Dienstag, 9. September 2014
Querbeet alles
Îch war ne Weile nicht hier. Schade eigentlich. Das liegt ein bißchen an der Arbeit, ein bißchen an der Verreiserei und dem Urlaub und ziemlich viel an der Fußballweltmeisterschaft. Ich weiß, die ist erfolgreich beendet. Ich hatte mir für dieses Mal aber vorgenommen, mir alle Spiele anzuschauen, die nur möglich sind anzuschauen. Ich habs geschafft. Am Ende waren es 56 von 64 Spielen von vorne bis hinten, die restlichen 8 als Zusammenfassung und es war wirklich nicht immer schön. Ein nächtliches 0-0 zwischen Nigeria und Iran mit nullkommanull Torszenen ist schon sehr, sehr mäßig, selbst als notorischer Iransympathisant. Ein deutsches 7-1 im Halbfinale gegen Brasilien ist dagegen einzigartig. Ich habe nie zuvor eine bessere Halbzeit einer deutschen Mannschaft jemals nieauchnieirgendüberhauptnicht überniemals je gesehen.



Ja. Und jetzt habe ich mir wieder mal was vorgenommen. Ich will nicht weniger als den längsten Beitrag schreiben, den es hier bei mir je gab. Ich probiere es einfach mal und lasse einfach alles raus mitsamt zig Fotos queerbeet, bis das Scrollrädchen an Ihrer Maus rotläuft.



Ehrlich gesagt: Ich habe das noch nie versucht und habe noch keinen blassen Schimmer, wie das am Ende aussehen wird. Ich mach jetzt einfach mal etwas, das ich hier noch nie gemacht hab: Ungefiltert alles, was hier grade aktuell ist, ganz ohne innere Zensur. Ich schreib denn mal los. Mal schauen, was dabei rauskommt.



Vielleicht fangen wir einfach mal in Jaipur an. Das ist die Stadt, in der mich die Inder am meisten überrascht haben. Weil ich ein TukTuk bestieg und der Fahrer zu mir sagte, dass ich heute sein erster Kunde sei und ich den Preis zu bestimmen hätte, das brächte ihm Glück für den Tag. Der hätte tatsächlich auch 10 Rupien akzeptiert.



Jaipur ist aber auch die Stadt, in der ich wirklich darüber nachgedacht habe, wie lange mein Glück eigentlich halten mag. Wo ich seit zig Jahren umherreise und mir nie etwas passiert ist. Dieses Mal ist etwas passiert: Bus überholt Traktor, es quietscht, ich sehe den Traktor links kurz abheben und dann rumst der Bus in diese Betonabsperrung. Wumm. Und hinten links hofft man, dass auf dem Traktor wirklich nur einer gesessen ist. Was dann kommt, das ist Konfliktlösung auf Indisch: Unter Beteiligung sämtlicher männlicher Buspassagiere und aller anwesenden Dorfbewohner wird diskutiert, dann der Busfahrer vom Traktorfahrer abgeführt und wie ich noch überlege, ob das nun bedenklich wird, telefonieren sie wie wild, bringen dann den Busfahrer wieder zurück und wahrscheinlich ist viel Geld geflossen. Der Bus sah mächtig lädiert aus mitsamt nicht mehr vorhandener Front und einem riesigen Loch an der Seite, aber fahren ging noch, ist ja Indien.



Nach Jaipur fährt man wegen der hübschen Altstadt, der Pink City. Ich hatte mir das ja tatsächlich ganz in pink vorgestellt, aber in Wirklichkeit ist das allermeiste eher orange. Vielleicht mag es am Wetter liegen oder den Abgasen. Keine Ahnung. Orange.....



...und da sind wir dann bei einer ganz tollen Überleitung: Holland!

Okay, so toll war die Überleitung nun auch nicht und sonderlich tiefsinnig auch nicht, aber ich war mal eben in Holland. Das ist nun nicht das ganz große Abenteuer wie Indien oder andere Länder und der größte Nervenkitzel besteht dann auch darin, wenige Gramm Marihuana über ohnehin unbewachte Grenzen zu bringen. Und die Niederlande standen auch wirklich lange nicht zur Wegfahrdisposition. Eigentlich erst dann als das Land im Halbfinale ausgeschieden ist. Für den Fall, dass Holland je Weltmeister werden würde: Ich würde nie im Leben mit einem deutschen Kennzeichen dort hinfahren.



Dabei habe ich ehrlich überhaupt nichts gegen Holland. Auch nicht gegen Holländer. Sympathisches Land mit sympathischen Menschen. Okay, mir etwas zu flach, aber das mag auch an mir liegen, der ich die sanften Hügel hier liebe. Ich mag Land, ich mag Leute, aber wenn es um Fußball geht, dann hat das für 90 oder auch 120 Minuten zu pausieren. Ich bin da Rijkaard-und-Koeman-sozialisiert, Fußballfragen diesbezüglich werden gerne in den Kommentaren beantwortet. Aber ansonsten liebe ich die Windmühlen, die Toleranz inmitten des Calvinismus, überhaupt sind die Holländer sehr erfreulich international, also ich mag sie wirklich. Weniger mag ich Frikandeln, aber das ist halt irgendwie nicht meins, dafür können sie Blumen und Gräser und zwar richtig. Nicht umsonst kam es ausgerechnet dort zur großen Tulpenbaisse, der ersten Spekulationsblase des Kapitalismus. Über die Gräser habn wir schon gesprochen.



Wenn wir aber über Holland reden, dann müssen wir jetzt auch mal über MH17 reden. Sehen Sie.....wir wissen, worüber wir reden. Ein paar Wochen davor bin ich auch genau da drüber geflogen mit genau der Flugnummer, die dann auch nur 20 Kilometer weiter war. Glück haben. Und auf einmal wird das alles präsent, wie ich vor einem mittlerweile geschlossenen Blumenladen in Volendam stand und kurz darüber sinnierte, dass Blumen eigentlich ins Geschäft gehören und nicht davor....sie hieß übrigens Neeltje und wollte Urlaub in Indonesien machen.



