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Sonntag, 22. Februar 2009
Ein Nekropölchen
gorillaschnitzel, 02:59h
Viele dieser bedeutenden Friedhöfe haben ungeheure Dimensionen. Ich habe mir vor zig Jahren mal den Cemeterio Cristobal Colon in Havanna angeschaut und da kann man sich wirklich verirren. Oder auch 2 Tage verbringen. Ebenso Pére Lachaise. Es mag noch weit größere Nekropolen geben, aber dieser Gigantismus ist nicht ganz meins. Ich bin Teil dieser Fastfoodgeneration, die schnell und zackig informiert werden möchte und daher keine langen Wege zwischen den Gräbern brauchen kann. Von daher kommt mir dieser Friedhof genau richtig. Nun gut, die mangelnde Größe liegt wohl in erster Linie darin begründet, dass das Land klein und allein daher jeder Quadratmeter kostbar ist. Und es ist vielleicht auch darin ursächlich, dass man hier nie etwas zu vergeuden hatte, was letztlich auch für den Tod gilt.
Deshalb liegen alle sehr eng beieinander und suggerieren ein bißchen auch: Im Tode spätestens sind alle gleich. Oder vielleicht doch nicht immer ganz so sehr. Zwar dürfenmüssen die Weltkriegeinseinsopfer direkt neben den Opfern der Nazidiktatur liegen (während es kaum Gräber aus dem WKII gibt, was aber sehr wahrscheinlich daran liegt, dass die Mehrheit in Stalingrad krepiert und dort in die Erde verbracht wurde), aber Unterschiede gibt es dennoch, auch wenn es nur die Grabgröße ist.
Es nennt sich "Gräberfeld X" und war von je her denen vorbehalten, die von Staats umgebracht wurden. Ehedem -zu Zeiten der Todesstrafe- waren es Mörder und auf Gräberfeld X gab es trotz der Enge genug Platz, weil man irgendwann mal der Ansicht war, dass diese Hinrichtungen nicht ganz so statthaft sind und man sich aufs nötigste beschränken sollte. Dann kamen die Nazis und machten Gräberfeld X übervoll, allerdings nicht mehr mit Mördern. Über einen der auf den Grabplatten geschriebenen Namen weiß man auch ein klein wenig mehr als über die anderen: Theodor Kalymon, ukrainischer Zwangsarbeiter, wurde im Alter von 20 Jahren aufgrund einer verleumderischen Anzeige der keinerlei Verbrechen vorausging zur "Abschreckung" gehängt.
Nur ein paar Schritte weiter liegt Kurt Georg Kiesinger, der einmal Bundeskanzler dieser Republik war (und es dabei für bundesrepublikanische Verhältnisse zu einer eher kurzen Amtszeit brachte, die zudem durch die großen 68er-Umwälzungen gekennzeichnet war), dabei aber angesichts seiner Vorgeschichte als Nazi ein eher unglückliches Exemplar war und aufgrunddessen einmal von Beate Klarsfeld eine Ohrfeige gekriegt hat, sehr zurecht, wie ich im Nachhinein finde.
Wie eng das alles ist zeigt sich gleich schräg dahinter:
Da liegen zum einen Eberhard Wildermuth, ein liberaler Bundesminister und zum anderen Carlo Schmid, einer der Väter des Grundgesetztes und Sozialdemokrat. Politik aber war in dieser Stadt eher ein Abfallprodukt, wenngleich da auf wenigen Quadratmetern ein halbes Regierungsviertel liegt.
Ein Abfallprodukt des Geistes nämlich. Worauf sich diese Stadt etwas einbildet: Auf ihre Dichter und Denker, auf ihren Geist.
Auf Ludwig Uhland etwa.

Oder auf den Säulenheiligen schlechthin. Nun bitte mächtig Ehrfurcht, weil es nun ans Hölderlingrab geht. Hölderlin starb zwar ganz unheldenhaft einigermaßen alt und wurde seine halbe Lebenszeit als irre in einem Türmchen eingesperrt, aber diese Tragödie und seine literarischen Werke machen den Mann zu dem obersten Heroen schlechthin.
Wer übrigens ein oder zwei Daten Hölderlin betreffs kennt, wird sehr schnell erblicken, dass da auf dem Grabstein ein falsches Geburtsdatum steht. Bis heute .
