Samstag, 25. August 2012
20
Fast auf den Tag genau vor 20 Jahren habe ich zum ersten Mal meinen Rucksack gepackt. Es war derselbe Rucksack, mit dem ich heute noch verreise und es war schon damals einigermaßen klar, dass das irgendwie auch Teil des Lebensentwurfs sein würde.

Damals ging es nach New York und in den Westen der USA. Am Times Square zeigten sie damals riesig groß Szenen aus einem Bürgerkriegsland, was sich dann aber als Rostock-Lichtenhagen entpuppte und ich zum ersten Mal in meinem Leben mich dann fremderklären musste, was meine Landsleute gerade so machen.

Etwas später habe ich schnell gelernt, was so ein Rucksackreisender erlebt, als der Mitreisende wegen eines Verkehrsvergehens mal kurz verhaftet wurde und ich mit einer fetten Hawaiianerpolizistin über dessen Freilassung verhandelt habe. Seitdem hab ich sowas wie einen lebenslangen Platzverweis für Monterey County, California. Aber hey, registriert haben die zumindest mich damals nicht und ich war seither schon noch mal dort und niemand hat es bemerkt. Aber immerhin wurden wir damals per Polizeibegleitung aus dem County eskortiert.

Seit dem sind ja wirklich 20 Jahre vergangen und ich habe mittlerweile ein paar Länder und Regionen bereist. Seither habe ich mehrere Arztbesuche in mehreren Ländern hinter mir (ich werd nur im Ausland krank, aber nie mit tourismustypischen Malaisen), ein Haftbefehl auf mich wurde ausgestellt (Falschparken), habe zig Korruptionsscheiß ("I tell you my friend, it is better..."), einen Militärputsch und dessen Folgen life und leibhaftig miterlebt (Fidschi) und auch sonst ein kleines bißchen Dinge erlebt, die nicht so ganz mainstream hierzulande sind, fragense mich nur mal nach diversen Entsorgungsmöglichkeiten menschlicher Exkremente oder wie man eine Verstopfung mal nebenher amateurhaft super beheben kann (ein halber Kolben Gastrosil und viel Ananas).

Von daher schließt sich jetzt irgendwie ein Kreis und der Rucksack ist wieder gepackt, das Visum klebt auch schon im Pass und zum ersten Mal überhaupt habe ich mich sogar in die Deutschenliste des Auswärtigen Amts eingetragen, eventuell wäre es sinnvoller gewesen, die aktuellen Meldungen etwas weniger intensiv zu verfolgen. Kleines Abenteuer. Brauch ich immer noch...

Ich bin dann mal da, wo ich schon sehr lange mal hin wollte.

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Dienstag, 14. August 2012
41,37...
...war ziemlich lange eine ziemlich bedeutsame und ziemlich unbewegliche Zahl. 41,37 war für beinahe 27 Jahre der unerreichte Weltrekord in der Frauen-Staffel über 4x100 Meter. Erreicht hatte den 1985 die DDR-Staffel, mutmaßlich ziemlich sicher dank des Staatsplanthemas 14.25, was im DDR-Jargon wiederum bedeutet, dass man Sportler bis an den Rand der Gesundheitsschädigung mit allerlei Dreck vollpumpt und nicht selten auch darüber hinaus. Über ein Jahrzehnt hinweg brachen DDR-Staffeln so einen Weltrekord am anderen. Eigentlich nur DDR-Staffeln. Ausschließlich.

Daran brachen sich alle anderen die Zähne, Stollen und sonstwas aus: Ohne Erfolg. Man kam hin und wieder mal so grob in die Nähe des Rekords, aber nie so richtig. Seltene Versuche. Meistens fehlten grob 2 Zehntel oder mehr. Und immer war dabei mindestens eine Läuferin dabei, die nachweislich gedopt hat.

So war das bis vor einer Woche. Dann muss wirklich was passiert sein. Was, das weiß bisher keiner. Neue Spikes, neue Bahn, schnellere Läuferinnen, egal, man weiß es nicht. Aber auf einmal, fluppdiwupp, wurde dieser Dopingweltrekord von damals von vor 27 Jahren schlicht mal pulverisiert. Nicht wie damals eine grobe Annäherung oder eine zarte Verbesserung, nein, der Weltrekord wurde um eine satte halbe Sekunde verbessert.

Und Sie und ich dürfen uns nun unseren Teil denken.

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Sonntag, 12. August 2012
Weg. Da. Weg.