Hoppla. Island.



Wir machen jetzt trotzdem mal einen ganz harten Break, ganz ohne Überleitung und landen mal schnell in Island zwischen. Dort haben sie ganze andere Probleme. Nachdem sie mal eben den gepflegten Staatsbankrott refinanziert haben, widmet man sich dort der Frage, wie man Wasser kaltkriegt. Bei uns gehts eher um die Frage, wie man Wasser heiß kriegt.



......dort leiten sie das Wasser über 100 Kilometer nach Reykjavik, unterwegs kriegen Sie das für umme für Ihren ganz persönlichen Hotspot, danach werden die hauptstädtischen Haushalte erwärmt und danach die Bürgersteige im Winter und der Rest, der landet im Meer, was Reykjavik einen sommerlichen Badestrand ermöglicht.






Diese tollkühnen Helden der Lüfte Untiefe....



....das sind Papageitaucher....Wunderbare Tiere und überaus menschlich. Sie sollten mal so eine Kolonie Papageitaucher beobachten. Das ist echt lustig. Ich hab das gemacht und man kann echt nicht genug kriegen. Diese Viecher sind ja eigentlich Vögel und die sollten bis auf einige Ausnahmen ja fliegen können. Die Papageitaucher sind die Ausnahme. Die stellen sich beim Fliegen an wie Schimpansen drei Tage nach der Geburt beim aufrechten Gang. Da ist wirklich alles dabei: Mißglückte Landeanflüge, Landungen auf kreischenden Artgenossen, Beinhaheabstürze und der Start von der Klippe sieht wirklich suizidal aus.

Wenn die Viecher aber mal im Wasser sind, dann sind sie wahre Champions: Tauchen ziemlich schnell dutzende Meter tief und fangen dabei zig Fische.



Noch was positives über Island: Sie betreiben eine sehr nachhaltige Fischerei und das ist der beste Grund, nicht in der EU zu landen, wie sie mal vor hatten. Okay, irgendeinen Scheiß machen auch die Isländer und damit sind wir beim Walfang. Der läuft auch unter Nachhaltig.



In Island habe ich Wal gegessen. Ich versehentliche Umweltsau. Die ganzen Riesenfamilienpackungen Rind- und Lammfleisch kamen nicht in Frage, weil ich keine zweieinhalb Kilo Fleisch brauche um satt zu werden und der Mietwagen auch keine Tiefkühltruhe an Bord hatte. Daher griff ich nach "Hrevnusteik". Mein Isländisch ist eben schlecht. Sah aus wie Rind, schmeckte wie Rind. Gemerkt habe ich es erst eine Woche später als das Zeug angeboten wurde mit dem Hinweis, man möge doch mal Wal probieren. Papageitaucher und Pferdefohlen habe ich aber sein lassen.





Ja, mittendrin zwischen all die Islandfotos überlege ich mir jetzt mal, wohin ich das nächste Mal verreise. Weil: Das lässt nicht nach. Wenn man mal damit angefangen hat, dann will man immer weiter und ich wollte ja eigentlich schon eine ganze Weile mal in die Ukraine. Nein, ich bin kein Katastrophentourist, ich habe da schon lange was auf dem Schirm und das muss demnäxxt wirklich mal sein. Spätestens dann, wenn sich die russische Armee nicht mehr dorthin verirrt oder dort mit ihren Panzern Urlaub macht.

Lauter Verrückte. Wie der Blatter von der Fifa. Der ist zwar längst im Rentenalter, will aber ums verrecken nochmal ran, weil es ja schließlich um die WM in Katar geht, die er mitverbrochen hat und die 2022 stattfinden soll und bis dahin ist der Mann 86 Jahre alt.





Fazit: Island? Gehnse hin. Ich kenne niemanden, der davon nicht begeistert war.





Zwischendurch habe ich mal ein Foto von hier eingeschmuggelt. Weil ich mal wieder Lust habe etwas zu machen, das ich das letzte Mal vor 10 Jahren gemacht habe: Schnaps. Der Quittenbaum musste dem Wohnzimmer weichen, der Zwetschgenbaum der Zufahrt, aber es gibt noch den Birnbaum. Der hat Bestandsschutz weil daran meine Hängematte hängt (wobei: Birnenholz, uralt und ein bolzgerader Stamm mindestens zwei Meter hoch ohne Äste, einmeterfünfzig Durchmesser.....). Die Birnen haben mich bisher nicht sonderlich interessiert. Das sind Mostbirnen, zum Verzehr komplett ungeeignet. Ich hab sie bisher verschenkt. Bisher hat die Generation vor mir daraus gemacht, was in dieser Generation fester Bestandteil des abendlichen Vespers ist: Most. Aber mit 120 Liter Most im Keller kann ich nichts anfangen. Mehr als zwei Liter pro Jahr bräuchte ich nicht.



Gut, Schnaps bräuchte ich auch keinen, ich hab noch die Hälfte vom letzten Mal von vor zehn Jahren. 8 Liter hochprozentig und unverdünnt, so grob 60 Umdrehungen. Ich mach das eher des Events wegen und das ist einfach großartig und geht so: Sie schließen sich mit 2 oder 3 anderen zusammen, melden den Brand ganz ordnungsgemäß beim Zoll an und an einem kalten Samstagmorgen um 7 geht es dann los. Erstmal eine Stunde anfeuern. Kurz vor 8 kommt dann der Nachbar mit Butterbrezeln und Bier und dann haben Sie ab 8 Uhr ganz exakt zwei Stunden Zeit für Ihren Brand. Schreibt der Zoll so vor und kommt durchaus auch schon mal zur Kontrolle vorbei. Dann zwei Stunden der nächste Brand undsoweiter.