Über alle Zeiten hinweg übrigens war das Hölderlingrab begehrt bei Grabräubern aller Art: Devotionalien- und Souvenirjäger, Vandalen undundund. Stand früher noch eine Statue drauf, ziert nun nur noch ein kleines Kreuz den Stein.
Dennoch: Hölderlins Grabsteinspruch ist einer der schönsten überhaupt, passend ohnegleich und stammt -Gottseidank- von Hölderlin selbst:Im heiligsten der Stürme falle
zusammen meine Kerkerwand,
und herrlicher und freie walle
mein Geist ins unbekannte Land

Fast in unmittelbarer Nachbarschaft darf Friedrich Silcher liegen, den ich ehrlich gesagt eher als rein sakralen Komponisten in Erinnerung hatte. "So nimm denn meine Hände" beispielsweise. Und ich wusste zwar, dass er hier liegt, aber nahm immer an, das sei eher zufällig. Mir war eher nicht bekannt, dass er aus der Gegend stammt.
Noch weniger bekannt war mir Halbbildungsbürger, dass "Ännchen von Tharau" von ihm stammt und Dinger wie das Uhland´sche "Der gute Kamerad" (aka "Ich hatt´ einen Kameraden") von ihm vertont wurden und wenigstens Marcel Reich-Ranicki sich mit der Aufnahme des ebenselben gegen die einseitige Vereinahme durch einschlägige Kreise gewehrt hat.
Aber vielleicht sollte man ihm -auch wenngleich nur "Tonmeister"- posthum zurufen: "Muss I denn zum Städtele hinaus" ist völlig falsch, es gibt in ganz Schwaben kein einziges "Städtele", allenfalls Städtle oder Städte, aber nie und nirgends "Städtele".
Und dann legte man Isolde Kurz, Schriftstellerin, Namengeberin von zig Straßen und Übersetzerin, nach ihrem Ableben neben ihre Mutter und niemand weiß so ganz genau, weshalb man Papa Hermann 50 Meter weiter im Einzelgrab unterbrachte. Vielleicht wollte man Papa ein wenig aus der Familie herausheben, vielleicht sollte der Rest auch einfach nur post mortem seine Ruhe haben, man weiß es nicht.
Nun liegt sie halt mal das und das passt auch heute ganz gut und das aus einem ganz bestimmten Grund:
Wenigstens bei Lisa Betz hat man sich etwas gedacht. Lisa Betz muss man nicht kennen, die war Haushälterin bei Isolde Kurz und das ziemlich lange. Sie war eigentlich mehr als das: Isolde Kurz nannte sie "mein zweites Ich" und das lag nicht nur daran, dass Lisa Betz irgendwann mal ihr Ohr wurde, weil Isolde irgendwann einmal schwerhörig wurde und die Haushälterin übersetzen musste.
Und wie dann erst Isolde Kurz starb und nur wenige Monate darauf ihre langjährige Haushälterin....hat man Lisa Betz fast direkt neben Isolde Kurz begraben und auf ihrem Grabstein ein Zitat von Isolde Kurz hinterlassen:
Die Liebe höret nimmer auf
die unsichtbaren Helfer haben
sie lebhaft neben mich gestellt
Hermann Kurz ist der Vater von Isolde Kurz.
Auch er ein Schreiberling und nun fragen Sie mich bitte nicht, weshalb der Hermann Kurz dieses weiße Häubchen auf seinem Grab hat. Es ist halt da. Einfach so. Irgendjemand hat es übergestülpt.
Mag es ein halbnackter Engel sein, der noch nicht mit den pietistischen Regularien hier kompatibel ist, mag es das jüngste Werk des örtlichen Graffitistars sein....ich weiß es auch nicht und drunter schauen macht man ja irgendwie auch nicht...hat irgendwie so etwas unerhörtes....
Deshalb liegen alle sehr eng beieinander und suggerieren ein bißchen auch: Im Tode spätestens sind alle gleich. Oder vielleicht doch nicht immer ganz so sehr. Zwar dürfenmüssen die Weltkriegeinseinsopfer direkt neben den Opfern der Nazidiktatur liegen (während es kaum Gräber aus dem WKII gibt, was aber sehr wahrscheinlich daran liegt, dass die Mehrheit in Stalingrad krepiert und dort in die Erde verbracht wurde), aber Unterschiede gibt es dennoch, auch wenn es nur die Grabgröße ist.
