etwas anders: Das Wasser und die Lampignons sind weg, nur noch ein paar der Gärten, Leuchtreklame dagegen und zuviel Autos da.


yet another iphone-fuck-foto. hätte ich nur das, ich würde nie wieder Fotos machen, never ever knips.
Es bleibt aber trotzdem genug Pracht übrig. Zum Beispiel die Si-o-se-Pol, die Brücke über den Zayandeh, der zumindest theoretisch ganzjährig Wasser führen würde, wenn er nicht zurückgestaut würde. Den Esfahanis gefällt das überhaupt nicht, weil so ein Fluss kühlend wirken kann. Und wenn Sie wissen möchten, was "Si-o-se-Pol" heißt, dann zählen Sie einfach die Arkaden der unteren Reihe.

Und dann sagte Mo irgendwann mal, dass wir grade völlig auffallen und er hatte Recht, weil wir beide die einzigen waren, die in der Sonne liefen, während die Iraner ausnahmslos den Schatten nutzten.

Es gibt da ja so ein paar Dinge, die unseraller den alten Persern verdanken. Die Römer waren lange nicht und die Griechen nie in der Lage, eine Kuppel auf ein rechteckiges Gebäude zu setzen. Dazu braucht es eine Trompe und die haben die Perser erfunden. Das allererste Foto ganz oben zeigt so eine Trompe.

Oder Speiseeis. Auch die Iraner, nicht die Italiener. Sagen die Iraner. Wenn ich Ihnen nun aber erzähle, dass die Iraner Karotten als Obst behandeln und daraus Eis machen und das sogar noch schmeckt (das wollte Mo nicht versuchen, da ist er ziemlich deutsch geprägt), halten Sie mich sicher für nicht mehr ganz dicht. Aber ich konnte sogar der klassischen iranischen Eisvariante was abgewinnen und die geht so: Safraneis plus gekochte und dann tiefgefrorene Reisnudeln aus China.

...was Sie grade gesehen haben waren übrigens Gewürze. Was Sie nun sehen auch.

Und noch mehr Gewürz. Das Zeug da unten, links oben, weiß wie schwarz, das wie Nüsse aussieht ist...? Jawohl, richtig geraten! Das sind wirklich getrocknete Limonen.

Zeit, um mal über Plätze zu reden. Es gibt grandiose Plätze. Zum Beispiel in Italien. Italiener konnten mal grandios schöne Plätze bauen. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass auch Iraner grandios schöne Plätze brauen konnten. Also: Auch Iraner haben sensationelle Plätze gebaut und der schönste und größte ist der Nagsh-e Jahan. Alleine die Dimensionen sind riesig. So riesig, dass der Platz als der zweitgrößte Platz weltweit gilt und nachdem ich den allergrößten -Tian An Men-Platz - gesehen habe, würde ich auch sagen, dass er der schönste der großen Plätze ist.

Eigentlich ist es ein großer Garten und Gärten können die Iraner. Schon immer. Das Wort "Paradies" stammt von den alten Persern und meinte die Gärten der Herrscher. Abends kommen die Iraner in die Parks und auf die Plätze, um hier zu picknicken, zu zelten zu essen oder sich mit anderen zu treffen.

Iraner lieben es, Gärten anzulegen und sie legen dabei immer viele Bäume und Wasserquellen an. Ganz einfach deshalb, weil beides kühlende Elemente sind.


Der Nagsh-e Jahan ist komplett symetrisch angelegt und dennoch ein mathematisches Rätsel, aber darauf kommen wir später. Rund um die Arkaden verläuft der riesige Basar, der noch viel weiter geht und dessen Gassen schier unendlich wirken. Man kann sich da verirren.