Und zwischendurch haben Sie allerlei Zeit, das Zeugs direkt zu probieren und zu planen, wie man den eigenen Brand ein klein wenig hochpusht (es sind 120 Liter Maische, aber der Kessel fasst 140 Liter) oder auch einen Brand mal unangemeldet "dazwischenschiebt" (aus 4 Brände á 2 Stunden mach 5 á 1,5). Und gegen 17 Uhr spätestens sind Sie dann endgültig durch. Kann man alle 10 Jahre mal machen....

Wenn Sie möchten, können wir auch ein kleines Ratespiel einfügen. Wo wurde denn das folgende Foto aufgenommen?



Es wird Zeit, mal über Belgien zu reden. Wenn man die Belgier fragt, gibt es Belgien gar nicht so richtig, naja, Belgien vielleicht schon, aber keine Belgier. Der Minimalkonsens auf den die sich einigen können, besteht vermutlich in Fußball, Pommes, Bier und Pralinen.



Dabei ist das irgendwie auch Klagen auf ziemlich hohem Niveau: Ein Land, das auch dann noch super funktioniert, wenn es mal zwei Jahre lang keine ordentliche Regierung hat, das kann nur ein glückliches Land sein. So eine Art anarchistisches Modell. Hierzulande sind wir sogar noch einen Schritt weiter: Wenn es mal gelingen sollte, die CSU vollends aus der Regierung zu kegeln, haben wir den belgischen Nichtregierungszustand quasi gar mit einer gewählten Regierung erreicht, zumindest gefühlt.



Aber zurück zu Belgien: Ich bin neuerdings ein riesengroßer Fan von Belgien. Einerseits wegen der Pommes Fritten. Die wollen die Belgier erfunden haben und man glaubt es ihnen sofort unbenommen. Die Dinger sind das Brot Belgiens und vermutlich gibt es außer Belgien kein Land auf diesem Planeten, in dem Fritten und wirklich nur Fritten zu den Muscheln in Weißweinsauce serviert werden anstatt von Weißbrot und das flächendeckend überall.



Dann gibt es noch das belgische Bier. Die vielen Biere. Ein Paradies.



Und dann die belgischen Städte. Die sind zumindest in Flandern immer traumhaft schön. Richtig schöne Altstädte mit schönen Plätzen und prächtigen Bauten aus der Gotik oder der Renaissance. Häufig stellt man sich so Italien vor, wird in Italien dann aber manchmal ziemlich enttäuscht. Nicht in Belgien. Antwerpen, Brüssel, Gent, Brügge, Leuven....egal wo Sie hinfahren: Immer schöne Altstädte.



Wir schwenken nun wieder nach Jaipur oder besser gleich wieder weg davon, weil Sie Jaipur im Wesentlichen nach drei Tagen gesehen haben. Und wenn Sie dann etwas Zeit über haben, dann fahren Sie mal kurz nach Pushkar. Weil das nicht soooo weit weg ist und mir das irgendwoher bekannt vorkam. Nett dort, vor allem weil ich endlich mal aus diesen Großstädten rauskam. Andererseits sitzt man in einer Hippiestadt mit Prohibition auf Alkohol, Eier und Fleisch und das gemeinsam mit Leuten, die so hippiemäßig ein wenig aus der Zeit gefallen scheinen und hier ihren Yogi suchen. Egal. Wenn Sie mal dort sein sollten: Ich sag Ihnen, wo Sie schlafen sollten.







Irgendwann ging es dann nach Kerala. Ein bißchen Entspannung am Meer, in den Backwaters und in Kochi. Von Jaipur aus geht das in so circa 30 Stunden mit dem Zug oder aber in 4 Stunden Flug mit umsteigen in Mumbai. Letzteres schien angenehmer, war es aber nicht. Wir sind wieder beim Thema Glück und wann das mal aufgebraucht sein könnte.



Landeanflug auf Trivandrum. Der Flieger geht runter und beginnt zu kreisen, immer schön in einer großen Linkskurve. Der Bildschirm vor mir zeigt eine Viertelstunde lang an, dass wir auf 5000 Metern fliegen. Stau kommt nicht infrage, das ist ein totaler Provinzflughafen mit so grob einer Landung die Stunde. Unter uns eine einzige graue Suppe. Wenn dann die Durchsage kommt "cabin crew prepare for landing" und Sie hin und wieder mal geflogen sind, dann wissen Sie, dass das ein ziemlich ungemütlicher Anflug werden wird, weil sich das Kabinenpersonal sonst nicht bereits auf 5000 Metern hinsetzen müsste.



Dann ging es runter und es begann ordentlich zu ruckeln. Etwas mehr als üblich. Bei 1000 Metern die erste mächtige Bö von rechts, der Flieger rumst nach links und dann merken Sie das erste Mal, dass da vorne kein Computer fliegt sondern ganz manuell ein Mensch. Noch etwas weiter tiefer dann die nächste Bö, der Flieger schmiert wieder weg. Ich war dann froh, unter mir endlich die Landebahn zu sehen. Und genau in dem Moment wird der Schubhebel voll umgelegt, die Nase steil nach oben gezogen und der Flieger startet durch. Wieder hoch auf 5000 Meter. Wollen Sie wissen, was in so einem Moment in einem Flugzeug los ist? Nichts. Null. Nada. Totenstille. Nichts außer den Motoren. Wenigstens laufen die und machen Krach. 10 lange Minuten später dann die Durchsage, dass wir es nun von der anderen Seite probieren, was nicht wirklich beruhigt, weil dann die Böen eben nicht mehr von rechts kommen sondern von links und Sie 10 Minuten lang Zeit hatten, sich Gedanken zu machen.



Aber egal: Es hat sich gelohnt. Wegen Kerala. Kerala war der entspannende Teil. Okay, es ist immer noch Indien, aber Kerala ist wirklich schön. Es lohnt sich herzukommen und die Menschen sind sympatisch und entspannt. Nichts aufdringliches, nichts das mich geärgert hätte.