Es nennt sich "Gräberfeld X" und war von je her denen vorbehalten, die von Staats umgebracht wurden. Ehedem -zu Zeiten der Todesstrafe- waren es Mörder und auf Gräberfeld X gab es trotz der Enge genug Platz, weil man irgendwann mal der Ansicht war, dass diese Hinrichtungen nicht ganz so statthaft sind und man sich aufs nötigste beschränken sollte. Dann kamen die Nazis und machten Gräberfeld X übervoll, allerdings nicht mehr mit Mördern. Über einen der auf den Grabplatten geschriebenen Namen weiß man auch ein klein wenig mehr als über die anderen: Theodor Kalymon, ukrainischer Zwangsarbeiter, wurde im Alter von 20 Jahren aufgrund einer verleumderischen Anzeige der keinerlei Verbrechen vorausging zur "Abschreckung" gehängt.
Nur ein paar Schritte weiter liegt Kurt Georg Kiesinger, der einmal Bundeskanzler dieser Republik war (und es dabei für bundesrepublikanische Verhältnisse zu einer eher kurzen Amtszeit brachte, die zudem durch die großen 68er-Umwälzungen gekennzeichnet war), dabei aber angesichts seiner Vorgeschichte als Nazi ein eher unglückliches Exemplar war und aufgrunddessen einmal von Beate Klarsfeld eine Ohrfeige gekriegt hat, sehr zurecht, wie ich im Nachhinein finde. Wie eng das alles ist zeigt sich gleich schräg dahinter:
Da liegen zum einen Eberhard Wildermuth, ein liberaler Bundesminister und zum anderen Carlo Schmid, einer der Väter des Grundgesetztes und Sozialdemokrat. Politik aber war in dieser Stadt eher ein Abfallprodukt, wenngleich da auf wenigen Quadratmetern ein halbes Regierungsviertel liegt.
Ein Abfallprodukt des Geistes nämlich. Worauf sich diese Stadt etwas einbildet: Auf ihre Dichter und Denker, auf ihren Geist.
Auf Ludwig Uhland etwa.

Oder auf den Säulenheiligen schlechthin. Nun bitte mächtig Ehrfurcht, weil es nun ans Hölderlingrab geht. Hölderlin starb zwar ganz unheldenhaft einigermaßen alt und wurde seine halbe Lebenszeit als irre in einem Türmchen eingesperrt, aber diese Tragödie und seine literarischen Werke machen den Mann zu dem obersten Heroen schlechthin.
Wer übrigens ein oder zwei Daten Hölderlin betreffs kennt, wird sehr schnell erblicken, dass da auf dem Grabstein ein falsches Geburtsdatum steht. Bis heute .
Über alle Zeiten hinweg übrigens war das Hölderlingrab begehrt bei Grabräubern aller Art: Devotionalien- und Souvenirjäger, Vandalen undundund. Stand früher noch eine Statue drauf, ziert nun nur noch ein kleines Kreuz den Stein.
Dennoch: Hölderlins Grabsteinspruch ist einer der schönsten überhaupt, passend ohnegleich und stammt -Gottseidank- von Hölderlin selbst:
zusammen meine Kerkerwand,
und herrlicher und freie walle
mein Geist ins unbekannte Land

Fast in unmittelbarer Nachbarschaft darf Friedrich Silcher liegen, den ich ehrlich gesagt eher als rein sakralen Komponisten in Erinnerung hatte. "So nimm denn meine Hände" beispielsweise. Und ich wusste zwar, dass er hier liegt, aber nahm immer an, das sei eher zufällig. Mir war eher nicht bekannt, dass er aus der Gegend stammt. Noch weniger bekannt war mir Halbbildungsbürger, dass "Ännchen von Tharau" von ihm stammt und Dinger wie das Uhland´sche "Der gute Kamerad" (aka "Ich hatt´ einen Kameraden") von ihm vertont wurden und wenigstens Marcel Reich-Ranicki sich mit der Aufnahme des ebenselben gegen die einseitige Vereinahme durch einschlägige Kreise gewehrt hat.