Rund um den Platz gibt es drei signifikante Gebäude. Zwei Mal Moschee, ein Mal Palast. Da gäbe es mal den Ali Qapo-Palast, die "Hohe Pforte" und damit der frühere Sitz des Schah, dann die Lotfollah-Moschee und dann noch die Masjed-e Shah, die heute Masjed-e Emam heißt und nun haben Sie auch ein Beispiel dafür, wie die Mullahs Dinge umbenennen: Masjed-e Shah ist die Königsmoschee, Masjed-e Emam ist die Moschee des Imam und das meint in aller Regel Khomeini, und das wiederum, aber okay, das Wort "Arschloch" kriegen Sie auch alleine buchstabiert.

Wir brauchen jetzt mal einen kleinen Zwischeneinschub mit etwas leichterem, ehe Sie das Interesse an iranischer Kultur verlieren. Interessant wird es, wenn Sie sich mit Iranern mal ein klein wenig privater unterhalten. Die fragen wirklich so Sachen wie "was macht ihr eigentlich so in eurer Freizeit?" und meinen das wirklich ernst. Ich würde ja dann gerne zurückfragen, was um Himmels Willen sie so in der Freizeit machen, so angesichts des sehr dürftigen Angebots. So richtig staunende Gesichter kriegen Sie übrigens, wenn Sie auf Nachfrage bestätigen, dass sich im Westen tatsächlich Menschen nach dem Tod verbrennen lassen. Da haben Sie dann 5 kopfschüttelnde Iraner vor sich, die nur noch "t-t-t" sagen, weil sie es nicht fassen können. Können sie sich nicht vorstellen und liegt völlig fernab ihrer Welt.

So. Nun mal zurück zum Nagsh-e Jahan und der Lotfollah-Moschee und der Mathematik auf dem Platz. Da gibt es ein großes Rätsel, die Lotfollah-Moschee nämlich. Die Lotfollah-Moschee widerspricht allen Regeln, die sonst so eine Moschee hat: Sie hat keinen Innenhof, kein Minarett, sie hat keine Waschgelegenheit, alle Wege sind ziemlich eng und besonders signifikant und rätselhaft ist: Ihre Kuppel sitzt nicht in der Mitte. Das führt zu seltsamen Wegen wie man überhaupt in die Moschee kommt: Wenn Sie reinkommen, müssen Sie durch einen schmalen Gang, dann nach rechts, wieder nach rechts und erst dann stehen Sie in der Moschee.

Und spätestens jetzt kommt die entscheidende Frage: Ist es ein Zufall, dass man die Kuppel dieser Moschee asymetrisch zum Rest anbringt, wenn man einen völlig symetrischen Platz konstruiert? Nein, ist es meiner Ansicht nach nicht. Zufälle gibt es da nicht, zumal ein symetrischer Bau sehr wohl machbar gewesen wäre.
Es gibt verschiedene Theorien: Geheimgänge vom gegenüberliegenden Ali Qapo, Bauschwierigkeiten, Statik undsoweiter, aber einigermaßen plausibel für mich ist der Goldene Schnitt, darauf würde nämlich die Versetzung der Kuppel perfekt passen.


Und dann gibt es diese Orte, an die Sie nur gelangen, wenn Sie mit einem Muttersprachler unterwegs sind, weil Sie sonst nie auf die Idee kämen, im Basar einfach mal rechts in eine vollgestellte Garage abzubiegen, durch allerhand Trödel zu irren, danach dann links und dann stehen Sie auf einmal in einer völlig abgefahrenen Wasserpfeifenpinte, aber schauense sich das doch einfach mal selbst an:

Wir hätten dann noch eine sehr iranische Sehenswürdigkeit zu bieten. Wackelnde Minarette zum Beispiel. Da gibt es nämlich eine Moschee und die hat die für die Schia typischen zwei Minarette. Stündlich marschiert dann einer auf eins der Minarette und rüttelt mächtig, was den Effekt hat, dass sowohl das eine wie auch das andere Minarett ziemlich wackelt. Finden die lustig.

Wenn Sie nun glauben, das endete nun, sage ich Ihnen, dass es nun doch noch weitergeht mit der näxxten Moschee. Ich weiß, es wird nun grenzwertig, eben noch ne Moschee. Aber das können Sie vielleicht doch noch. Ein bißchen geht eventuell noch. Nur noch ein wenig Geduld und ich lasse Sie wirklich in Frieden.

