Montag, 21. Februar 2011
Good morning Vietnam Germany
Dieser vollkommen gelungen misslungenen Überschrift dürfen Sie entnehmen, dass ich wieder in heimischen Längen- und Breitengraden weile.
Ehe wir nun gemeinsam an allerlei Fotos gehen, muss so ein etwas verquerer Metabeitrag her. Meta ist toll, Meta kommt immer super ehe man dann medial in res geht und ob Sie es nun glauben oder nicht, ich kannte da mal eine die mit Nachnamen auch noch Würstle hieß. Oder auf Deutsch: Sie müssen sich jetzt durch allerlei Kuddelmuddel quälen, weil das hier jetzt ganz viel Durcheinander werden wird. Schließlich war ich unterwegs. Lange. Aber wie es sich gehört, habe ich natürlich auch was mitgebracht. Hoffentlich allen.

Fangen wir aber mal von vorne an:

Ich hatte das Oderauchnichtvergnügen, mit der besten Fluglinie der Welt zu fliegen, was ich aber auch erst herausgefunden habe als ich im Flieger saß, weil man als beste Airline der Welt mit sowas schließlich ja auch mächtig Werbung machen kann muss. Davor hielt ich es für eine fragwürdige asiatische Billigairline, die mit geknechtetem Personal arbeitet und Flieger in der Flotte hat, bei denen die Passagiere noch selbst mitstrampeln müssen.
Mit der angeblich besten Airline der Welt gings dann gen angeblich zweitbesten Flughafen der Welt, der auch mal Nummer eins war, wie die Jacken der Flughafenmitarbeiter ganz fett auf dem Rücken anzeigen.

Theoretisch klingt das ja ganz gut, aber so ein Flug ist halt auch nur ein Flug, auch wenn das Entertainmentprogramm nicht ganz schlecht, das Essen für Flugzeugverhältnisse recht passabel, die Kundenfreundlichkeit dank Einheitsnamen (Mrs. Kim) enorm und der ausgeschenkte Whiskey immerhin ein 18jähriger Chivas Regal ist.

Ich hatte damit anlässlich von insgesamt etwa 35 Stunden Hin- und Rückflug ausreichend Gelegenheit, diverse Studien anzustellen und komme zu folgenden Schlüssen:

1.) Die Koreaner haben nen Schuss und zwar so richtig gewaltig. Arbeiten tun die erst nachdem sie zusammen so eine Art gemeinsames Motivationsgebet gesprochen haben und sich dann nochmal gemeinsam vor der Kundschaft verbeugt haben. Davor sind sie überhaupt nicht empfänglich für Ansprachen oder Rückfragen der Kundschaft.

2.) Die Koreaner haben nen Schuss und zwar so richtig gewaltig. Da servieren die futtermäßig Bibimbap, was sich ja erstmal lustig anhört und auch sehr schön anzusehen ist. Wunderschön hat man da Gemüse und Fleisch arrangiert. Es sieht aus wie ein Gemälde.
Und dann kommt das: Man haut Reis rein, schmiert tonnenweise Chilipaste drüber und vermischt das alles zu einem einzigen Riesenmatsch, der in etwa so aussieht wie widergekäutes Gulasch.

3.) Ich weiß nun, weshalb mein Spielfilmkonsum auf Null gesunken ist. Hollywood produziert nur noch Käse. Wenn schon Langeweiler wie "Social Network" und "Inception" auf der Oscarnominierungsliste stehen: Gutnacht.

Ich könnte Ihnen jetzt noch kurz vor der Souvenirübergabe ganz auf die Schnelle noch meine Überlegungen hinsichtlich Essen in Fliegern darlegen und darum mache ich das. Ich kam damals während eines Flugs nach New York drauf. Weil nämlich die Amis alles von mir wissen wollten und wirklich alles schon vorneweg und jetzt auch fast alles von mir haben und wissen: Sie haben meine Fingerabdrücke, mein Foto, insgesamt drei Anmeldungen, sie wissen wann ich kam und ging, sie wissen in welchem Flieger ich wo saß und wahrscheinlich wissen sie auch, was ich gegessen habe und genau beim Ausfüllen der kleinen grünen Einreisekarte und dem Nachgrübeln über der Frage, ob ich während des Zweiten Weltkriegs an Kriegsverbrechen oder dem Holocaust beteiligt war, genau da kam die Überlegung, möglichst terrorunverdächtig zu wirken und daher habe ich mir damals vorgenommen, im Flieger Schwein zu bestellen obwohl ich das gar nicht recht mag. Aber soll ich Ihnen was sagen? Es gibt gar kein Schwein im Flieger. Nie. Stattdessen fast immer Hühnchen. Ich gelangte dann zum Ergebnis, dass es so viele Hühner gar nicht geben kann, wie an einem durchschnittlichen Flugtag in den Fliegern so verspeist wird. Leider dauerte der Flug dann doch nicht so lange, als dass ich meine Überlegungen hätte näher verifizieren können.