Dabei gibt es in Kerala die bösen Kommunisten. Die regieren nämlich den Landstrich immer wieder mal und wenn grade Wahlkampf ist, dann sieht man dort immer noch Hammer und Sichel. Es war grade Wahlkampf. Die Plakate dort sind lustig: Zuerst denken Sie, dass da immer derselbe schnauzbärtige Kandidat für alle Parteien antritt, ehe Sie dann merken, dass es sich um unterschiedliche Kandidaten handelt, die halt alle den typisch indischen Schnauzer tragen. Das zweite sind dann Parteisymbole: Die einen haben einen Pflug (naja...brauch ich nicht), die anderen eine erhobene Hand (häh?), die näxxten einen Ventilator (joah, für Indien brauchbar, aber eine richtige Klimaanlage ist dann doch besser) und andere haben einen Besen (Putzen? Nee). Mit Abstand am tollsten fand ich den Kandidaten mit dem Fernseher. So einem richtigen alten Röhrenfernseher. Das sah so 80er aus, das fand ich toll, weil ich mich da gleich wieder jung gefühlt habe.



Und enden tun wir jetzt mit Kochi. Das ist ein gutes Ende, war auch ein gutes Ende in Indien. Weil Kochi so entspannt ist. No hustle. Alles locker und entspannt. So sind wir jetzt auch.....

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Mittwoch, 25. Juni 2014
Agra






Agra ist erstmal Taj Mahal. Da wollte ich schon sehr lange mal hin, weil mich das Gebäude schon fasziniert hat, seit Indira damals in der 8. Klasse Fotos aus ihrem Urlaub herumgereicht hat. Von daher war klar, dass ich mir das auch mal selbst vor Ort anschauen werden würde. Hat dann doch etwas länger gedauert, aber vielleicht ist es manchmal besser, man macht nicht alles sofort und auf einmal.



Immer wieder habe ich gehört, dass Leute das Taj Mahal als viel größer und imposanter erlebt haben, als sie sich das vorgestellt haben. Ehrlich gesagt: Bei mir war das nicht so. Eher im Gegenteil. Aber das liegt vielleicht daran, dass eben viele gesagt haben, das Ding sei viel größer und gigantischer als gedacht.



Egal. Schön auf jeden Fall. Faszinierend. Vor allem bei Sonnenaufgang. Und dadurch dann doch irgendwie gigantisch. Es ist ja immerhin ein Grab, erbaut vom Herrscher für die geliebte Gattin. Es gibt Menschen, die nennen es das größte Symbol der Liebe. Man könnte auch sagen: Einen größeren Furz mit Bremsspur kann man in Liebesdingen nicht mehr lassen. Übertreffense das mal.....eben....



Aber Agra ist nicht nur Taj Mahal. Daneben gibt es noch das Agra Fort, das viel schöner ist als das in Delhi und Baby Taj, eine Art Miniaturausgabe des richtigen Taj.



Aber auch in Agra gibt es diese Dauerrumfeilscherei mit allen möglichen Indern. Unter uns gesagt: Am besten kam ich mit gläubigen Muslimen klar. Denen kann man mit ihrem Glauben kommen. Als noch in Delhi der Schuhaufpasser in der Moschee statt 5 Rupien (6 Cent) mal schnell 50 wollte, gab ich ihm 10 und fragte ihn dann, wo denn im Koran stehe, dass er andere Leute betrügen dürfe und überhaupt sei das eine Moschee und sogar noch Freitag. Er wollte mir die 5 Rupien zurückgeben, aber ich fand, das sollte Allah persönlich regeln und ich weiß genau, dass er gebetet hat, als ich weg war.

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Donnerstag, 19. Juni 2014
Länder mit I


Wissen Sie was? Ich werde Sie jetzt einfach mal ein bißchen verwirren. Wenn Sie dachten, dass da jetzt der näxxte Indienbeitrag kommt, dann enttäusche ich Sie vorerst mal. Das da oben ist natürlich nicht Indien sondern Island, genauer: Reykjavik.



Wenn Sie in Island ankommen, dann lernen Sie sehr schnell zu entschleunigen, selbst in der Hauptstadt. Reykjavik selbst hat nämlich nur etwas mehr als 100.000 Einwohner und ist daher eher überschaubar.



Weniger überschaubar sind die Preise und da kriegen Sie dann ziemlich schnell das Bedürfnis, eine gewisse Zeit lang alkoholabstinent leben zu wollen, aber gut, es ist Skandinavien und dann weiß man das schon im Voraus.

Dabei haben die Isländer noch vor ein paar Jahren einen gepflegten Staatsbankrott hingelegt. Oder so gut wie. Aber das ist gefühlt schon lange her und Island ist phoenixaschengleich aufgestiegen aus den finanziellen Ruinen, was die Isländer damit erklären, dass sie sich etwas getraut haben, was sich die EU mit Griechenland und den eigenen Banken nicht getraut haben: Absaufen lassen und neu anfangen, Währung abwerten und schuftenschuftenschuften.
Dadurch haben sie im Folgejahr Kabeljau exportiert wie nie zuvor, dazu kam der Ausbruch des Eyjafjallajökull und damit der Tourismus und Island war wieder einigermaßen in der Spur.

Und Humor haben die Isländer auch. In Reykjavik haben sie einen Komiker zum Bürgermeister gemacht. Das wäre auf Deutschland übertragen, als würde Martin Sonneborn zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt.

Wenn man nach Skandinavien fährt, sieht man immer wieder auch diese opulenten Architekturprestigeprojekte. Opern, Bibliotheken, Kulturhäuser. In Kopenhagen, in Oslo, auch in Reykjavik. Das Ding haben sie sogar während der Wirtschaftskrise fertiggestellt.





Und wenn Sie wissen wollen, weshalb ich versehentlich Walfleisch gegessen habe, dann müssen Sie demnäxxt mal wieder hier reinlesen.