Aber vielleicht sollte man ihm -auch wenngleich nur "Tonmeister"- posthum zurufen: "Muss I denn zum Städtele hinaus" ist völlig falsch, es gibt in ganz Schwaben kein einziges "Städtele", allenfalls Städtle oder Städte, aber nie und nirgends "Städtele".
Und dann legte man Isolde Kurz, Schriftstellerin, Namengeberin von zig Straßen und Übersetzerin, nach ihrem Ableben neben ihre Mutter und niemand weiß so ganz genau, weshalb man Papa Hermann 50 Meter weiter im Einzelgrab unterbrachte. Vielleicht wollte man Papa ein wenig aus der Familie herausheben, vielleicht sollte der Rest auch einfach nur post mortem seine Ruhe haben, man weiß es nicht.Nun liegt sie halt mal das und das passt auch heute ganz gut und das aus einem ganz bestimmten Grund:
Wenigstens bei Lisa Betz hat man sich etwas gedacht. Lisa Betz muss man nicht kennen, die war Haushälterin bei Isolde Kurz und das ziemlich lange. Sie war eigentlich mehr als das: Isolde Kurz nannte sie "mein zweites Ich" und das lag nicht nur daran, dass Lisa Betz irgendwann mal ihr Ohr wurde, weil Isolde irgendwann einmal schwerhörig wurde und die Haushälterin übersetzen musste. Und wie dann erst Isolde Kurz starb und nur wenige Monate darauf ihre langjährige Haushälterin....hat man Lisa Betz fast direkt neben Isolde Kurz begraben und auf ihrem Grabstein ein Zitat von Isolde Kurz hinterlassen:
die unsichtbaren Helfer haben
sie lebhaft neben mich gestellt
Hermann Kurz ist der Vater von Isolde Kurz.
Auch er ein Schreiberling und nun fragen Sie mich bitte nicht, weshalb der Hermann Kurz dieses weiße Häubchen auf seinem Grab hat. Es ist halt da. Einfach so. Irgendjemand hat es übergestülpt.Mag es ein halbnackter Engel sein, der noch nicht mit den pietistischen Regularien hier kompatibel ist, mag es das jüngste Werk des örtlichen Graffitistars sein....ich weiß es auch nicht und drunter schauen macht man ja irgendwie auch nicht...hat irgendwie so etwas unerhörtes....
Freitag, 20. Februar 2009
Tipp 17
gorillaschnitzel, 01:00h

Donnerstag, 19. Februar 2009
Äyndschie auf Shoppingtour.
gorillaschnitzel, 01:00h
Ich bin ja der Ansicht, dass Angela Merkel nicht sonderlich viel richtig macht und werde deren Sympathisant sehr wahrscheinlich nie werden. Aber in einer Frage hat sie vollkommen recht: Hypo Real Estate. Ja, das ist die Katastrophenbank, die uns alle bisher 102 Milliarden gekostet hat und wenn man einigen Gerüchten glauben darf, demnächst nochmal 20 Milliarden kosten wird. In Zahlen sieht das so aus: 102.000.000.000. Pro Bundesbürgerkopf sind das so pi über den Daumen etwa 1275 Euro und zwar vom 3jährigen Kindergartenkind bis zum hochbetagten Greis. Mal abgesehen davon, dass ich -und wir alle- für 1275 Öcken eine bessere Verwendung kenne als diese in eine Pleitebank zu investieren und ich -und wir alle- noch nicht mal persönlich davon betroffen wären, wenn diese elendige Bank über die Wupper ginge und an ihren Malaisen krepierte: Vielleicht sollte man all denen, die nun ganz laut Enteignung brüllen und vom angeblichen Sozialismus schwadronieren auch einmal sagen, dass so eine Bank kein Sozialunternehmen ist, dem man Spenden zukommen lässt ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Ich nehme an, das sind die gleichen Neoliberalisten, die diese Scheiße erst zu verantworten haben und die an dieser Stelle gut daran täten, ihre Klappe nicht zu weit aufzureißen.