....und dann war ich ja mal weg. Ägypten. Zwecks Entspannung, stabil warmem heißem Wetter und den Nachbetrachtungen eines postrevolutionären Staats. Diese Despotensturzbewegungen gehören unterstützt in der Hoffnung, dass sie die neu gewonnenen Freiheiten hoffentlich einigermaßen passabel nutzen, wonach es bei den Ägyptern zumindest einigermaßen aussieht. Die Ägypter haben aber noch immer ein Problem und das hängt noch immer mit ihrer Revolution zusammen: Die Touristen bleiben noch immer weg. Sowas wie der Preis für die Freiheit.



Um ehrlich zu sein: Ich hab nicht viel gemacht. Mein kleines Abenteuer für dieses Jahr kommt erst noch in so grob zwei Wochen und dann kann man es auch mal belassen mit ein bißchen Bücher lesen und schnorcheln. Und einem kleinen, längeren Ausflug in die Wüste. Ich mag ja die Wüste. Die reduziert einen sehr. Wie ich damals in der Mongolei war, habe ich mich gefragt, was ich irgendwie komisch finde und habe wirklich etwas gebraucht, bis ich es wusste: Die Stille. Vollkommene, absolute Stille. So muss Taubheit sein. Kein Vogel, kein Wind, nichts, absolut nichts. Das kann wirklich entspannend sein und deshalb steht Wüste auch beim näxxten klitzekleinen Abenteuer auch auf dem Speisezettel.



Und dann war da noch Ramadan. Daran halten sich sehr viele, aber längst nicht alle. Ein Teil sind ohnehin Kopten und meistens sehr froh darüber, zumindest während des Ramadan. Ein gläubiger Ramadanfaster wollte mich von den Vorzügen des Fastens überzeugen. Argument 1 war, dass es unheimlich toll und voll befriedigend ist, wenn man stundenlang nix isst und dann wieder vorm Futter sitzt. Das war aber ziemlich schnell wieder vom Tisch, weil er sehr schnell verstanden hat, dass meine Rauschzustände nicht durch Askese zustande kommen sondern eher durch das Gegenteil.
Argument 2 war, dass die Hungerei aus Solidarität mit allen hungernden Menschen geschehe. Da fand er dann eher nicht nachvollziehbar, dass ich wiederum finde, es helfe nix, mit Hungernden mitzuhungern, deren Hunger nicht dadurch aufhöre, indem die Sonne unterginge und ich ohnehin der Meinung war, dass es sinnvoller sei, einem Hungernden stattdessen ein Essen zu kaufen.



Und dann werfen wir noch einen kleinen Blick auf die ägyptische Schönheitsindustrie. Die scheint in voller Blüte zu stehen, wie zahlreiche am Strand entsorgte Brustimplantate beweisen. Diese beweisen allerdings auch deren weitgehende Erfolglosigkeit sowie eine gewissenlose Politik der Klinikmüllentsorgung.

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Freitag, 10. August 2012
Super-Sisyphos

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Dienstag, 7. August 2012
Georg Baselitz: Mona Lisa




Freitag, 3. August 2012
Alles Liebe! Idad.


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Montag, 23. Juli 2012
Da draußen
wollen Diktatoren abgetreten werden, dieser Sommer ist der wärmste Winter aller Zeiten und ich habe Urlaub, den ich nicht verplempern will. Ich bin daher mal weg zum Nixtun, das Reiseabenteuer kommt dann etwas später.

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Donnerstag, 19. Juli 2012
Me and my family
Kennen Sie Verwandtschaftstreffen? Ich muss ehrlich gestehen, ich hab's damit nicht ganz so, weil meine Verwandtschaft diesen Zweigs erstens relativ groß ist, ich mit ungefähr 98% nie was zu schaffen hatte und der allergrößte Teil ohnehin in Gefilden siedelt, die ich nicht freiwillig betreten würde, weil ich sonst Gefahr laufen würde, eventuell Leuten über den Weg zu laufen, deren Karriereende ich vor noch nicht allzu langer Zeit so massiv wie erfolgreich betrieben habe.

Es gibt da ein paar halbwegs fanatische Jungs und Mädels, die jede genealogische Spur verfolgen und dank denen weiß ich, dass ich meinen Stammbaum bis 1695 zurückverfolgen könnte, wenn ich denn wollte und dass meine männlichen Vorfahren zu 90% Johann oder Gottlieb hießen und die weiblichen meistens Johanna, womit sichergestellt ist, dass es in meiner Familie eine ganz extrem ausgeprägte Ideenarmut hinsichtlich der Vergabe von Vornamen gab, was sich erst im20. Jahrhundert änderte.