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Donnerstag, 22. Mai 2014
Delhi
Indien. Vielleicht fang ich einfach mal so an: Es war nicht das erste Mal, dass ich verreist bin und auch nicht das erste Mal in ein Land, das nicht unbedingt mit dem hiesigen vergleichbar ist. Von daher hielt ich mich für einigermaßen gewappnet. Aber irgendwie kriegt man nach spätestens drei Stunden in Indien dann doch den leisen Verdacht, dass einen nichts, aber wirklich überhaupt gar nichts auf Indien vorbereiten kann.



Oder besser gesagt: Nicht auf Delhi vorbereiten kann. Oder noch detaillierter: Auf Paharganj.



Es ist ein Frontalangriff auf alle Sinne und zwar einer von der brutalen Sorte. Ein zuviel an allem: Gerüche, Farben, Lärm, alles. Eine konstante Lärmkulisse rund um die Uhr, etwa 10 Streits täglich mit Indern um ein paar Rupien und das alles inmitten des Querschnitts des Geruchs Indiens nach Abgasen, Bidis (indische Zigaretten), billigen Currygerichten und Pisse.



Delhi ist ein Moloch. Zuviele Menschen, zuviel Verkehr, zuviel Dreck, zu viel alles. Und Paharganj ist der Teil von Delhi, der da noch ein bißchen mehr heraussticht. Sagen wir es mal so: Paharganj ist mehr oder weniger ein Slum. Selbst für indische Verhältnisse geht es hier noch etwas brutaler und rücksichtsloser zu und das will was heißen. Die Drogenszene ist ziemlich offen erkennbar und es wäre mir leicht gefallen, an alle möglichen Drogen zu kommen, mit Ausnahme von Alkohol, das ist schon etwas schwieriger.



Alkohol ist konspirativ und in Liquor Stores erhältlich. Wenn Sie in Paharganj in den Liquor Store gehen, dann werden Sie erstmal blöd angeschaut, weil Sie erstens der einzige Nichtinder in dem Laden sind, der sich zweitens auch noch gegen die Indermeute ellbogentechnisch durchgesetzt hat und drittens nur Bier kaufen will und nicht wie die anderen Kombattanten drumrum ausschließlich Schnaps.



Wenn Sie also mal so richtig kulturschocken wollen, dann fliegen Sie nach Indien und setzen sich ein paar Tage nach Paharganj. Danach kann und wird es nur noch besser werden. Aber so zum Abhärten ist das genau richtig.



Und so haben Sie schon recht schnell gelernt, im Hotel nochmal schnell tief Luft zu holen, eine dicke Schwade Klimaanlagenluft zu inhalieren, ehe es dann raus geht in die Hitze, den Gestank und den Wust all derer, die den bleichen Europäer attackieren werden.



Raus ins Verkehrsgewusel. In Paharganj gibt es so etwas wie Bürgersteige nicht oder sie werden belagert von drogensüchtigen Taubstummen oder jämmerlichen Gestalten. In jedem Fall wollen Sie da nicht laufen, weshalb Sie automatisch Teil des Verkehrsgeschehens werden und das wiederum heißt, dass Sie sich nun gemeinsam mit den anderen Verkehrsteilnehmern die Straße teilen und das sind Autos, Busse, Lastwagen, Autorikschas, Fahrradrikschas, Fahrräder, Hunde, Ziegen, Kühe, Pferde, Mulis, Kamele, Schweine und die selbst gezimmerten Karren der Kulis.



Ich war ja mal rein interessemässig bei McDonalds. Einfach weil ich mal wissen wollte, was es da so gibt in einem Land, in dem so eine Kuh einen Status hat, wie hier die Schoßhündchen von blondierten Püppchen mit Jogginghose. Prompt prangte da ein Schild: No beef, no boeuf. Damit wollten sie -wie aus den Untertiteln ersichtlich- sagen, dass es hier weder Rind noch Schwein gibt. Ja, während Sie dann noch drüber nachdenken, was die wohl auf den Burger schmeißen, fällt Ihnen schlagartig ein, dass Sie in ganz Delhi auch nach drei Tagen keine einzige Katze gesehen haben -und Sie haben allerlei Getier gesehen- und das ist dann der Punkt an dem Sie derartige Überlegungen doch besser sein lassen.



Es gibt aber auch das andere Delhi. Das Delhi der Moguln und der Bauwerke, die diese hinterließen. Moguln klingt für mich schön, weil das persisch inspiriert war und man sich deshalb phasenweise wie im Iran fühlt. Erst recht, wenn man etwas darauf achtet und sprachliche wie architektonische Parallelen bestehen. Das wiederum versöhnt dann wieder mit Delhi. Selbst mit Paharganj.







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Montag, 12. Mai 2014
Das näxxte Land mit I
Italien, Iran....okay, da ist irgendwie die logische Konsequenz Indien.

Und ich sag Ihnen eines: Mein Glück ist jetzt aufgebraucht. Weg. Perdu. Ich war damals mal mitten im Militärputsch und bin bei besoffenen und bekifften Fahrern mitgefahren. Manchmal waren sie auch beides. Ich weiß bis heute nicht, wie das gut gegangen sein mag.

Aber irgendwann mal hört das Glück halt einfach auf.

Erst krachte der Bus gegen den Traktor, dann gegen Beton, danach ordnete der Pilot schon auf 5000 Metern an, dass das Kabinenpersonal doch besser auf seinen Platz kehren sollte und deshalb ist es auch nicht richtig überraschend, wenn der Flieger direkt über der Landebahn durchstartet. Das Gefühl dabei ist trotzdem scheisse.

India yesterday, today, tomorrow......

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Donnerstag, 18. Oktober 2012
Arak
So. Letzte Station und ich muss Ihnen gleich sagen, dass Arak touristisch nun nicht wirklich viel zu bieten hat, aber wir waren bei Hamid eingeladen und da waren mir dann touristische Highlights auch egal.



Ich erzähle Ihnen nun daher nix aus dem Reiseführer, sondern stattdessen lieber Geschichten frei aus dem Leben und der Realität. Hamid ist der Cousin von Mo und ein richtig lustiger Kerl. Hamids Lieblingsspeise ist übrigens Schweinshaxe und eine Halbe Bier, alternativ Currywurst, aber beides kriegt er im Iran eher nicht.