Ändschie will als ultima ratio enteignen und wählt dabei das falsche Vokabular. Mal ehrlich: Bei einem Unternehmen, das eine Bilanzsumme von 400 Mrd. hat und das grade 100 Mrd. geschluckt hat um nicht ins Nirvana zu entschwinden, ein Unternehmen, das momentan grade mal 300 Millionen wert ist, also da kann man das nicht "Enteignung" nennen. Ich würde es "Investition" nennen. Oder "Beteiligung". Vielleicht auch "Einkauf" oder "Einstieg".
Umsonst aber gibt es nix. Das habe ich von Banken gelernt, als ich damals meinen Dispo an den Anschlag gebracht habe.
Ändschie will als ultima ratio enteignen und wählt dabei das falsche Vokabular. Mal ehrlich: Bei einem Unternehmen, das eine Bilanzsumme von 400 Mrd. hat und das grade 100 Mrd. geschluckt hat um nicht ins Nirvana zu entschwinden, ein Unternehmen, das momentan grade mal 300 Millionen wert ist, also da kann man das nicht "Enteignung" nennen. Ich würde es "Investition" nennen. Oder "Beteiligung". Vielleicht auch "Einkauf" oder "Einstieg".
Umsonst aber gibt es nix. Das habe ich von Banken gelernt, als ich damals meinen Dispo an den Anschlag gebracht habe.
Mittwoch, 18. Februar 2009
Das mit diesen Himmelsrichtungen ist manchmal etwas schwierig: Eine Spiegelblüte
gorillaschnitzel, 14:49h

Street Art die unendliche
gorillaschnitzel, 11:17h

Dienstag, 17. Februar 2009
Sun. Down. On. Me.
gorillaschnitzel, 01:00h

Montag, 16. Februar 2009
Der Hugo hat das politische Perpetuum Mobile erfunden
gorillaschnitzel, 01:22h
Das ist sehr lustig. Herr Chavez lässt darüber abstimmen, ob er sich den Venezolanern unbegrenzt zur Abstimmung stellen darf. Lustig ist das deshalb, weil die erste Abstimmung negativ für Herrn Chavez ausging und er jetzt halt mal die Abstimmung wiederholt. Wahrscheinlich wird nun so lange abgestimmt, bis unbegrenzt abgestimmt werden kann. In jedem Fall aber gilt: Es wird abgestimmt werden. So oder so.
Sonntag, 15. Februar 2009
Sehr geehrter Herr G.oergens,
gorillaschnitzel, 01:01h
letztlich habe ich eine Ausgabe des Focus in die Hand bekommen, den -das will ich gerne einräumen- ich ansonsten nicht wirklich regelmäßig lese. Ich stieß dabei auf Ihren Artikel "Die schönste Zeit des Jahres", der sich mit dem Urlaub von Amy Winehouse auf St. Lucia beschäftigt.
Ich will ehrlich sein: Ich war doch reichlich erstaunt darüber, welche Texte und welche Themen sich heutzutage in einem Nachrichtenmagazin finden.
Ich hätte dies doch eher in Richtung einer Zeitung verortet, die einen Buchstaben weniger, aber keinen einzigen gemeinsam mit Ihrem Blatt hat.
Wissen Sie, für mich klingen Wendungen wie "Das Turteltäubchen hat sich einen Beach-Boy geangelt" oder Bildunterschriften a la "Prominentes Kriechtier" unter ein Foto, das Frau Winehouse auf allen Vieren auf dem Boden einer Lokalität zeigt eher in den stark boulevardesken Bereich, ebenso wie die Nacktfotos an sich. Da kann ich mich aber irren, da ich ja zugegebenermaßen nicht unbedingt zur Stammleserschaft gezählt werden kann.
Aber dann die detaillierten Beschreibungen von wackelnden Brüsten auf nächtlichen Balkonen, dazu die überaus bildliche Darstellung, wie Frau Winehouse unter Tischen hockt und dann -schnapps- zuschlägt und anderen Gästen den Alk wegsauft....und ich gehe jetzt mal davon aus, dass Amy das Angebot zum flotten Dreier nun nicht Ihnen und Ihrer Lebenspartnerin höchstselbst gemacht hat, drum nur unter uns: Sie waren doch nie in St.Lucia, sondern in Ihrem fast genauso warmen Münchner Büro, dafür ohne die von Ihnen beschriebene Sonnenbrandgefahr, und das was Sie so blumenreich beschreiben stammt alles von Nachrichtenagenturen und der Yellow Press, stimmts? Nun finde ich das nicht mal sooo schlimm, wenn angesichts der Finanzkrise, die sich ja auf die schreibende Zunft ganz besonders niederschlägt, nicht extra ein Redakteur sauteuer in die Karibik fliegt, schon gar nicht für ein armes Drogenopfer....nur mal so als Anmerkung...