Sehense? Schon fertig.
Mittwoch, 26. September 2012
Zwischendurch: Tunes of the day
gorillaschnitzel, 01:46h
Ich geb's ehrlich zu: Ich wollte heute eigentlich das näxxte Irankapitel bringen, aber ich hänge da noch etwas hinterher, weil das jetzt doch ein klein wenig umfangreicher werden wird. Hörense doch solange mal ein bißchen Musik, die ich grade selbst höre, während ich ein bißchen was runterrotze.
Habe ich Ihnen eigentlich schon mal erzählt, dass ich ein grandioses Rechtschreibproblem habe? Nee? Nicht? Lachense nicht, aber ich habe wirklich ein richtig großes Rechtschreibproblem. Und zwar mit dem Verb "hören" und wirklich nur mit dem. Mit allen anderen Worten eher nicht. Okay, da gibt es die neue Rechtschreibung und da kommt es mal vor, dass ich mit Groß-/Kleinschreibung oder Interpunktion ein wenig hadere und grade bei der Bloggerei liebe ich es, neue Worte zu kreieren oder sonstwie sprachkreativ zu sein, zu Schachtelsätzen neige ich ohnehin, aber dieses blöde eine Wort, und wirklich nur dieses blöde eine Wort, kriege ich nicht in meinen Schädel. Bei "hören" tendiere ich immer dazu, das mit h schreiben zu wollen.
Habe ich Ihnen eigentlich schon mal erzählt, dass ich ein grandioses Rechtschreibproblem habe? Nee? Nicht? Lachense nicht, aber ich habe wirklich ein richtig großes Rechtschreibproblem. Und zwar mit dem Verb "hören" und wirklich nur mit dem. Mit allen anderen Worten eher nicht. Okay, da gibt es die neue Rechtschreibung und da kommt es mal vor, dass ich mit Groß-/Kleinschreibung oder Interpunktion ein wenig hadere und grade bei der Bloggerei liebe ich es, neue Worte zu kreieren oder sonstwie sprachkreativ zu sein, zu Schachtelsätzen neige ich ohnehin, aber dieses blöde eine Wort, und wirklich nur dieses blöde eine Wort, kriege ich nicht in meinen Schädel. Bei "hören" tendiere ich immer dazu, das mit h schreiben zu wollen.
Sonntag, 23. September 2012
Yazd
gorillaschnitzel, 00:44h
So. Wir fahren jetzt mal nach Yazd. Wir können das auch gerne mal gemeinsam machen, dann sehen Sie auch, was für eine überaus entspannte Zugfahrt das war. Die ging nämlich 6 Stunden und startete für unsere Verhältnisse viel zu früh. Mo und ich hatten uns einen Tagesablauf zugelegt, der irgendwie nicht so recht mit iranischen Zugplänen korrespondierte: Nachmittags ein Schläfchen, weil es ohnehin viel zu heiß und smogig ist und dann abends raus bis nachts um 2. Wenn so ein Zug dann um halb 6 morgens geht und verlangt wird, eine Stunde vorher am Bahnhof zu sein, dann leidet der Schlaf selbst wenn es ein Nachmittagsnickerchen gibt.

Aber zurück zu unser aller gemeinsamen Zugfahrt: Die war deshalb so entspannend, weil man sich getrost weglegen konnte und Schlaf nachholen, weil man ohnehin nichts verpasst. So etwa 5einhalb von 6 Stunden fahren Sie nämlich an der Dasht-e Kavir entlang, eine der beiden großen Wüsten des Iran und das ist dann doch eher, naja, eintönig. Aber sehen Sie doch selbst und glauben Sie bitte nicht, dass am Ende doch noch ein Gag kommt.
Yazd selbst liegt auch in der Wüste und das merken Sie spätestens dann, wenn Sie den Zug verlassen, weil es noch ein bißchen heißer und noch trockener ist, als Sie das bislang kannten. Was Sie als zweites merken ist, dass der "Man-fällt-nicht-weiter-auf"-Nimbus futsch ist und man sowohl mich als auch Mo umgehend als Touristen erkennt. Die Klamotten, die diese Yazdis tragen, die gibt es bei uns gar nicht zu kaufen.