Wir stellten ja irgendwann mal fest, dass Mo, Hamid und ich allesamt innerhalb von 5 Monaten geboren wurden und das ein saumäßig guter Jahrgang sein muss. Wir haben uns prächtig verstanden. Er betitelte mich irgendwann mit "bache poroo", aber ich finde, eigentlich ist er ein echter "bache poroo" und überlasse Sie nun damit Ihren Farsi-Kenntnissen. Das wurde zwischen uns dann mal zum running gag.



Arak kennt man nur von seinem Schwerwasserreaktor und dem Atomprogramm, im Iran gilt es als Industriestandort, aber es ist bei weitem nicht so unansehlich, wie die Iraner immer wieder sagen. Aber man muss ja erstmal da hin kommen und das war schon schwierig. Erstmal von Kashan nach Qom und von dort weiter nach Arak.



Sagen wir es mal so: Mir war das etwas suspekt, als wir in Kashan ins Auto stiegen und Mo fand es auch irgendwie seltsam. Weil nämlich sowohl Fahrer als auch Beifahrer sofort anfingen zu beten. Beim Beifahrer hätte ich das noch verstanden, angesichts der sonst üblichen Fahrweise dort, aber wenn schon der Fahrer betet, da geht's Ihnen dann echt nochmal anders. Echt.
Wir merkten dann, dass die Jungs entgegen ihrer Kleidung und ihres Auftretens ziemlich regimetreu waren. Etwas später machten wir uns dann verdächtig, weil sie erstens merkten, dass sie einen Ausländer an Bord haben und zweitens Mo nicht in der Lage war, mittels eines Nokia 3380 von vor 10 Jahren für den Beifahrer eine SMS auf Farsi abzutippen. Aber sie hatten zuviel mit dem Gerichtsvollzieher und Telefonaten mit selbigem zu tun, als sich uns widmen zu wollen.



So ein bißchen Realpolitik muss jetzt aber auch sein. Hamid beispielsweise ist Unternehmer und beliefert kleinere Läden mit Lebensmitteln. Großhandel kann man das kaum nennen mit seiner eher kleinen Halle von grob 20x10 Metern. Das große Geschäft machen ohnehin die Pasdaran, von denen er sich als Regimegegner gerne fern hielte, aber das gar nicht kann, weil alles über die Pasdaran läuft. Genehmigungen, Import, Handel undsoweiter. Die wirklich Großen sind die Pasdaran aka Religionswächter. Flugunternehmen, Hotelketten, Großindustrie: Alles Pasdaran. Wenn Sie etwa gerne Pistazien knabbern, ist die Wahrscheinlichkeit nicht eben klein, dass Sie Rafsandjani noch etwas reicher machen. Denen gehört jede große Firma. Alles staatlich kontrolliert. Auch die Banken. Hamid etwa würde gerne vergrößern. Eine größere Halle bauen. Dafür aber braucht er einen Kredit. Dafür aber verlangen sie 23% Zinsen und das, wo grade die Wirtschaft am Boden liegt, die Währung ohnehin ins Bodenlose rauscht, sie neuerdings Dollars nicht mehr tauschen dürfen und die Inflation ins Unermessliche steigt. Kurz: Es ist dort Notstand. Realität.



In die Realität katapultiert wurde ich dann übrigens auch gleich nach meiner Rückkehr nach Deutschland. Ich hätte nicht danach suchen sollen, aber ich habe es dann doch getan und grausiges gefunden: Am Sabalan Square in Teheran (in dessen Nähe Mo's Mutter wohnt), an dem ich noch am Samstag unterwegs war, wurde am Montag drauf eine öffentliche Hinrichtung vollzogen. Ich sag es Ihnen ganz ehrlich: Da kriegt man wirklich Beklemmungen.



Gerne reden sie nicht darüber, aber sie haben Angst. Vor einem Krieg. Sie sind nicht blöd und wissen die Zensur und all die Sperren zu umgehen und sich ausländischer Kanäle zu bedienen. Und sie studieren jede einzelne Nachricht intensiv und merken sehr genau, dass die Trommelei auf allen Seiten lauter wird. Kanadische Botschaft geschlossen, iranische Drohungen, israelische Rotlinien undsoweiter.



Was einem sofort auffällt: Die Fälscherei. Das iranische Regime fälscht alles, wirklich alles. Da fährt beispielsweise ein Zug ein auf dem ganz groß steht "Made in I.R.Iran". Wenn Sie aber einsteigen, sehen Sie überall serbische Plaketten und Aufschriften. Oder Fast-Food-Ketten. Selbst wenn es keinerlei diplomatische oder wirtschaftliche Beziehungen zwischen Iran und den USA gibt, können Sie problemlos bei McDonalds oder Kentucky Fried Chicken essen gehen.



Nun erzähle ich Ihnen noch über ein paar verbotene Sachen, die ich im Iran getan habe.

Ich habe nämlich verbotenerweise Alkohol getrunken. Jawohl, in den zwei Wochen dort habe ich mir ein einziges geschmuggeltes Bier gegönnt. Völlig konspirativ im Hotelzimmer. Selbst dieses aus der Türkei geschmuggelte Bier käme wohl kaum in den Iran, ohne Wissen und Billigung (und viel Schmiergeld) der Pasdaran. Das mit dem Bier kam so: Hamid, Mo und ich stehen im Aufzug von Hamids Haus und dann kommt ein Nachbar. Plauderei unter Iranern wie auch sonst üblich. Der Nachbar sagt, er hätte Bier im Keller und denkt dabei, dass wir -wie im Iran üblich- jetzt so etwa 10x sagen, dass wir das nicht wollen, um uns das dann doch unter Widerstand andrehen zu lassen. Aber da hat er die Rechnung ohne Mo gemacht. Der sagt sofort ja, geh holen, ganz entgegen iranischer Gepflogenheiten. Und dann saßen wir etwas später da und genossen wirklich ein eigentlich eher mittelmäßiges Bier niederländischer Provenienz.