Nix für ungut, viele Grüße, Ihr
gorillaschnitzel
Ich will ehrlich sein: Ich war doch reichlich erstaunt darüber, welche Texte und welche Themen sich heutzutage in einem Nachrichtenmagazin finden.
Ich hätte dies doch eher in Richtung einer Zeitung verortet, die einen Buchstaben weniger, aber keinen einzigen gemeinsam mit Ihrem Blatt hat.
Wissen Sie, für mich klingen Wendungen wie "Das Turteltäubchen hat sich einen Beach-Boy geangelt" oder Bildunterschriften a la "Prominentes Kriechtier" unter ein Foto, das Frau Winehouse auf allen Vieren auf dem Boden einer Lokalität zeigt eher in den stark boulevardesken Bereich, ebenso wie die Nacktfotos an sich. Da kann ich mich aber irren, da ich ja zugegebenermaßen nicht unbedingt zur Stammleserschaft gezählt werden kann.
Aber dann die detaillierten Beschreibungen von wackelnden Brüsten auf nächtlichen Balkonen, dazu die überaus bildliche Darstellung, wie Frau Winehouse unter Tischen hockt und dann -schnapps- zuschlägt und anderen Gästen den Alk wegsauft....und ich gehe jetzt mal davon aus, dass Amy das Angebot zum flotten Dreier nun nicht Ihnen und Ihrer Lebenspartnerin höchstselbst gemacht hat, drum nur unter uns: Sie waren doch nie in St.Lucia, sondern in Ihrem fast genauso warmen Münchner Büro, dafür ohne die von Ihnen beschriebene Sonnenbrandgefahr, und das was Sie so blumenreich beschreiben stammt alles von Nachrichtenagenturen und der Yellow Press, stimmts? Nun finde ich das nicht mal sooo schlimm, wenn angesichts der Finanzkrise, die sich ja auf die schreibende Zunft ganz besonders niederschlägt, nicht extra ein Redakteur sauteuer in die Karibik fliegt, schon gar nicht für ein armes Drogenopfer....nur mal so als Anmerkung...
Nix für ungut, viele Grüße, Ihr
gorillaschnitzel
Samstag, 14. Februar 2009
Es gibt da draußen ein paar Jungs, die sind so doof, dass man meinen könnte, die Vogelgrippe habe mal wieder zugeschlagen
gorillaschnitzel, 15:08h
"Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher." Soll Einstein mal gesagt haben. Aber mit Zitaten ist das so eine Sache, weil die sich häufig nicht so ganz belegen lassen. Ist aber auch egal, weil der Spruch so falsch nun auch wieder nicht ist und deshalb stöbere ich immer wieder mal in den Untiefen des menschlichen Wahnsinns. Weil die Abgründe des Geistes manchmal so tief sind, dass das schon an Debilität grenzt und damit meine ich nun nicht Menschen, die ein angeborenes Handicap haben sondern -nach außen- vermeintlich kerngesunde Leute, die eigentlich am ersten Arbeitsmarkt partizipieren sollen, dies aber nicht tun, weil ihnen ein Scheiß am anderen einfällt. Nun gut, Langeweile ist nicht strafbar und so toben sich einige Exemplare richtig aus.
Letzte Woche bin ich beim wilden Rumundnumsurfen auf sehr illustre Leute gestoßen, die so einen an der Hacke haben, dass man den normalen Durchschnitts-IQ eines Hauskaninchens wohl deutlich unterbewertet, zumindest düften diese Grenzdebilen in etwa auf derselben Ebene liegen.
Lange Vorrede, kurzer Sinn: Es geht um diese "DieBRDexistiertgarnicht"-Masche. Nun gut, das ist mittlerweile weit verbreitet und wer nichts ist und nie was werden wird, hat immer noch die Möglichkeit Reichskanzler zu werden, auch wenn der Wirkungsbereich meist auf die eigenen vier Wände beschränkt ist, aber das ist ja immerhin auch schon mal was.