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema, wobei dieser Beitrag ja gar nix thematisches hat außer keinerlei Thema. Aber wenn Sie jetzt schon so weit gedrungen sind ohne wegzuklicken und ohne ein einziges Foto gesehen zu haben: Glückwunsch. Es kann wird nun besser werden. Versprochen.

Natürlich war Südkorea nur Zwischenstation. Danach ging es dann in das Land der Motorroller. DAS Land der Motorroller. Daher widme ich die grade zu lesende Passage den Herren prieditis und monopixel. Ich würde behaupten wollen, dass sehr viele Motorrollerfirmen längst pleite wären, gäbe es nicht dieses Land. Vietnam. Genauer: Hanoi. Hanoi hat so etwa 3 oder 4 Millionen Einwohner, 8 Millionen Motorroller, von denen etwa 12 Millionen funktionieren und 15 Millionen funktionsunfähig auf den Gehwegen dauerabgestellt sind und Hanoi hat den verrücktesten Verkehr, den ich je gesehen habe. Es ist Anarchie pur. Regeln gibt es keine und ich habe auch keine einzige davon verstanden. Anfangs erinnerte mich das an einen Ameisenhaufen, bis ich dann feststellte, dass in einem Ameisenhaufen die eine Ameise genau weiß, was die andere Ameise tut, was man von den vietnamesischen Rollerfahrern nicht unbedingt sagen kann, auch nicht mit viel gutem Willen. Man fährt kreuz und quer und hin und her. Sollte es mal eine Ampel geben, so hat diese die Funktion eines Tempohundertschilds für dunkler lackierte BMWs auf deutschen Autobahnen. Es gilt die Macht der Hupe. Gehupt wird immer, überall und dauernd und vor allem prophylaktisch. Wo andere einen Knopf haben um mal kurz zu hupen, haben die Vietnamesen einen, um die Hupe mal kurz zu unterbrechen, sollte die jemals mal kurz nicht benötigt werden, was aber ohnehin nie der Fall ist.
Aussehen tut das in etwa so:



Oder auch so:



Und weil Standfotos das nur mäßig widergeben, habe ich Ihnen sogar ein Video mitgebracht. Keine spezielle Verkehrssituation, eher langweilig sogar weil keine Rush-Hour und es nur das durchaus normale Verkehrsaufkommen ist.



Das lustige ist: Wenn Sie mal in Hanoi sein sollten, werden Sie sehr schnell Teilnehmer hiervon, selbst als Fußgänger und zwar nicht erst dann, wenn Sie eine Straße überqueren wollen sondern bereits beim Spaziergang auf dem Gehweg: Weil nämlich einerseits Roller den Gehweg zuparken und die nicht zugeparkten Stellen von futternden Vietnamesen belagert sind, die auf viel zu kleinen Kindergartenstühlchen dauerhaft Mahlzeiten in sich aufnehmen und Sie damit ohnehin die meiste Zeit auf der Straße werden laufen müssen.
Aber richtig toll ist erst eine Straßenüberquerung. Dabei sollten Sie sich an drei Grundregeln halten:

a) Gehen Sie sehr langsam, wirklich langsam, -aber bestimmt- geradeaus. Die wollen Sie nicht überfahren und werden versuchen, um Sie rumzukurven. Das geschieht weniger aus Rücksichtnahme als eher aus Angst um den Roller.

b) Schauen Sie nie, wirklich nie, einem Rollerfahrer ins Gesicht. Sie bringen damit das System durcheinander.

c) Treten Sie um Gottes Willen niemals einen Schritt zurück. Damit rechnen Vietnamesen nicht.

Sollten Sie sich fragen, wieviele Menschen auf so einem Roller transportiert werden können: 4 Erwachsene sind problemlos möglich, eine 5köpfige Familie ohnehin.

Falls Sie nie die Gelegenheit bekommen sollten, in vietnamsischen Bussen mitzufahren und mal schnell durch die Windschutzscheibe zu spähen: Es ist wie ein Videospiel. Die Vespenschwärme (dieses überaus gelungene Wortspiel widme ich auch den Herren monopixel und prieditis) fahren links vorbei und rechts vorbei und es macht wusch, es hupt, ein Bus kommt Ihnen entgegen und Sie wünschen sich ganz ehrlich, dass nicht dieses "Game Over"-Schild auftaucht, das man sonst bei derartigen Beschäftigungen so sieht.