Ja, und dann habe ich noch was ebenso verbotenes gemacht. Ich war mit Mo und Hamid Eis essen. Na gut, zwei Mädels waren auch dabei und das war das Problem. Das nämlich geht nicht. Man kann im Iran nicht mit Mädels im Auto sitzen -ohne ein Taxi zu sein-, die nicht mit einem verwandt oder verschwägert sind und die man einfach halt mal so kennt, wie man hierzulande eben Leute anderen Geschlechts einfach mal freundschaftlich so kennt, ohne gleich mit ihnen verwandt, verheiratet oder verschwägert zu sein oder dieses Verhältnis unmittelbar demnäxxt anstreben zu wollen.



Ist verboten.

Entsprechend konspirativ sind die Mädels eingestiegen, obwohl sie zwei der drei Insassen recht gut kannten. Mo sagte dann zwischendrin, dass wir für diese Aktion verhaftet werden können. Sonderlich hilfreich fand ich den Hinweis nicht. Eis essen. Taten wir dann ja tatsächlich, wobei der Ausländer während der Eisbeschaffung dann doch besser mit den Mädels im Auto sitzen sollte, weil das weniger auffällt, was aber auch nicht so recht klappte, weil sich Ausländer nie an Regeln halten und dann den Kindern vor Ort tatsächlich auffallen (die haben entgegen den Erwaxxenen scheint's einen Indikator).



Sie ahnen aber gar nicht, was da für eine Atmosphäre entsteht. Nennen wir es mal das "iranische Spiel". Weil nämlich alle Beteiligten wissen, dass dieses Spiel grade aber sowas von verboten ist, dann kommt es ja auch nicht drauf an, wie weit man geht und das ist verdammt weit. Sagen wir es so: Es kommt nicht zum äußersten, aber die Atmosphäre ist prickelnd. Flirterei, Anmache, Andeutungen. Es hat was vom ersten Date seines Lebens, damals in den 80ern. Als Ausländer wird man von den Mädels gleich noch offen angebaggert: "Schon mal nen Ausländer geküsst?" - "Nee, du?" - "Jetzt hätten wir die beste Gelegenheit".

Ausländerungeknutscht haben wir die Mädels genauso konsperativ wieder entlassen.

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Sonntag, 14. Oktober 2012
Haptik und Olfaktorik beim Öffnen des Päckchens sind einfach nicht steigerbar
....und meine Iraner sind schon richtig wild drauf...

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Montag, 8. Oktober 2012
Kashan
Kashan liegt so auf halbem Weg zwischen Esfahan und Teheran und ist bekannt für kadscharische Herrschaftshäuser, einen uralten Garten und seine Teppiche.



Teppich ist nun mal ein Stichwort, weil Teppiche was wirklich originär iranisches sind und die in aller Regel auf dem Basar gehandelt werden. Dort haben sie mittlerweile ein Problem, weil sie ihre Teppiche nicht mehr loskriegen und das liegt vor allem an einem ganz immensen Imageproblem: Die Teppichbazaris haben sich nämlich mit dem Teufel eingelassen und das sind in dem Fall die Chinesen und die haben ihnen erst perfekt gefälschte Teppiche verkauft, die wiederum von den Bazaris als Originale weiterverkauft wurden und nun räumen die Chinesen gleich richtig den Markt auf und dumpen das gleich nochmal. Für die Bazaris ist das wirklich gefährlich und damit ist es das auch für das Regime, aber weshalb, da müssen Sie schon weiterlesen.



Aber mal zum Gartenbau. Ich geb es ehrlich zu: Ich hab es damit nicht so. Mir ist nur mein Feigenbaum heilig und das hat eher persönliche Gründe als die Liebe zu Pflanzen. Vielleicht ist daher meine Bewunderung für den iranischen Gartenbau eine ungleich andere. Immerhin ist das Klima doch sehr heiß, Wasser weit nicht so verfügbar wie hier und karg ist die Erde auch noch. Insgesamt widrige Bedingungen.

Aber die Iraner machen trotzdem was draus und Sie werden nun die Bilder eines Gartens sehen:





Bagh-e Fin heißt der Garten. Klar, der Garten wurde immer wieder neu angelegt, aber: Was glauben Sie, wie alt dieser Garten ist? 100 Jahre? 200 Jahre? 500 Jahre? Gar 1000 Jahre? Nö, alles falsch. Man nimmt an, dass der Garten vor etwa 7000 Jahren zum ersten Mal angelegt wurde. Da saßen die braven Germanen noch in ihren sumpfig-feuchten Wäldern und sollten noch 5000 Jahre lang auf die Römer warten.



Wie die Iraner das Wasser über zig Quellen und zig Kanäle über lange Wege dorthin transportieren und das in einem Land, in dem nur sehr wenige Flüsse ganzjährig Wasser führen, ist vermutlich eine eigene Doktorarbeit wert. Wie sie es schaffen, das so großzügig zu verteilen und dann alles zum Sprießen zu bekommen wohl auch.



Solche Gärten sind wirklich im Wortsinne Paradiese, weil sie entstehen, wo rundherum wirklich alles karg und öde ist. Aber auch im Paradies geschehen schreckliche Dinge, das wissen Sie seit Kain und Abel. Im Paradies Bagh-e Fin beispielsweise wurde Amir Kabir ermordet, der bis heute über alle Verwerfungen hinweg höchstes Ansehen genießt im Iran.



Wir müssen uns nun aber auch mal einem sehr ernsten Thema zuwenden und vielleicht interessiert Sie das auch hoffentlich einigermaßen brennend: Die Politik heutzutage. Darüber redet man im Iran nicht offen, beziehungsweise verhält man sich distanziert gegenüber Leuten, die man nicht kennt und diskutiert das alles allenfalls in der Familie. Ich traf ja ein paar von Mo's Cousins, die auch im Iran leben und dazu muss man sagen, dass Mo's Familie generell oppositionell eingestellt ist und einige durchaus dem Schah nachtrauern. Die Cousins von Mo waren mal in der Grünen Bewegung aktiv, damals vor drei Jahren.