Dieses Mal haben wir die einmalige Möglichkeit einer Staatsgründung life und leibhaftig teilzuhaben. Jawoll, Sie lesen richtig. Dabeisein und miterleben. Nicht irgendeine Staatsgründung. Nein! Immerhin wird das "Fürstentum Germania" gegründet und das ist gar ein Kirchenstaat.
Gut, sie haben die Staatsgründung schon ein paar mal verschieben müssen, weil sie sich entweder intern zerlegt hatten oder aber einfach unabkömmlich waren (gibt ja wichtigeres im Leben als so nen Staat zu gründen) und bedauerlicherweise umfasst das Staatsgebiet bisher auch nur ein verfallenes Gebäude in einem winzigen Kaff in Brandenburg, aber jeder Anfang ist ja schließlich schwer.
Zu finden ist der Schwachsinn hier
fuerstentum-germania.org/
und es gibt echte Perlen. Unter der Rubrik Verfassung beispielsweise denkt man gar an die Imker oder daran, dass jeder 21jährige einen Baum pflanzen muss. Die Fahne steht auch schon: Blaurotgelbgold. Woher das Blau kommt, entzieht sich meiner Kenntnis, vielleicht hat es mit dem Alkoholkonsum zu tun.
Man fragt sich nur, wie die Vollhonks auf die steile These mit den 7000 Jahren Dauerkrieg und den lediglich 36 Jahren Frieden kommen, zumal der Adolf seinerzeit ja nur 12 Jahre und so, aber wir wollen sie ja nicht in eine gewisse Richtung rücken, da diese armen Kreaturen ja nicht gefährlich sind sondern eher dringenden Therapiebedarf haben.
Und wer sich die Mühe macht, ein bißchen zu googeln und weiter nachzuforschen: Es grenzt an Comedy.
Letzte Woche bin ich beim wilden Rumundnumsurfen auf sehr illustre Leute gestoßen, die so einen an der Hacke haben, dass man den normalen Durchschnitts-IQ eines Hauskaninchens wohl deutlich unterbewertet, zumindest düften diese Grenzdebilen in etwa auf derselben Ebene liegen.
Lange Vorrede, kurzer Sinn: Es geht um diese "DieBRDexistiertgarnicht"-Masche. Nun gut, das ist mittlerweile weit verbreitet und wer nichts ist und nie was werden wird, hat immer noch die Möglichkeit Reichskanzler zu werden, auch wenn der Wirkungsbereich meist auf die eigenen vier Wände beschränkt ist, aber das ist ja immerhin auch schon mal was.
Dieses Mal haben wir die einmalige Möglichkeit einer Staatsgründung life und leibhaftig teilzuhaben. Jawoll, Sie lesen richtig. Dabeisein und miterleben. Nicht irgendeine Staatsgründung. Nein! Immerhin wird das "Fürstentum Germania" gegründet und das ist gar ein Kirchenstaat.
Gut, sie haben die Staatsgründung schon ein paar mal verschieben müssen, weil sie sich entweder intern zerlegt hatten oder aber einfach unabkömmlich waren (gibt ja wichtigeres im Leben als so nen Staat zu gründen) und bedauerlicherweise umfasst das Staatsgebiet bisher auch nur ein verfallenes Gebäude in einem winzigen Kaff in Brandenburg, aber jeder Anfang ist ja schließlich schwer.
Zu finden ist der Schwachsinn hier
fuerstentum-germania.org/
und es gibt echte Perlen. Unter der Rubrik Verfassung beispielsweise denkt man gar an die Imker oder daran, dass jeder 21jährige einen Baum pflanzen muss. Die Fahne steht auch schon: Blaurotgelbgold. Woher das Blau kommt, entzieht sich meiner Kenntnis, vielleicht hat es mit dem Alkoholkonsum zu tun.
Man fragt sich nur, wie die Vollhonks auf die steile These mit den 7000 Jahren Dauerkrieg und den lediglich 36 Jahren Frieden kommen, zumal der Adolf seinerzeit ja nur 12 Jahre und so, aber wir wollen sie ja nicht in eine gewisse Richtung rücken, da diese armen Kreaturen ja nicht gefährlich sind sondern eher dringenden Therapiebedarf haben.