Dann fällt auf, dass die Tschador-Quote exorbitant angestiegen ist. Von Teheran mit geschätzt 5% bis Yazd mit geschätzt 95%. Will heißen: Eine deutlich konservativere Stadt. Heißt auch: Diejenigen, die eine Satellitenschüssel auf das Dach gestellt haben und damit Zugang zu BBC Farsi haben, ist enorm gesunken und spätestens jetzt wären wir bei iranischen Medien. Die nämlich zeigen entweder arabische Mullahgesänge (sehr zum Missfallen sehr vieler Iraner: Wenn schon Rotz, dann auf Farsi, damit man es versteht) oder Propaganda. Man kann das schon nicht mal mehr Desinformation nennen, das ist Nichtinformation.

Entsprechend "informierte" Menschen lernen Sie dann kennen. Da gibt es allen Ernstes Leute, denen nicht auszureden ist, dass bei der Geburt des Propheten Mohammed das Schwarze Meer bis Yazd gegangen sein soll, ganz egal, dass da zwei riesige Gebirge dazwischen stehen und eine riesige Entfernung noch dazu. Oder der Typ, der eigentlich eher die Upperclass repräsentierte und nicht ganz blöde oder realitätsfremd war, aber trotzdem steif und fest behauptete, Drogensuchhunde seien selbst süchtig gespritzt worden, sonst würden sie doch nix finden.

Yazd ist aber auch so eine Art Hauptstadt der Zoroastrier. Zahrathustra. Kennen Sie sicher. Nietzsche und so. Oder Strauss. Hier lebt eine verhältnismäßig große Gemeinde und hat hier ihre Feuertempel. Eins der Feuer brennt angeblich ununterbrochen schon seit 2500 Jahren. Heißt es.

Eine sehr iranische Religion. Der Zoroastrismus ist eigentlich ganz sympathisch und deshalb zeige ich Ihnen jetzt mal einen Faravahar.

Faravahars sind allgegenwärtig und ständig zu sehen. Ein Faravahar ist DAS Symbol des Zoroastrismus und symbolisiert den Glauben überhaupt: Kein Anfang, kein Ende, ein ewiger Kampf zwischen Gut und Böse, versuche aber gut zu denken, gut zu reden und gut zu handeln. Damit könnte ich mich wirklich anfreunden.

Viele Iraner flüchten wieder in Richtung Zahrathustra. Am Anfang hielt ich es ja für Folklore, aber dann haben mich viel zu viele drauf angesprochen, gab es zu viele Anhänger um den Hals, Autoaufkleber und Tattoos. Sie meinen es ernst. Sie sagen, dass die Mullahs korrupt sind und haben damit recht. Sie sagen dann, dass den Islam die Araber gebracht haben und haben auch damit recht. Und ich würde nun behaupten wollen: Wenn dieses Mullahregime stürzen sollte -und das wird es über kurz oder eher lang-, dann werden die Iraner ziemlich nationalistisch werden. Patrioten sind sie alle ohnehin.

Neben den Feuertempeln gibt es dann noch alte Begräbnisstätten. Die Zoroastrier bestatten ihre Toten nicht in der Erde (würde die Erde verunreinigen) und verbrennen sie auch nicht (würde die Luft verunreinigen), stattdessen wurde in den "Türmen der Stille" auf dem Berg bestattet und die Überreste den Geiern überlassen. Heute haben sie Betongräber.

Türen wie diese sehen Sie immer wieder im gesamten Iran. Zweierlei Türklopfer. Zweierlei Sounds. Links klopfen Männer, rechts klopfen Frauen. Der Sinn bestand (und besteht) darin, dass die drinnen wissen, welches Geschlecht draußen steht. Je nachdem muss man sich das Kopftuch überziehen oder auch nicht.
Nun zeige ich Ihnen noch schnell einen Badgir.