Seither sind sie irgendwie desillusioniert. Und irgendwie auch lethargisch. Paralysiert. Sie wissen, dass sich was ändern muss und sie mögen es auch überhaupt nicht, dass ihnen das Regime alles blockiert, was halbwegs Spaß macht, von Beck's bis Youtube (Internet ist unendlich langsam und es ist alles geblockt von Youtube bis Facebook, die Iraner umgehen das trotzdem), aber sie verweisen eben auch darauf, dass das Regime brutaler ist als sie und sie genau wahrnähmen, was grade in Syrien passiert. Ihre Grüne Bewegung wurde schlicht niedergeschossen. Von außen wollen sie auch nix haben, iranische Angelegenheiten müssen Iraner klären. Sagen wir es mal so: Es ist mächtig kompliziert.



Aber der Verfall der Währung hat auch Folgen. Als ich abflog waren es ja noch 29500:1, am Montag waren es 40000:1, Dienstag 45000:1. Am Mittwoch machten dann die Bazaris ihre Läden dicht, was ziemlich gefährlich ist für das Regime, weil die Bazaris traditionell konservativ sind und eher dem Regime anhängen. Und dann machten wiederum die Basij die Wexxelstuben dicht. Genau da, wo ich noch vor ein paar Wochen gewohnt habe und entlanggelaufen bin. Das sah dann auf einmal etwas anders aus, am und südlich des Ferdowsi-Platz.

Teheran letzten Mittwoch:



"Marg bar diktator" entstammt der Grünen Bewegung und man wünscht dem Diktatoren den Tod. Danach schreien sie, dass man Syrien sich selbst überlassen solle und es um den Iran ginge (und meinen damit die Hilfen für das Assad-Regime). Es gab auch Steine, brennende Mülleimer, Verhaftungen und Schlägereien mit der Polizei.



Wie Sie sicher bemerkt haben, springe ich grade lustig hin und her zwischen lustigen Gartenthemen und knallharter Realität. Das ist eben, was Sie erleben, wenn Sie im Iran sind: Unendlich schöne Dinge und Erlebnisse und mit einem Schlag steht dann da so ein Arschloch-Basij.



Wie bei unserer Zugfahrt. Ich, Mo, 3 Durchschnittsiraner und ein ehrenamtlicher Basij. Diese sind immer eher sehr zurückhaltend, beobachten eher und daher verzog sich der Basij gleich nach oben in die zweite Etage. Iraner reden ja immer und ständig miteinander. Permanent. Hier auch. Irgendwann mal merkte ich, dass es etwas hitziger wurde und der Basij runterglotzte und alles was ich in meinem Rudimentär-Farsi begriffen habe, war, dass es um "Zug" und "spät" ging. Der Zug hatte 2 Stunden Verspätung.



Mo sagte dann, dass der eine Mitpassagier fragte, weshalb der Zug so viel zu spät ist. Die Antwort von Mo war: "Weil in diesem Land nichts, überhaupt nichts, funktioniert". Da schaute der Basij dann entgeistert und ging raus zwecks Berichterstattung. Ich fand zwar, dass die Iraner das ohnehin wissen, weil sie da leben und das gar nicht nötig gewesen ist, aber Mo bestand darauf, dass es einen Mutigen braucht, der das auch ausspricht, während er gleichzeitig fand, dass ein paar "Codewords" (Chamenei, Khomeini, Israel, West, USA, Mossad etc.) doch jetzt besser unterbleiben sollten. Er hatte Schiß bekommen, die anderen und ich auch. Ein Klima der Angst, nichts anderes. Keine Ahnung, was der Basij berichtet hat, aber sie ließen uns alle unkontrolliert aus dem abgeschlossenen Zug, der sich nur von außen öffnen lässt. So funktioniert Diktatur.



Aber noch mehr Sprünge und jetzt sind wir bei den Kadscharenhäusern. Die Kadscharen waren eine eigene Dynastie und eher nicht so arg angesehen, weil das eher so eine Zeit des Niedergangs Irans war, aber hallo, großartige Häuser haben sie trotzdem gebaut. Die kann man heute besichtigen.



Vielleicht bringe ich Ihnen nun einfach etwas Farsi bei, und das als jemand, der allenfalls die Höflichkeitsfloskeln beherrscht, aber wir machen das jetzt trotzdem.



Sie sahen nun grade eben das Khaneh Ameri-ha. Khaneh bedeutet Haus, Ameri ist der Familienname und bei den Iranern bezieht sich der Familienname auch immer auf den Ort, woraus die Familie entstammt -die Arakis stammen aus Arak, die Teheranis aus Teheran usw., die Ameris demnach also aus Amer- und das -ha ist der Plural.



In dem Fall heißt Khaneh Ameri-ha schlicht: Haus der Ameris. Geht doch oder? Khaneh Borudjerdi-ha? Haus der Borudjerdis. Masjed-e Imam? Moschee des Imam. Sehense? So schwer ist Farsi gar nicht. Und so könnten wir weitermachen. Tun wir aber nicht. Wir schauen uns jetzt noch mal schnell das Khaneh Borudjerdi-ha an.



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Sonntag, 7. Oktober 2012
Iranische Frauenmode
Sie glauben, es gäbe dort keine Modemacher? Dann liegen Sie falsch. Iranische Frauen sind eitel. Selbst Tschador ist nicht gleich Tschador. Wird zumindest suggeriert. Mo lachte laut auf, als er die Schilder las, die den Schaufensterpuppen umhingen.
Von rechts nach links: für Studentinnen, arabische Version, nationale (iranische) Version, mit Schal...
Fragen Sie nun aber nicht nach den Unterschieden....

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Dienstag, 2. Oktober 2012
Construction works in Teheran

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