Und wer sich die Mühe macht, ein bißchen zu googeln und weiter nachzuforschen: Es grenzt an Comedy.
Freitag, 13. Februar 2009
Das Nagelstudio
gorillaschnitzel, 01:04h

Donnerstag, 12. Februar 2009
Different ways
gorillaschnitzel, 01:37h
Im April 1919 stürmten Rotgardisten der Münchner Räterepublik die Apostolische Nuntiatur des Vatikan in München. Für den Nuntius, den man dabei bedroht hatte, ein prägendes Erlebnis. Er hieß Eugenio Pacelli und sollte später als Papst Pius XII besser bekannt werden. Man kann wohl unterstellen, dass die Zeit in München und dieses Erlebnis speziell auch mit zu seiner -späteren- Haltung als Papst gegenüber den Nazis beitrug.
Im Sommer 1968 stürmen Studenten die Aulen, die Audimäxe und die Hörsäle der Universitäten. In Berlin, in Frankfurt, in München. Und in Tübingen. Dort muss sich ein so entsetzter wie junger Dekan der katholisch-theologischen Fakultät dem Ansturm stellen. Sein Name ist Joseph Ratzinger und noch heute erzählen einige Soebenrentner davon, wie man den späteren Papst niedergepfiffen habe. Für Ratzinger ein Wendepunkt, wie er selbst, aber wie auch Hans Küng -damals Kollege, Freund und Initiator des Wechsels Ratzingers nach Tübingen, heute schärfster Kritiker der Kirche im Allgemeinen und Ratzingers im Besonderen- sagt.
Beide haben mit den protestierenden Studenten zu tun, Ratzinger als Dekan vermutlich mehr denn der "gemeine Prof." Küng, aber sie gehen grundverschieden damit um: Während Küng mit den Studenten debattiert und auf diese Weise versucht, die Situation zu beruhigen, zieht sich Ratzinger in sein persönliches Schneckenhaus zurück. Der eine (Küng) meinte, dasselbe Anliegen wie der andere gehabt zu haben, der andere (Ratzinger) fühlte sich vom einen diffamiert.
Der zuvor tendenziell eher weltoffene Theologe Ratzinger zieht sich nun zurück in die Welt von Augustinus und Bonaventura und damit in die scheinbar sichere Vergangenheit.
Der Beginn zweier völlig unterschiedlicher Karrieren in der katholischen Kirche (und für einen davon auch außerhalb davon) und der Beginn einer Entwicklung, die in zwei diametral unterschiedliche Richtungen läuft.
Im Sommer 1968 stürmen Studenten die Aulen, die Audimäxe und die Hörsäle der Universitäten. In Berlin, in Frankfurt, in München. Und in Tübingen. Dort muss sich ein so entsetzter wie junger Dekan der katholisch-theologischen Fakultät dem Ansturm stellen. Sein Name ist Joseph Ratzinger und noch heute erzählen einige Soebenrentner davon, wie man den späteren Papst niedergepfiffen habe. Für Ratzinger ein Wendepunkt, wie er selbst, aber wie auch Hans Küng -damals Kollege, Freund und Initiator des Wechsels Ratzingers nach Tübingen, heute schärfster Kritiker der Kirche im Allgemeinen und Ratzingers im Besonderen- sagt.
Beide haben mit den protestierenden Studenten zu tun, Ratzinger als Dekan vermutlich mehr denn der "gemeine Prof." Küng, aber sie gehen grundverschieden damit um: Während Küng mit den Studenten debattiert und auf diese Weise versucht, die Situation zu beruhigen, zieht sich Ratzinger in sein persönliches Schneckenhaus zurück. Der eine (Küng) meinte, dasselbe Anliegen wie der andere gehabt zu haben, der andere (Ratzinger) fühlte sich vom einen diffamiert.
Der zuvor tendenziell eher weltoffene Theologe Ratzinger zieht sich nun zurück in die Welt von Augustinus und Bonaventura und damit in die scheinbar sichere Vergangenheit.
Der Beginn zweier völlig unterschiedlicher Karrieren in der katholischen Kirche (und für einen davon auch außerhalb davon) und der Beginn einer Entwicklung, die in zwei diametral unterschiedliche Richtungen läuft.
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