Aber auch sonst bin ich nicht so wirklich scharf auf einige bigotte Großkotze, die in Wirklichkeit arme Würste sind -deutlich erkennbar an deren richtig schlechten Frisuren und den 80er-Oberlippenbärten- und sich deshalb mächtig aufplustern müssen.

Ich habe daher in den letzten 20 Jahren Zusammenkünfte dieser Art weiträumig gemieden, zumal diese ohnehin in drittklassigen Pinten stattfanden und ohnehin reichlich bieder waren. Irgendwie hörte sich das in den Erzählungen meiner Eltern immer so an, als sei das mächtig spießig, bei gleichzeitiger Gärung unter dem Potemkinschen Dorf.

Und in letzter Zeit scheint es da in einigen Zweigen wirklich ein paar unsportliche Szenen gegeben zu haben: Da wird schon mal am Tag nach einem Todesfall der Stiefmutter die Miete erhöht oder die Scheidung eingereicht, weil der Gatte mehr Zeit mit der Domina verbrachte als mit der Ehefrau.

Angesichts solcher beinahe monarchistischer Auswüxxe überlege ich tatsächlich meine Teilnahme am näxxten Meeting und würde mich gerne mit diesem Kerl unterhalten, der mittlerweile bestimmt so etwa Mitte 20 sein dürfte, von dem ich aber nicht mal weiß, wie er heißt oder wie er mit mir überhaupt verwandt ist. Egal, er hatte damals eine lustige Geste drauf:

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Dienstag, 17. Juli 2012
Service ist,
wenn ich am Montag eine Brille bestelle, mir der Mensch erklärt, dass es mindestens 4 Tage braucht, bis das Gestell aus Italien geliefert wird und das alles somit etwa eine Woche dauern wird und ich dann am Dienstag trotzdem eine SMS kriege, dass meine Brille nun fertig ist, weil der Mensch rumtelefoniert hat und eine Mitarbeiterin extra in eine andere Stadt zu einem anderen Betrieb gefahren ist, wo das Gestell vorrätig ist und ich dann noch die Reparatur einer anderen Brille umsonst drauf kriege. Ich mag Familienbetriebe.

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Mittwoch, 11. Juli 2012
Die große Leere
Haben Sie schon mal Parkplätze gezählt? Ich schon. Heute. Nicht weil ich sonderlich unter Zwangsstörungen leiden würde sondern einfach mal aus Interesse.

Vor der Arztpraxis in der sie mich befremdlicher- und bedenkenswerterweise neuerdings mit Namen ansprechen etwa gibt es satte 42 Parkplätze. Die teilt sich die Arztpraxis mit noch einer Arztpraxis, einem Reha-Zentrum, einer Anwaltskanzlei, einer Medienagentur und einem Tierfutterladen.

Wobei von "Teilen" da nicht wirklich die Rede sein kann. Von 42 Parkplätzen belegt die Tierfutterei immerhin satte 26. Schön markiert in grün und rot. Die zwei Arztpraxen, die Anwälte, die Medienheinis und das Reha-Zentrum haben die restlichen 16 zur Verfügung.

Sie ahnen es schon: 16 sind da nicht sonderlich viel. Noch blöder wird es, weil bei Unfallchirurgen und Reha-Zentren zwangsläufig hin und wieder mal die Möglichkeit besteht, dass gehtechnisch ein klein wenig eingeschränkte Menschen auftauchen könnten. Und schon haben wir unser Parkplatzchaos: Weil mangels ausreichender Parkplätze nämlich flugs die Tierfutterparkplätze zweckentfremdet wurden und auch von Leuten benutzt wurden, die außer Stubenfliegen und Staubmilben gar keine Haustiere haben.

Das fand die Tierfutterfront nicht ganz so lustig und pochte dann, koste es was es wolle und das im Wortsinne, auf ihr Recht. Auf ihre gekauften und ihr zustehenden Parkplätze. Und das setzen sie neuerdings auch rigoros um und die Drohung mit dem Abschleppservice ist wirklich keine leere. Mit der Folge, dass nun meist zwischen 24 und 26 Parkplätze unbenutzt bleiben.


PS: Die handschriftliche Anmerkung, so man die nicht so recht lesen kann: "deshalb werde ich nie dort einkaufen!!!"

   ... Fundstuecke
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