Sieht etwas seltsam aus, Yazd ist aber voll mit den Dingern. Zwar gibt es das auch andernorts, aber die Yazdis haben es in dieser Disziplin zur Perfektion gebracht. Vermutlich aus einem simplen Grund: Es ist dort schweineheiß. Die Dinger dienen nämlich als Klimaanlage. Oben wird Wind eingefangen und nach unten geleitet. Funktioniert übrigens bestens: Wenn Sie sich drunter stellen, spüren Sie tatsächlich einen kühlen Luftzug. Zumindest solange es etwas windet.

Sehr lustig sind übrigens auch Begegnungen mit Kindern. Sobald die nämlich den Farangi (Ausländer) erblicken, wollen sie ganz cool sein und begrüßen einen dann immer mit "Hi". Sie sollten dann per "Salam" zurückgrüßen, die freuen sich wirklich.

Selbstnatürlich habe ich auch noch ein bißchen verfassungsfeindliche Symbolik mitgebracht. Direkt aus der Moschee. Hakenkreuz plus zwei Mal "Es"....

Etwas sehr iranisches sind auch die Zurkhaneh-ha. "Zur" heißt Kraft, "Khaneh" bedeutet Haus und damit ist auch schon ziemlich klar, was drinnen stattfindet: So eine Art Kraftsport. Wenn man sich das mal etwas länger anschaut, sieht man, wie trainiert die sind, auch wenn sie nicht immer danach aussehen.

Zum Schluss hätte ich noch eine Henna-Mühle für Sie. Da fand ich einfach die Lichtverhältnisse toll.


Aber zurück zu unser aller gemeinsamen Zugfahrt: Die war deshalb so entspannend, weil man sich getrost weglegen konnte und Schlaf nachholen, weil man ohnehin nichts verpasst. So etwa 5einhalb von 6 Stunden fahren Sie nämlich an der Dasht-e Kavir entlang, eine der beiden großen Wüsten des Iran und das ist dann doch eher, naja, eintönig. Aber sehen Sie doch selbst und glauben Sie bitte nicht, dass am Ende doch noch ein Gag kommt.
Yazd selbst liegt auch in der Wüste und das merken Sie spätestens dann, wenn Sie den Zug verlassen, weil es noch ein bißchen heißer und noch trockener ist, als Sie das bislang kannten. Was Sie als zweites merken ist, dass der "Man-fällt-nicht-weiter-auf"-Nimbus futsch ist und man sowohl mich als auch Mo umgehend als Touristen erkennt. Die Klamotten, die diese Yazdis tragen, die gibt es bei uns gar nicht zu kaufen.

Dann fällt auf, dass die Tschador-Quote exorbitant angestiegen ist. Von Teheran mit geschätzt 5% bis Yazd mit geschätzt 95%. Will heißen: Eine deutlich konservativere Stadt. Heißt auch: Diejenigen, die eine Satellitenschüssel auf das Dach gestellt haben und damit Zugang zu BBC Farsi haben, ist enorm gesunken und spätestens jetzt wären wir bei iranischen Medien. Die nämlich zeigen entweder arabische Mullahgesänge (sehr zum Missfallen sehr vieler Iraner: Wenn schon Rotz, dann auf Farsi, damit man es versteht) oder Propaganda. Man kann das schon nicht mal mehr Desinformation nennen, das ist Nichtinformation.

Entsprechend "informierte" Menschen lernen Sie dann kennen. Da gibt es allen Ernstes Leute, denen nicht auszureden ist, dass bei der Geburt des Propheten Mohammed das Schwarze Meer bis Yazd gegangen sein soll, ganz egal, dass da zwei riesige Gebirge dazwischen stehen und eine riesige Entfernung noch dazu. Oder der Typ, der eigentlich eher die Upperclass repräsentierte und nicht ganz blöde oder realitätsfremd war, aber trotzdem steif und fest behauptete, Drogensuchhunde seien selbst süchtig gespritzt worden, sonst würden sie doch nix finden.