Aber lassen Sie uns zu anderen Dingen kommen. Vietnamesische Musik etwa. Kennen Sie nicht? Kannte ich davor auch nicht. So bedeutend scheint das auch nicht zu sein. Aber es gibt immerhin derben vietnamesischen Metal. Mitgebracht für die dunkleren Seiten des Lebens.

track011 (mp3, 8.192 KB)

Das stammt von Herrn Quan, den man aber Kwin ausspricht, und ich kann Ihnen wirklich versichern, dass Herr Quan einer der umgänglichsten, freundlichsten, gebildesten und reflektiertesten Mensch ist, die mir je begegnet sind, auch wenn sich seine Musik nicht ganz danach anhört.

Okay, zugegeben, das war jetzt eher Männermusi und wo wir schon mal dabei sind, den Ladiesfirstgrundsatz komplett machismohaft über Bord zu werfen, könnte ich auch gleich mal eines der sehr raren Fotos von mir einstellen. Um es kurz zu machen: Jungs, ich war ballern.



Sie können dem obigen Foto nun entnehmen, dass ich Linkshänder bin, dem rechts, das 12 von 15 Schuss auf 30 Meter zu meiner eigenen Überraschung tatsächlich auf der Scheibe gelandet sind und wirkliche Kenner der Materie erkennen ein M16, ein Teil mit dem die Amis in Vietnam mächtig rumgeballert haben. Ich möchte an dieser Stelle nur nochmals erwähnen, dass ich Kriegsdienstverweigerer bin und trotz passabler Schießergebnisse: Dr. Karl-Theodor, für die Landesverteidigung stehe ich nach wie vor nicht zur Verfügung.

Genug der männerlastigen Laster. Ehe die Damen gleich wegklicken muss jetzt was netteres her als schnödes Kriegsgerät.

Ein Einkaufsparadies etwa. Wie beispielsweise hier:



Ersatzweise hätten wir noch ein Foto aus der Kategorie "Ohistdersüüüüß"



Und wo ich schon mal dabei bin, kann ich Ihnen auch gleich das näxxte Tierkindfoto bringen. Das ist ja schließlich ein Blog und was wäre schon ein Blog ohne Katzenbilder...
Dabei musste ich an Herrn sethos denken. Die Katz´ war eine von mehreren wilden Waisen, denen es aber sehr gut geht, weil sie im Tempelgelände leben und daher allerbestens versorgt werden.



Puh. Grade nochmal so die Kurve gekriegt. Hoffentlich. Deshalb mal eher allgemeine Dinge. Sie werden die nächsten Wochen vollgefrachtet werden mit allerlei Fotos. Die gute Nachricht für Sie ist: Der Neidfaktor wird anfangs eher gering sein, weil es bei so einer Reise immer zweierlei Faktoren gibt. Reisebeschleuniger und Reiseentschleuniger. Beschleunigend wirkt sich das Wetter aus und das war in Nordvietnam doch ziemlich bescheiden, selbst die Vietnamesen waren über das kühle Wetter überrascht. Entschleunigend sind Feiertage zum Beispiel, aber das thematisieren wir dann etwas später. Die schlechte Nachricht für Ihren Neidfaktor ist: Die Bilder werden wettertechnisch kontinuierlich besser.
Bis es so weit ist, können wir aber auch mal schnell Bildung bloggen: Sehr lustig ist immer wieder, dass die Vietnamesen während der französischen Kolonialzeit Lehnworte übernommen haben. Cà Phê etwa. Oder schlicht Ga. Bahnhof. Und weil sich Vietnamesen mit dem r in Gare schwer tun, haben sie es einfach angepasst. Bia hingegen stammt meiner Überzeugung nach ganz deutlich aus Deutschland. Kann gar nicht anders sein. Nicht allein deshalb, weil Franzosen alles mögliche können, aber definitiv kein Bier brauen.



Jetzt müssen wir aber noch ganz kurz auf das kommen, was eine Reise nach Südostasien reisenswert macht und was man dort sehr genießen kann:
Die Menschen und das Essen. Erstere können sehr ehrlich sein. So sagte mir eine nette Dame einmal: "You remind me of a Hollywoodfilm. You look like a film star."
Die Freude darüber, mit George Clooney verwexxelt zu werden hielt allerdings nur wenige Stunden. Und zwar so lange bis ich an einem dieser Straßenfriseure vorbeilief, dieser mich ums Verrecken rasieren wollte und mir entgegenrief "Sir, you look like a hairy monkey".

Mein Rückschluss aus diesen beiden Sätzen war: Filmstar + haariger Affe. Will heißen: Sie müssen sich mich als Mischung aus Godzilla und Alf vorstellen.



Wie ich teilweise erst im Nachhinein bemerkt habe: Ich habe beinahe sowas wie Welterbehopping betrieben. So ratzfatz wie man das in kurzer Zeit abklappern kann kommt die UNESCO gar nicht mehr hinterher neue zu ernennen. Gut. Nach so viel kreuz und quer und durcheinander und viel Wust sollte ich jetzt mal besser enden, weil das sonst ohnehin keiner mehr liest. Ich geh jetzt Fotos aussuchen.

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