Yazd ist aber auch so eine Art Hauptstadt der Zoroastrier. Zahrathustra. Kennen Sie sicher. Nietzsche und so. Oder Strauss. Hier lebt eine verhältnismäßig große Gemeinde und hat hier ihre Feuertempel. Eins der Feuer brennt angeblich ununterbrochen schon seit 2500 Jahren. Heißt es.

Eine sehr iranische Religion. Der Zoroastrismus ist eigentlich ganz sympathisch und deshalb zeige ich Ihnen jetzt mal einen Faravahar.

Faravahars sind allgegenwärtig und ständig zu sehen. Ein Faravahar ist DAS Symbol des Zoroastrismus und symbolisiert den Glauben überhaupt: Kein Anfang, kein Ende, ein ewiger Kampf zwischen Gut und Böse, versuche aber gut zu denken, gut zu reden und gut zu handeln. Damit könnte ich mich wirklich anfreunden.

Viele Iraner flüchten wieder in Richtung Zahrathustra. Am Anfang hielt ich es ja für Folklore, aber dann haben mich viel zu viele drauf angesprochen, gab es zu viele Anhänger um den Hals, Autoaufkleber und Tattoos. Sie meinen es ernst. Sie sagen, dass die Mullahs korrupt sind und haben damit recht. Sie sagen dann, dass den Islam die Araber gebracht haben und haben auch damit recht. Und ich würde nun behaupten wollen: Wenn dieses Mullahregime stürzen sollte -und das wird es über kurz oder eher lang-, dann werden die Iraner ziemlich nationalistisch werden. Patrioten sind sie alle ohnehin.

Neben den Feuertempeln gibt es dann noch alte Begräbnisstätten. Die Zoroastrier bestatten ihre Toten nicht in der Erde (würde die Erde verunreinigen) und verbrennen sie auch nicht (würde die Luft verunreinigen), stattdessen wurde in den "Türmen der Stille" auf dem Berg bestattet und die Überreste den Geiern überlassen. Heute haben sie Betongräber.

Türen wie diese sehen Sie immer wieder im gesamten Iran. Zweierlei Türklopfer. Zweierlei Sounds. Links klopfen Männer, rechts klopfen Frauen. Der Sinn bestand (und besteht) darin, dass die drinnen wissen, welches Geschlecht draußen steht. Je nachdem muss man sich das Kopftuch überziehen oder auch nicht.
Nun zeige ich Ihnen noch schnell einen Badgir.

Sieht etwas seltsam aus, Yazd ist aber voll mit den Dingern. Zwar gibt es das auch andernorts, aber die Yazdis haben es in dieser Disziplin zur Perfektion gebracht. Vermutlich aus einem simplen Grund: Es ist dort schweineheiß. Die Dinger dienen nämlich als Klimaanlage. Oben wird Wind eingefangen und nach unten geleitet. Funktioniert übrigens bestens: Wenn Sie sich drunter stellen, spüren Sie tatsächlich einen kühlen Luftzug. Zumindest solange es etwas windet.

Sehr lustig sind übrigens auch Begegnungen mit Kindern. Sobald die nämlich den Farangi (Ausländer) erblicken, wollen sie ganz cool sein und begrüßen einen dann immer mit "Hi". Sie sollten dann per "Salam" zurückgrüßen, die freuen sich wirklich.

Selbstnatürlich habe ich auch noch ein bißchen verfassungsfeindliche Symbolik mitgebracht. Direkt aus der Moschee. Hakenkreuz plus zwei Mal "Es"....

Etwas sehr iranisches sind auch die Zurkhaneh-ha. "Zur" heißt Kraft, "Khaneh" bedeutet Haus und damit ist auch schon ziemlich klar, was drinnen stattfindet: So eine Art Kraftsport. Wenn man sich das mal etwas länger anschaut, sieht man, wie trainiert die sind, auch wenn sie nicht immer danach aussehen.

Zum Schluss hätte ich noch eine Henna-Mühle für Sie. Da fand ich einfach die Lichtverhältnisse toll.

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